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Kultur

„Schön, mal wieder echte Menschen zu fotografieren“

Dienstag, 17. April 2018 | Text: David Rösler | Bild: Michael Zellmer

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Michael Zellmer hat sich im Studium erstmals Mal mit Fotografie auseinandergesetzt und ist dem Fach bis heute treu geblieben. Geboren in Worms, lebt und arbeitet der 38jährige Diplom Designer seit knapp 1 ½ Jahren in der Kölner Südstadt. Neben der fotografischen Arbeit für Firmen und Verlage, widmet sich Michael seit Sommer 2017 immer wieder auch einem ganz persönlichen Projekt: Sein Blog „Streetportrait-Faces of Cologne“ zeigt Porträtaufnahmen von Menschen, denen Michael in seinem kölner Alltag begegnet. Kein Casting, kein Studio. Eine Fotoserie über spontane Treffen und Gespräche mit dem Menschen im Mittelpunkt.

Meine Südstadt: In deiner Fotoserie „Faces of Cologne“ zeigst du Menschen, die dir im Alltag begegnen. Wie bist du auf die Idee gekommen, daraus die Faces of…Serie zu machen?

Michael Zellmer: Ich bearbeite hauptberuflich als Fotograf Aufträge, habe es aber schon immer gebraucht, daneben auch freie Arbeiten zu machen. Projekte ohne Kundenbriefing, wo ich einfach das machen kann, worauf ich Lust habe. Projekte, bei denen ich die Möglichkeit habe, mich künstlerisch auszudrücken. Ich habe gerne auch mal mit Models zusammengearbeitet, die ich in mein Studio eingeladen habe. In den letzten Jahren hatte ich jedoch das Gefühl, dass diese Art von Fotos immer mehr zugenommen haben: Klassische Schönheiten, perfekt abgelichtet und retuschiert. Das hat mich genervt! Beim Scrollen durch Instagram bekam ich müde Augen und ich dachte mir: Vielleicht brauche ich etwas anderes für mich. Es wäre doch schön mal wieder echte Menschen zu fotografieren. Menschen die vielleicht auch gar nicht wissen, was auf sie zukommt. Außerdem war die Idee, dass ich dadurch, dass ich die Leute ansprechen muss, die Stadt Köln und ihre Bewohner noch besser kennenlernen kann.

Meine Südstadt: Als Fotograf, der auch für große Verlage, Konzerne und Organisationen tätig ist, kommst du sicher viel rum, warum machst du also gerade die Kölner zum Thema deiner Fotoserie?

Michael Zellmer: Wahrscheinlich, weil ich hier wohne. Hier meine Basis ist. Der Grundgedanke ist, die Kamera immer dabei zu haben, egal wohin ich gehe. Ich möchte nicht gezielt auf die Suche nach Motiven gehen, sondern mich spontan in der Situation dazu entscheiden, jemanden zu fotografieren. Da sich mein Alltag hauptsächlich auf Köln konzentriert, fiel schon allein aus praktischen Gründen die Wahl auf die Kölner.

Meine Südstadt: Viele deiner Bilder entstehen in der Kölner Südstadt. Auch praktische Gründe?

Michael Zellmer: Ich glaube, dass es schon so ist, dass man gar nicht so leicht aus seinem Veedel rauskommt. Ich probiere schon ab und zu mal, mich auf’s Fahrrad zu setzen und auch in andere Stadtteile zu fahren. Vor allem dann, wenn ich das Gefühle habe, dass ich in letzter Zeit nur wenig Porträts sammeln konnte. Die meisten Fotos entstehen aber aus meinem Alltagsleben in der Südstadt heraus– was ja auch der Plan war.

Meine Südstadt: Worauf liegt der Fokus bei der Auswahl deiner Motive? Auch wenn du die Fotos spontan machst, gibt es sicher Dinge auf die du achtest oder?

Michael Zellmer: Meistens geschieht es aus einem gewissen Bauchgefühl heraus. Obwohl ich ehrlich zugeben muss, dass man sich natürlich auch von gewissen Äußerlichkeiten leiten lässt. Wenn jemand einen interessanten Hut trägt, der vielleicht auch noch rot ist, klar ist das dann direkt ein Blickfang. Was mir aber besonders wichtig ist, ist Charakter!

