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Kolumne

Taxi Driver

Donnerstag, 14. Februar 2013 | Text: Wassily Nemitz

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Schon kurz nach eins an der TOTAL-Tankstelle in Mashishing. Ich werde langsam nervös. Aus den Lautsprechern dröhnt seit Stunden „Jacaranda FM“; immer wieder kommen Autofahrer, kaufen sich Burger, verzehren sie hastig und fahren wieder weg. Ich spreche den Tankwart an: „I am waiting for a Taxi to Johannesburg – it was supposed to be here at 12:30. Did you see it?” Nein, hat er nicht. Ich rufe Piet an. Piet ist selbst Taxifahrer und hat mir die Fahrt organisiert. Aber Piet geht nicht ran. Endlich klingelt mein Handy, und er ist dran. „The taxi already passed and is on it’s way!“, sagt er.

Was jetzt? „You need to go to Jozy (Johannesburg) today?“, fragt der Tankwart. Ja, das muss ich auf jeden Fall, denn meine Eltern landen am nächsten Morgen am Flughafen. Langsam wird es Zeit, sonst schaffe ich es nicht mehr rechtzeitig. „I promise: You will be in Jozy tonight!“, verkündet der Tankwart. Fünf Minuten später winkt er aufgeregt von der Straße – ein Taxi steht am Straßenrand. „Have a safe trip!“, ruft mein Helfer. Der Fahrer ist durch Zufall auf dem Weg nach Johannesburg. Ich atme auf, und tatsächlich: Gegen halb sechs sind wir da. „Da“ heißt in diesem Fall: An der Park Station.

Schon kurz nach eins an der TOTAL-Tankstelle in Mashishing. Ich werde langsam nervös. Aus den Lautsprechern dröhnt seit Stunden „Jacaranda FM“; immer wieder kommen Autofahrer, kaufen sich Burger, verzehren sie hastig und fahren wieder weg. Ich spreche den Tankwart an: „I am waiting for a Taxi to Johannesburg – it was supposed to be here at 12:30. Did you see it?” Nein, hat er nicht. Ich rufe Piet an. Piet ist selbst Taxifahrer und hat mir die Fahrt organisiert. Aber Piet geht nicht ran. Endlich klingelt mein Handy, und er ist dran. „The taxi already passed and is on it’s way!“, sagt er.

Was jetzt? „You need to go to Jozy (Johannesburg) today?“, fragt der Tankwart. Ja, das muss ich auf jeden Fall, denn meine Eltern landen am nächsten Morgen am Flughafen. Langsam wird es Zeit, sonst schaffe ich es nicht mehr rechtzeitig. „I promise: You will be in Jozy tonight!“, verkündet der Tankwart. Fünf Minuten später winkt er aufgeregt von der Straße – ein Taxi steht am Straßenrand. „Have a safe trip!“, ruft mein Helfer. Der Fahrer ist durch Zufall auf dem Weg nach Johannesburg. Ich atme auf, und tatsächlich: Gegen halb sechs sind wir da. „Da“ heißt in diesem Fall: An der Park Station.


Jetzt die Übernachtung. Mein Plan: In der Wohnung meines ehemaligen Stufenkollegen Jonas in Soweto zu schlafen. Ein Taxi in Richtung „Pimville“ soll mich dorthin bringen. Mein Fahrer fährt weiter nach Pretoria, ich frage zwei Männer am Straßenrand. „Turn left, then right, then left again“, erklären sie mir. Ein Warnung gibt es gleich mit: „Never ask people walking, always only the taxi drivers! The crime rate is too high here!”.
Ich als Weißer falle sofort auf: Außer mir sind ausschließlich Schwarze unterwegs. In den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes und in jedem Reiseführer wird genau davon abgeraten, was ich gerade tue: Ich gehe allein, abends, und orientierungslos in der Johannesburger Innenstadt umher. Die beiden Männer hatten von einem Taxi-Rank gesprochen, an dem das Taxi nach Pimville abfahren sollte.


Das Problem dabei: Das gesamte Gebiet ist ein einziger Taxi-Rank, Taxis in allen Formen, Farben und Größen stehen, fahren, hupen herum. Zwischen Bürgersteig und Straße verkaufen Menschen alles Mögliche; von Früchten über Süßkram bis hin zu Reinigungsmitteln ist alles dabei. Der Gehsteig ist sehr eingeengt, die Menschen hetzen aneinander vorbei. Im Hinterkopf habe ich immer noch den Reisehinweis des Auswärtigen Amtes – also gehe ich auf der Straße. Ab und an frage ich Taxifahrer nach dem Weg, immer weiter werde ich durch die Gegend geschickt. Die Straßen sind kaum auseinanderzuhalten, die Wohn- und Geschäftshäuserblocks in rechten Winkeln angelegt.


