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Kultur

Schwieriger Auftakt.

Sonntag, 15. September 2013 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Spielzeitauftakt im Theater der Keller. Und das erste Stück, das der neue Intendant Heinz Simon Keller inszeniert. Eine Herausforderung, die gemeistert sein will.
In 77 Minuten wird Frau Sirakesch auf dem Marktplatz der afghanischen Stadt Tschundakar gesteinigt. In einem deutschen Fernsehstudio warten sechs Menschen darauf, darüber zu sprechen und eine Schweigeminute einzulegen. Die Moderatorin Hilda Ludowsky bemüht sich redlich, ihren Gästen einen Rahmen zu bieten. Sie sollen nur jetzt noch nicht zu viel reden, denn sonst hören sich die Aussagen später vor der Kamera geplant an. Zwei Schönheitsköniginnen, die ähnlich wie in der Realität 2002 in Nigeria, Tumulte nach ihrem Auftritt in Afghanistan auslösten, eine traumatisierte Soldatin mit ihrem Vater und ein General der Bundeswehr gruppieren sich um ein Sofa. Und sie sprechen selbstverständlich über ihre Erlebnisse.

Theresia Walser schrieb das Stück „Eine Stille für Frau Sirakesch“, das 2011 seine Uraufführung in Osnabrück erlebte, und wurde dafür hoch gelobt. Eine bissige Satire, die sich mit Menschenrechten und Krieg auseinandersetzt, in der die westliche Sicht auf ein kriegsgeschütteltes Land mit den unsäglichen Methoden europäischer Diskussionsrunden entlarvt wird. Eigene Befindlichkeiten der Akteure nehmen dabei einen deutlich größeren Raum ein, als die vom archaischen Tod bedrohte Frau in der Ferne.

Fraglich ist, ob die Vermischung einer Steinigung, bei der die Verurteilte bis zur Hüfte eingegraben und danach von den Männern des Ortes so lange mit Steinen beworfen wird, bis von ihr nichts mehr übrig ist, mit einer Satire angemessen ist. Mit Gefühlsduselei ist niemandem geholfen. Betroffenheitstheater reizt nicht mehr. Aber den menschenverachtenden Taten in einem fernen Land mit Satire zu begegnen, ist kein Ausweg.

Die Akteure im Theater der Keller agieren gekonnt miteinander und dramatisch gegeneinander. Jeder lebt in seiner eigenen Welt, verfolgt individuelle Ziele, zusammengehalten durch die Erwartung der anstehenden Schweigeminute. Susanne Seufert als Moderatorin der Sendung stolziert selbstgerecht zwischen ihren Gästen hindurch, ohne sich durch deren feindseliges Verhalten aus dem Konzept bringen zu lassen. Klaus Lehmann als General Herr Gert trägt die standesgemäße Borniertheit eines Militärs zur Schau. Die beiden Schönheitsköniginnen, dargestellt von Franziska Ferrari und Alice Zikeli, zicken sich mit der erwarteten Dummheit an. Pinar Özdem vertritt einfühlsam die Rolle der von den Erfahrungen des Krieges gedemütigte Soldatin Rose, flankiert von ihrem Vater (Michael Morgenstern), der sich zu ihrem Sprachrohr gemacht hat. Sie alle stellen Klischees dar, die kaum gebrochen werden und damit zu jeder Tageszeit in den Programmen der privaten Fernsehsender präsent sind.

Vieles davon ist gewollt. Nichts davon ist neu. Wer die Augen vor der Realität in den vergangenen Jahrzehnten verschlossen hat, ist eventuell von der Kälte des Fernsehmetiers überrascht. Witzig ist das nicht. Weder im Fernsehen, noch auf der Bühne.

Die Moderatorin zählt im Stück immer wieder die Minuten herunter, die bis zum Beginn der Steinigung und der damit verbundenen Diskussionsrunde verbleiben. Mit der gleichen Verhaltensweise reagiert der Zuschauer, der auf das Ende des Stücks wartet. Zäh verstreicht die Zeit, ungeduldig harrt man einer Überraschung. Genau dies verschärft die Situation im Theater. In unangenehmen Situationen ist man geneigt, wegzuschalten. Ohne Fernbedienung fällt das schwer.

 

Das unklare Setting auf der Bühne erschwert bei dieser Inszenierung das Verständnis. Nur wer sich im Vorfeld über das Stück schlau gemacht hat, versteht, dass es sich um die Vorbereitung einer Talkrunde handelt. Theater wird so zur Frage der Vorbildung und der Bereitschaft, sich mit den Inhalten bereits auseinandergesetzt zu haben. Hilfestellungen werden wenige geboten, denn das Programmheft schweigt sich zu den Inhalten des Theaterstücks aus.

Der Auftakt als Intendant ist ein schwieriges Unterfangen. In einem Theater, das in den letzten Jahren um seine Existenz kämpfte sind die Augen besonders auf Neubesetzungen in der Führungsebene gerichtet. Einen Gefallen hat sich Heinz Simon Keller mit dieser Inszenierung nicht getan. Doch dies ist ja nicht das einzige Stück, das in dieser Spielzeit von ihm auf die Bühne kommt. Weitere folgen und lassen insgesamt auf einen guten Start in eine neue Ära des Theaters der Keller hoffen.

Weitere Termine
19. und 27. September 2013
04./ 05./ 10./ 17./ 18./ 27. und 31. Oktober 2013
29. November 2013
 

Text: Stephan Martin Meyer

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