Michael Zellmer - Streetportrait - Faces of Cologne

Meine Südstadt: Wie waren die Reaktionen der Menschen, die du angesprochen hast? Waren sie irritiert, dass du gerade sie portraitieren willst?

Michael Zellmer: Der Großteil der Leute fühlt sich geschmeichelt. Es gibt aber natürlich auch Menschen, die mich fragen, warum ich gerade sie fotografieren möchte. Ich versuche ihnen dann zu erklären, was ich in ihnen sehe und worum es in dem Projekt geht.

Michael Zellmer - Streetportrait - Faces of Cologne

Meine Südstadt: Also musstest du immer mal wieder auch Überzeugungsarbeit leisten?

Michael Zellmer: Ja. Obwohl ich sagen muss, dass die Gesamtquote hier in Köln wirklich positiv ist. Mindestens 60 Prozent der Leute machen mit, ohne dass ich ihnen groß erklären muss, warum ich gerade sie fotografieren möchte.
Ich versuche den Leuten einfach immer freundlich und auf Augenhöhe zu begegnen. Nach einem Smalltalk ist es dann auch meistens recht entspannt und die Leute machen mit. In manchen Fällen zücke ich auch mal mein Smartphone und zeige den Leuten Bilder, die ich bereits aufgenommen habe. So sehen sie, dass dieses Projekt eine gewisse Substanz hat und willigen in den meisten Fällen ein.

Meine Südstadt: Ist aus einem Smalltalk auch schon mal ein längeres Gespräch geworden?

Michael Zellmer: Meine Erfahrung in Köln ist tatsächlich die, dass viele Menschen Lust auf ein nettes Gespräch haben. Die Kölner sind wirklich sehr offen und haben meistens auch viel zu erzählen. Das Foto wird dann auch oft zur Nebensache und kommt manchmal sogar gar nicht erst zustande. Ich hatte schonmal die Situation, dass ich fast einen ganze Stunde mit jemanden geplaudert habe, er sich am Ende aber gegen das Foto entschieden hat.

Meine Südstadt: Ist das nicht viel zu zeitaufwändig, wenn du so lange Gespräche führst?

Michael Zellmer: Doch schon. Aber für mich hat das auch etwas mit Respekt zu tun.

Meine Südstadt: Wie ist das im Bereich der Streetfotografie, lässt du dir schriftlich bestätigen, dass du die Bilder veröffentlichen darfst?

Michael Zellmer: Ich habe mir schon Gedanken darüber gemacht. Ich weiß auch, dass es ein heikles Thema ist. Gerade auch aus der Berufsfotografie kenn ich die Problematik sehr gut. Ich habe mich letztlich aber dagegen entschieden, immer einen Modelvertrag dabei zu haben. Ich würde es als komisch empfinden, die Leute zu fotografieren und ihnen dann direkt einen solchen Wisch unter die Nase zu halten. Es ist ja so schon eine Art Überfallkommando, was ich da starte.

Meine Südstadt: Hast du nicht die Befürchtung, dass sich mal jemand beschwert?

Michael Zellmer: Natürlich birgt das ein gewisses Risiko. Letztlich probiere ich aber jedem gegenüber ehrlich zu sein und den Leuten auch zu erzählen, für was ich das Bild verwende. Ich habe zum Beispiel einige Visitenkarten gedruckt mit all meinen Kontaktdaten und dem Link zum Blog. Außerdem notiere ich mir auch immer etwas zu der Person, die ich fotografiert habe. Oft schicke ich dann auch das aufgenommene Bild via E-mail, oder auch über den Postweg an die jeweilige Person. Ich hoffe, dass es so funktioniert, ohne das es Ärger gibt.

Meine Südstadt: Wie ist es denn eigentlich für dich, wildfremde Menschen einfach anzusprechen? Kostet es dich viel Überwindung so offen auf die Leute zuzugehen?

