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Kultur

„Seit Halle habe ich nicht den Eindruck, dass alles gut ist“

Donnerstag, 14. November 2019 | Text: Alida Pisu | Bild: Freies Werkstatt Theater

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Das „Theater – Festival Neues Europa“ steht vor der Tür, zum 3. Mal. Die Orte dafür sind Freies Werkstatt Theater und Comedia. Mitinitiatorin und Regisseurin Svetlana Fourer erinnert im Gespräch daran, dass 2004 ehemalige Ostblockländer der EU beigetreten sind und sich dadurch der Schwerpunkt in Europa verschoben habe.

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Mit ihren KollegInnen überlegte sie, wie man eine Schnittmenge finden könne zwischen dem, was die Vorstellungen der „alten“ und der „neuen“ Europäer seien.
„Was ist das neue Europa?“ war die Fragestellung und der Versuch, auf kultureller Ebene eine Antwort finden. „Die Idee war“, so Fourer, „ein Festival zu machen, wo die Leute sich gegenseitig präsentieren und in einen Austausch treten. Wir haben dann ein Format entwickelt, in dem sich Theater aus verschiedenen Ländern begegnen. „In diesem Jahr geht es um den Krieg, in den wir unmerklich geraten sind. Der Rechtsradikalismus hat sich jetzt auch in Deutschland deutlich gezeigt.“

Wo siehst du die Ursachen dafür?
Svetlana Fourer: Ich glaube, es ist über die Flüchtlingskrise gekommen. Das führte zu einer Abgrenzung und dazu, zu sagen: „Nein, bei uns nicht.“ Plötzlich war man nicht mehr so offen und sah den Krieg in Syrien als Gefahr. Natürlich ist er eine Gefahr, aber man hat ihn geschehen lassen und als dann die Konsequenzen kamen, wollte man mit ihnen nichts zu tun haben. Darüber habe ich mich erschrocken. Ich will auch mit Jugendlichen über das Thema sprechen, was es bedeutet, Grenzen zu schließen, denn es gibt mittlerweile sehr viele Jugendliche, die – ich sage jetzt mal etwas Gefährliches und auch nur in Anführungszeichen – nicht mehr „Biodeutsche“ sind.

Deutschland-Sandwich: Eins der Stücke des Festivals „Neues Europa“

Auf dem Festival-Programm stehen Workshops, an denen 30 Jugendliche teilnehmen. Wo kommen die her und welchen Hintergrund haben sie?
Wir haben das offen ausgeschrieben, daraufhin haben sich ukrainische Jugendliche gemeldet. Und es gibt Kooperationsschulen, z. B. die Gesamtschule in Mülheim, mit denen wir Projekte vorbereitet haben. Seit einem halben Jahr sind sie in dieser Projektarbeit. Jeder Jugendliche hat seine eigene Geschichte aus der eigenen Erfahrung heraus entwickelt. Wir haben dafür Theaterpädagogen und Leiter. Der Regisseur Andriy May hat z. B. mit Jugendlichen, die in der Ukraine in Kriegsgebieten leben, ein Stück entwickelt, das sich der Frage nach der Zukunft Europas stellt und ob diese Zukunft Krieg bedeutet. Das ist Mays Sorge. Alle bereits erarbeiteten drei Stücke werden am 16. November gezeigt. Drei Stücke also, zum Preis von einem!

Das Svetlana Fourer Ensemble zeigt die Inszenierung „Das Kind und der Krieg“. Krieg betrifft ja immer mehrere Generationen. Sabine Bode ist z.B. eine der Autor/innen, die sich mit den Folgen des Kriegs auf Nachkriegskinder beschäftigt hat.
Es gibt eine Studie, die zeigt, dass Kriegstraumata sich bis in die dritte und vierte Generation fortsetzen. Deshalb haben wir das Thema aufgegriffen. Wir haben viele Leute interviewt. Leute, die die Shoa überlebt haben oder deren Eltern und Großeltern die Shoa überlebt haben. Leute, die den Weltkrieg überlebt haben oder deutsche Flüchtlinge waren. Wir haben sie gefragt, was das mit ihnen gemacht hat und die Ergebnisse dann verarbeitet.

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Stichwort Hetze. In letzter Zeit kam es ja auch vermehrt zu antisemitischen Übergriffen oder sogar Straftaten. Ich bin immer sehr bedrückt, wenn ich an der jüdischen Synagoge vorbei komme und dort die Polizeiwagen sehe. Wie empfindest du das?
Früher lebte man in dem Gefühl, dass alles gut ist. Aber seit Halle (wo im Oktober ein Anschlag auf die jüdische Synagoge verübt wurde, Anm. der Redaktion) habe ich nicht den Eindruck, dass alles gut ist.

Umso wichtiger, dass ein solches Festival stattfindet. Vielen Dank für das Gespräch!

Das Festival findet im Freien Werkstatt Theater und im Comedia Theater statt.
Informationen zum Programm finden sich hier:

Programm

Text: Alida Pisu

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