Die Sonne wird orange und wirft das letzte Licht des Tages durch die Stadt. Währenddessen frage ich mich weiter durch, an einer Taxischlange läuft mir ein aufdringlicher Mann hinterher und fordert 2 Rand. Einfach so. Ich gehe schnell weiter, wechsle die Straßenseite. Der einzige Weiße, den ich an diesem Abend sehe, ist ein Obdachloser, der vor einem anderen Taxi-Rank bettelt. Was tun, wenn ich das Taxi nicht finde? Wie komme ich hier wieder weg? Soll ich einem Fahrer einfach 200 Rand dafür anbieten, dass er mich alleine hinfährt?


Erst einmal weiter versuchen. „Go in there!“, sagt ein Fahrer und zeigt auf ein Parkhaus. Das entpuppt sich jedoch als der größte Taxi-Rank, den ich jemals gesehen habe. Im Innern riecht es nach Abgasen, die Wände sind rau verputzt. Im Hintergrund läuft ununterbrochen Werbung für den Mobilfunkanbieter MTN, sämtliche Hinweisschilder sind ebenfalls im MTN-Design gehalten. Ungefähr 1000 Taxis kurven durch das Haus. Ich frage einen Fahrer, der gerade Pause macht. „Pimville?“ Er zeigt auf die Decke. Der Rank hat zwei Etagen. Ich finde das Treppenhaus nicht, laufe um das Gebäude herum, komme seltsamerweise auf der zweiten Etage wieder heraus und frage erneut. Ein Mädchen in Schuluniform weist mir die Richtung. Und endlich: Auf einem knallgelben MTN-Schild heißt es „Pimville“! Daneben ungefähr 150 Leute in einer Schlange. Ich frage einen alten Mann: „Yes! Wait!“ Dann warte ich. Von der Schlange aus kann ich nach draußen blicken – es wird dunkel. Links und rechts der Schlange fahren Taxis an und ab – die etwa 50 verschiedenen Spuren münden jeweils auf eine einzige Ausfahrtspur.


 

Hier geht es um Zentimeter; alle drängeln, so schnell wie möglich wieder aus dem Haus herauszukommen. Es wird permanent gehupt, geflucht – Motoren heulen auf. Irgendwann hatte mir mal jemand erzählt, nach welchem System die Taxifahrer Geld verdienen: Sie selbst sind niemals die Besitzer des Taxis; sondern fahren nur für den Eigentümer. Morgens holen sie den Wagen vollgetankt ab, fahren den ganzen Tag lang und geben das Auto abends vollgetankt wieder ab. Die ersten 500 Rand Verdienst gehen an den Eigentümer, den Rest behalten die Fahrer selbst. Eine Fahrt kostet pro Fahrgast immer 9,50 Rand. Logischerweise wollen die Fahrer möglichst viele Fahrten absolvieren, deswegen das Gedränge. Ich verstehe nicht, warum die Leute manchmal auf der einen, manchmal auf der anderen Seite der Schlange einsteigen, während ganz viele andere Schlangen sich ähnlich verhalten. Dann merke ich: Es gibt einen Rank-Master. Er verteilt die Leute auf die Taxen, bekommt dafür jedes Mal ein paar Rand und verdient sich so seinen Lebensunterhalt.


Irgendwann gehöre ich mit zu den Auserwählten und darf mich hinten in einen alten Toyota rein quetschen. Kaum sind wir auf der Autobahn nach Soweto, fängt es in Strömen an zu regnen. Glücklicherweise kenne ich die Gegend schon ein wenig, daher kann ich nachdem ich ausgestiegen bin einfach drauf los rennen. Jonas wohnt in den „Kliptown Flats“ nahe seines Projekts. Ich irre über das Gelände, rufe ihn an, er erklärt mir die Lage der Wohnung erneut. Dann stehe ich vor der Tür, drehe den Schlüssel und bin da.


Zwölf Stunden kann ich mich ausruhen – währenddessen fliegen meine Schwester und meine Eltern aus der europäischen Kälte in den Süden.



 

Am nächsten Morgen geht es mit dem Taxi wieder zur Park Station (Kosten: 9,50 Rand) und dann mit dem ultramodernen „Gautrain“ (Kombination aus „Gauteng“, der Provinz, in der Jo’burg liegt und dem englischen Wort für Zug) zum O.R. Tambo International Airport (Kosten: 125 Rand; Strecke etwa gleich weit).
Ich warte dort, wo ich selbst angekommen bin, auf meine Eltern – nach einer Stunde schreiten sie heraus. Ich schließe sie in die Arme und denke: Der Aufwand hat sich gelohnt. Dagegen, dass wir mit dem Mietwagen zurückfahren, habe ich jedoch absolut nichts. Das nächste Mal sollten wir an der TOTAL in Mashishing tanken, denke ich mir – und der Tankwart von gestern hat ein schönes Trinkgeld verdient.
 

Text: Wassily Nemitz

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