Michael Zellmer: Komischerweise nicht. Was bei mir etwas paradox ist, da ich eigentlich ein sehr ruhiger Zeitgenosse bin, der auch gar nicht so gut aus sich herausgehen kann. Ich denke aber das liegt vor allem daran, dass ich einen guten Start mit dem Projekt hatte. Ich hatte am Anfang sehr gute Begegnungen mit Leuten, die sehr offen waren. Das motiviert! Ich weiß aber nicht genau, wie es gewesen wäre, wenn ich bei den ersten Versuchen nur Abfuhren erhalten hätte. Vielleicht hätte ich dann resigniert und es gäbe den Blog heute nicht.

Michael Zellmer - Streetportrait - Faces of Cologne

Meine Südstadt: Hast du vorab eine Vorstellung darüber, welches Bild dein Projekt am Ende über die Kölner erzeugen soll, oder lässt du dich treiben und selbst überraschen?

Michael Zellmer: Ich musste mich überraschen lassen. Ehrlich gesagt kenn´ ich „den Kölner“ noch gar nicht so gut. Ich lerne die Leute jetzt erst richtig kennen, was aber auch das Spannende daran ist.
Was ich aber jetzt schon sagen kann: Die Vorstellung, die ich über den Kölner im Allgemeinen habe, bestätigt sich auch in meinem Projekt.

Michael Zellmer - Streetportrait - Faces of Cologne

Meine Südstadt: Welche Vorstellung ist das?

Michael Zellmer: Weltoffen, herzlich und hilfsbereit. Manche Leute sehen keine wirkliche Sinnhaftigkeit in meinem Projekt, helfen mir aber trotzdem. Einfach aus Hilfsbereitschaft. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wenn ich mein Projekt in Frankfurt beispielsweise gestartet hätte, es nicht so gut funktionieren würde. Ich bin schon immer mal wieder beruflich in Frankfurt und habe das Gefühl, dass dort eher eine gewisse „Ellenbogenmentalität“ herrscht, die sich auch in anderen Städten finden lässt. Köln ist da, Stand meiner bisherigen Erfahrungen, anders.

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Meine Südstadt: Michael, auf deiner Facebook-Seite hast du zwei Ziele formuliert: Eine Ausstellung zum Projekt „Faces of Cologne“ zu machen und eventuell sogar einen Bildband. Wie sieht es damit aus?

Michael Zellmer: Das ist auf jeden Fall das langfristige Ziel. Vielleicht eine Ausstellung in direkter Zusammenarbeit mit der Stadt Köln. Vielleicht aber auch einfach eine Ausstellung in einer kleinen Galerie hier in der Südstadt. Die Bilder einzeln zu verkaufen macht wahrscheinlich nicht besonders viel Sinn.
Ein Bildband würde aber, vor allem im Zusammenhang mit einer Ausstellung, gut funktionieren denke ich. 200 interessante Gesichter, aufgenommen in Köln – das in Buchform stelle ich mir ganz spannend vor. Auf jeden Fall möchte ich erstmal noch etwas weiter an dem Projekt arbeiten. Immer mal wieder die Kamera einpacken und versuchen, weitere Bilder zu machen. Ich denke, ich muss dem Ganzen noch etwas Zeit geben, allein schon aus dem Grund, dass ich nicht kontinuierlich daran Arbeiten kann.

Meine Südstadt: Eine letzte Frage noch: Endet das Projekt „Streetportrait“ mit „Faces of Cologne“, oder können sich zum Beispiel die Düsseldorfer auch noch Hoffnungen machen, von dir abgelichtet zu werden?

Michael Zellmer: [lacht] Nein, also das Projekt dreht sich schon nur um die Kölner. Ich bin zwar immer wieder in anderen Städten oder Ländern unterwegs, sehe dort auch interessante Menschen, aber möchte das Projekt thematisch nicht brechen. Es bleibt also bei den Kölner Gesichtern.

Michael Zellmer - Streetportrait - Faces of Cologne

Meine Südstadt: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei „Faces of Cologne“

Alle Fotos zu Faces of Cologne findet ihr auf Michaels Blog: www.streetportrait.org oder bei Instagram: www.instagram.com/streetportrait_cologne/

Text: David Rösler

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