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Gesellschaft Umwelt

Still und leise…

Samstag, 15. November 2014 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

…ist er gefallen, der älteste Baum in den Innenhöfen, die im Dreieck von Mainzer-, Eburonen- und Alteburgerstraße liegen und mit ihrem Grün und Baumbestand für eine Innenstadt wahrlich besonders und erhaltenswert sind.
Ein riesiger Ahorn war´s, nicht „sooo schützenswert“, wie mir Wilhelm H. Pickartz, Geschäftsführer des Bauherren KölnGrund Haus- und Grundbesitz GmbH, versichert. Die KölnGrund hat soeben ihr Mietshaus Alteburger Straße 103 abreißen lassen, um dort einen Neubau zu errichten und zusätzlich dazu, im Innenhof, ein so genanntes Stadthaus, zweistöckig, darin zwei riesige Luxuswohnungen.
Eine Tiefgarage wird auch gebaut, gemeinsam mit dem Nachbarn aus Nummer 105, der ebenfalls in seinen -dort angrenzenden- Hinterhof, baut. Zweistöckig. Innen drin vier bis fünf Mietwohnungen.

Und dafür musste der Ahorn weichen. Ob das nicht zu verhindern, der Baum zu umplanen gewesen sei, frage ich. „Nein, das wäre sehr problematisch gewesen. Nur unter Schwierigkeiten möglich. Und dann wäre noch nicht 100%ig sicher gewesen, ob das dann mit dem Tiefgaragenbau passt“, so Pickartz weiter.

Am Mittwochnachmittag trafen sich auf dem Hof von Nr. 101 rund 40 Anwohner. Von hier aus hat man wegen des bereits niedergelegten Baus von Nr. 103 ungeahnte Perspektiven – akustisch umtost von Baggern und anderem schweren Gerät (wir erinnern uns: hier wird plattgemacht, weil Neues entstehen soll!). Spontan hatten die Bürger die Presse geladen – erschienen waren Stadtanzeiger und meinesuedstadt.de.
Schon seit Tagen klebten in der Nachbarschaft Flugblätter, darauf Fotos vom Ahorn und die Botschaft: Schaut mich an, bevor ich dahingehe, und das taten die Nachbarn dann auch. „Da sagt mein Sohn zu mir: Mama, muss der Baum denn wirklich weg? Ja, antwortete ich ihm, da soll was gebaut werden. Und als dann zuletzt der Fällungstermin am kommenden Montag bekannt wurde, da dachte ich: nee, jetzt muss man sich doch mal regen. Und mein Sohn sagte: Mama, tust Du jetzt endlich auch was? Ja, ich tue was!“ erzählt eine Bewohnerin aus der Mainzer Straße – hofseitig gegenüber liegend.
Die Bürger ahnen, dass sie und ihr geliebter Baum keine Chance haben, nächsten Montag wird er sterben. Doch ärgern tun sie sich über noch so einiges andere im Zusammenhang mit diesem Neubau: Erst unmittelbar mit Beginn der groben Abrissarbeiten erhielten sie und auch viele Hauseigentümer überhaupt Kenntnis vom Projekt, da waren natürlich bereits alle Genehmigungen erteilt – keiner konnte noch etwas einwenden, Vorfeld war gestern…
Der eigens alarmierte und auch angereiste oberste Baumumarmer Kölns, Harald von der Stein vom Netzwerk Bürger für Bäume, zeigte klare Kante: „Von Protest rate ich dringend ab. Der Bauherr ist im Recht, hat eine Genehmigung der Stadt zum Fällen des Baums. So ist es nun mal. Man kann das Thema aber ins Bewusstsein bringen“. Darum bemüht sich das Netzwerk seit Jahren, nicht zuletzt mit seinem Wahlspruch:
Habt Ehrfurcht vor  dem Baum.
Er ist ein einziges großes Wunder
und Euren Vorfahren war er heilig.
Die Feindschaft gegen den Baum ist
ein Zeichen der Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des Einzelnen.       
(Alexander von Humboldt, 1769 – 1859)

 

Eine Ehrfurcht vor dem Baum haben Bauherr und planende Architekten, die Nachbarn Neering&Partner aus der Eburonenstraße offenbar nicht. Architekt Neering habe laut einer Anwohnerin, die mit ihm telefonierte, gesagt, ihn störe das herabfallende Laub und Geäst ohnehin schon lange. Man sei froh, dass der Baum wegkomme.

Ebenso wie der Baum, dessen Fäll-Termin klammheimlich und wieder ohne Info an die Nachbarschaft auf Freitagfrüh vorverlegt wurde, verschwinden auch Wohnungen zu -für Normalsterbliche- bezahlbaren Mieten. „Die Mieten von 6 bis 7 Euro kalt werden dann natürlich da nicht mehr sein“ bestätigt Herr Pickartz. Und 12, 13 Euro können sich eben viele nicht leisten.
Sehr viele. Familien mit mehreren Kindern, Studenten, Alleinerziehende, RentnerInnen mit kleinen Renten, HartzIV-Empfänger und Flüchtlinge schon gar nicht. Die müssen dann eben umziehen. Und so ziehen andere ein. Menschen, die sich die Mindestquadratmeterpreise zum Kaufen von 5000,-€ leisten können, zum Selbstbewohnen oder als Kapitalanlage, zum Vermieten für richtig Kohle.
Das Baugrundstück sei aber eben so teuer, erklärt mir Herr Pickartz, wie Bauland in Köln generell, da könne man nicht sozial gefördert oder preiswert bauen. Nicht in der Südstadt. Restgentrifizierung passiert dort stattdessen gerade, in einer noch nicht so ganz schicken Ecke des Veedels – dort, wo die kurze Eburonenstraße auf einen Teil der Alteburgerstraße trifft, auf dem weniger repräsentative Häuser zu finden sind.

Nicht nur Nachbarn stellen sich die Frage: Wieso werden solche Neubauprojekte zu solchen Kaufpreisen in einer Stadt mit derart angespannter Wohnungslage (vor allem für das mittlere und untere Miet- oder Kaufpreissegment), immer wieder still und leise genehmigt – ohne Einfluss der benachbarten Mehrheit?
Und warum Köln zwar aus allen Dezernaten „smart“ werden will und der Klimaschutz uns LED-Straßenlaternen auf der Neusser Straße beschert, jedoch finanzstarke Investoren und Bauherren einfach nicht davon abgehalten werden, so zu bauen, dass neben anderen Zumutungen dafür stadtklimatisch wertvolles Grün ins Gras beißen muss.
Für den gefällten Baum muss der, der ihn fällt, übrigens eine Abstandszahlung leisten. Oder Ersatzgrün pflanzen. „Aber dafür ist ja auf der Fläche kein Platz“ sagt Kölngrund. Und deshalb habe man eben an die Stadt gezahlt, die dafür dann Ersatzgrün schaffe. Fragt sich, wo. Und fragt sich, wann. Und in welcher Form. Einen alten großen Baum kann so leicht nix ersetzen.

Wie wird eigentlich aus einer bis dato unbebauten Fläche Bauland? Was muss man für die Baugenehmigung, das Baurecht überhaupt, tun? Und was war nochmal das kooperative Baulandmodell der Stadtverwaltung? Davon mehr im nächsten Artikel zur Alteburger 103, und dann hören wir hoffentlich auch von der letzten Bewohnerin, die das Haus vor dem Abriss verlassen hat.

 

 

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Text: Judith Levold

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