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Lükes Liebes Leben

Sex in der Wüste

Montag, 24. August 2020 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Erinnert sich noch wer an Ideal? Eine der wenigen Combos der Neuen Deutschen Welle, deren Songs man sich auch heute noch anhören kann, ohne dass sie einem die Ohren verkleben. Auf ihrem 1981 erschienenen Album „Der Ernst des Lebens“ findet sich auch das hübsche Lied mit den Zeilen „Jeder denkt das eine, doch dafür ist´s zu heiß: Sex! Sex in der Wüste“. Nicht, dass wir in Köln schon Wüste hätten, aber die tropischen Temperaturen der letzten Wochen dürften doch auch in der Südstadt so manches Liebesleben zumindest physisch zum Erliegen gebracht haben. Wenn auch nicht überall. Am frühen Abend letzter Woche hörte ich, wie aus irgendeinem offenbar geöffneten Fenster im Hinterhof eine weibliche Stimme in gewissen Abständen zunächst zaghaft aber deutlich vernehmbar den Namen des Herrn ausrief: „Gott – Gott – Gott!“

Neuer Jesus gezeugt?

Da die Anrufe intensiver und die Abstände kürzer wurden, dämmerte mir, dass ich da nicht Zeuge eines inbrünstigen Glaubensbekenntnisses war. Zwischendurch wurde das „Gott“ immer wieder mal durch ein „Oh, Gott“ ersetzt, und irgendwann ertappte ich mich bei der Frage, ob der Akt wie Ernst Jandls „Ottos Mops“ womöglich mit „ogottogott“ enden würde. Passierte aber nicht. Stattdessen gab´s lediglich ein finales, langgezogenes „Goooott!“ Nicht dass ich vermute, dass da an jenem Abend ein neuer Jesus gezeugt wurde, aber so ähnlich könnte es doch geklungen haben, als der Heilige Geist seinerzeit in die Jungfrau Maria fuhr. So sie denn überhaupt was davon mitbekommen hat. Dass beim Liebesabend in der Südstadt überhaupt ein zweiter Mensch beteiligt war, blieb lange unklar, bis er, erkennbar männlichen Geschlechts, schließlich mit einem „Ooah!“ den ersten und letzten Laut von sich gab. Aber es war ja auch echt heiß.

Alle in Orange

Nun hängen sie ja wieder an den Laternen, unsere Volksvertreter, bzw. solche, die es gern werden möchten. Über den Unsinn der Plakatflut vor Wahlen ist längst alles gesagt, aber löblicherweise hängen die Tafeln diesmal wenigstens in einer Höhe, dass sie auf Gehwegen nicht auch noch eine Verkehrsbehinderung sind. Dass hie und da doch mal eines in Kopfhöhe findet, hat mit vermutlich mit den Temperaturen der letzten Zeit zu tun, durch die erschlaffte Kabelbinder ins Rutschen gekommen sind. Egal.

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Über die überwiegend sinnfreien und austauschbaren Parolen muss man nicht reden und über den armen CDU-Mann mit seiner nicht ganz gelungenen Werbetafel „Sebastian #verantwortet ihr Veedel Mies“ wurde schon genug gelästert. Was mich aber erstaunt, ist die seltsame Dominanz der Farbe Orange. Nicht nur die Christliche Union setzt sich in Apfelsinenfarbe ins Bild, sondern auch die Sozen haben ihr traditionelles Rot der Linken überlassen und kommen jetzt auch in Orange daher. Okay, es ist nicht ganz dasselbe aber doch ziemlich ähnlich.

Frisch und jugendlich

Laut Psychologie verbinden die meisten Menschen die Farbe mit Jugendlichkeit und Frische. Zudem soll sie auch noch stimmungsaufhellend und stimulierend wirken. Andererseits wird sie aber auch bei der Warnung vor Gefahren eingesetzt. Weshalb es an Schwerlasttransportern und Müllautos immer so hübsch blinkt. Gehen wir mal davon aus, dass CDU und SPD nicht unbedingt vor sich warnen wollen, haben sie vermutlich das mit der Frische und Jugendlichkeit bei ihrer Entscheidung für das Orange im Sinn gehabt. Wo schon schwer vorstellbar ist, dass ausgerechnet diese beiden Parteien irgendwer mit diesen Attributen assoziiert, sollten die Farben bei Plakaten aber doch eigentlich irgendeinen Wiederekennungswert im Sinne einer Unterscheidbarkeit mit sich bringen. Is aber nicht. Ist das jetzt einfach nur dumm gelaufen oder womöglich schlicht die Farbwerdung all der gemeinsamen Jahre in der Großen Koalition in Berlin? Übrigens gibt sich auch die kleine ÖDP diesmal ganz in Orange. Ob ihr das am 13. September zum Vorteil gereicht?

Wundersamer Zeitgenosse

Noch was aus der Rubrik „Wundersame Zeitgenossen“. Seit ungefähr eineinhalb Monaten steht ein motorisiertes Zweirad vor meinem Fenster. Laut Aufdruck handelt es sich dabei um das Modell „Lido vario“ der Firma Puch, die sonst eher für Kinderräder bekannt ist. Die wenig gelungene Kopie einer Vespa hat offentlich schon etliche Jahre hinter sich und aus einem Riss im Kunststoffsattel quillt Schaumgummi. Regelmäßig bekommt der Roller Besuch von einem jungen Mann, den ich noch nie in was anderem als in einer schwarzen Trainingshose und einem rotem T-Shirt gesehen habe. Vermutlich handelt es sich um den Eigentümer des Gefährts. Jedenfalls versucht er bei seinen Besuchen immer wieder erfolglos, das Ding mit Tritten auf den Anlasser (Heißt das so?) zu starten.

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Das hält er stets zehn, fünfzehn Minuten durch, bis er mit frustrierter Miene wieder davon stapft, um tags drauf dasselbe Schauspiel erneut aufzuführen. Womöglich in der Hoffnung auf eine Wunderheilung über Nacht. An Tagen, an denen es um sein Nervenkostüm nicht ganz so toll bestellt ist, tritt er auch schon mal wütend gegen sein undankbares Eigentum oder trommelt auf den Lenker ein. Technisch scheint er von der Materie ähnlich viel zu verstehen wie ich: nix.

Keine Spontanheilung bei Vollmond

Vor ungefähr zwei Wochen hörte ich den Mann nachts um Zwei an seinem Gerät hantieren. Da das Treten des Anlassers durchaus nicht geräuschlos abläuft, fragte irgendein Nachbar aus dem Fenster, ob er eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe. Woraufhin der verhinderte Motorist sich widerspruchslos trollte. Was hatte ihn in der Nacht getrieben? Die pure Schlaflosigkeit oder hatte er womöglich irgendwo gehört/gelesen, dass die Startchancen bei Vollmond besser stünden? Seit eineinhalb Wochen hab´ ich den Roller-Mann jetzt allerdings überhaupt nicht mehr gesehen. Hoffe doch mal, er wird sich nicht vor lauter Gram was angetan haben. Womöglich ist er nach all den frustrierenden Anstrengungen der letzten Zeit mal in Urlaub gefahren oder er wartet auf ein Ersatzteil, das er sich in China bestellt hat. Doch dafür hätte er zumindest eine Idee haben müssen, woran seine bisherigen Startversuche regelmäßig gescheitert sind. Ich bin mir sicher, dass er die nicht hatte und bis heute nicht hat. Ich werde das Phänomen im Auge behalten. Bleibt mir von meinem Arbeitsplatz aus auch gar nicht anderes übrig.

Text: Reinhard Lüke

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