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Familie Sport

Tête à tête im Rosengarten

Donnerstag, 19. Juli 2012 | Text: Kathrin Rindfleisch | Bild: Bernd Arnold

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Es regnet. In Strömen. Und ehrlich gesagt bin ich ganz froh als mein Boule-Date Jean mir über Facebook verkündet, dass das sonntägliche Boulespiel im Rosengarten heute wohl ins Wasser fällt. Ich meine, für eine gute Geschichte überschreite ich, wenn möglich, auch schon mal Grenzen, aber Boulespielen im Regen? Da wird man ja nass!
Zwei Stunden später dann der Anruf: „Allo Kathríen, ier warten zwei Kugel auf dich!“ Der Regen hatte tatsächlich eine Prasselpause eingelegt, für echte Boulespieler die Gelegenheit, entspannt `ne Kugel zu schieben. Oder zu schießen, aber von Boule-Fachbegriffen bin ich zu diesem Zeitpunkt weit entfernt. Als ich ankomme, regnet es schon wieder. Der Friedenspark ist leer. Fast leer. Nur zwei Männer, gekleidet in Regenjacken und festes Schuhwerk stehen unter den Bäumen oberhalb des Rosengartens und starren konzentriert in die Pfützen. Als ich näher herankomme, sehe ich, dass nicht das Wasser, das sich in großen und kleinen Mulden auf dem unebenen Boden ansammelt, die volle Aufmerksamkeit der beiden beansprucht. Zu ihren Füßen liegen sechs Metallkugeln, dazwischen eine kleine, pinkfarbene. „Das müssen sie also sein“, denke ich, „die Verrückten, die selbst bei einem solchen Wetter Boule spielen.“

 

Jean, den ich bisher nur  aus dem Facebook-Chat kenne und Florian. Zwei Südstädter, denen zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen ist und die die Regenpause genutzt haben, ihre Boule-Kugeln zu schnappen und in den Friedenspark gekommen sind. In der Hoffnung, Gleichverrückten zu begegnen. Es hat funktioniert, zumindest für ein Tête à Tête. So nennt man eine Boulepartie, die man mit zwei Spielern austrägt. An anderen Sonntagen, wenn das Wetter besser ist und keine Ferien die  Südstadt leergefegt haben, kommt`s zum Têtes à Tête eher selten. Zumindest nicht gezwungener Maßen, treffen sich doch dann allwöchentlich um 13 Uhr mehr als 15 Spieler im Rosengarten. Und alle bringen etwas mit. Jeder seine eigenen Kugeln, selbstverständlich. Und was zu essen, Käse, Brot und Wein, letzteren besonders gerne. „Wie praktisch, dass diese Sportart aus Frankreich kommt“, denke ich noch, „die wissen sich zu versorgen.“ Da erfahre ich, dass die Herkunft des Boule, oder „Pétanque“, wie es in Frankreich genannt wird, umstritten ist, sollen doch die alten Griechen schon ganz groß gewesen sein im Ruhige-Kugel-Schieben. Ein nachhaltiges Erbe, das sie da vermacht haben, in vielfacher Hinsicht…

 

Aber zurück in die Südstadt, zurück in den Friedenspark, wo zwei Männer mir erzählen, welch großes Glück für sie Boule bedeutet, geht es doch um weit mehr als ein paar Kugeln, die es möglichst nah an die kleine Zielkugel, das Schweinchen, zu werfen gilt. Boule bedeutet, so erfahre ich, eine gute Zeit mit netten Menschen, Gespräche zwischen den Kugeln, viel Zeit an der frischen Luft und das Abschalten durch Konzentration. „Boule hat etwas Kontemplatives“ sinniert Florian denn auch gedankenverloren und sein Boule-Kollege Jean nickt zustimmend und strahlt, wie  ich es sonst von Yogaschülern nach einem Meditationsseminar in Goa kenne.

Dass da was dran sein muss, an dem Spiel, das sämtliche Alleen und Parkwege in der Südstadt im Griff hat, war zu vermuten und wegen der augenscheinlich wachsenden Community erwachsener Boulespieler auch Grund genug, für „Meine Südstadt“ , über das Spiel zu berichten. Auf eine derart glückselig machende Wirkung war ich allerdings nicht vorbereitet. Die durfte ich dann aber an diesem Sonntag (der Regen machte mir schon lange nichts mehr aus, war er überhaupt noch da?) noch am eigenen Leib – oder besser, am eigenen Kopf – erfahren. Nicht jedoch ohne den informativen Abriss, den Florian mir vorab noch zu den Regeln, der Technik und Boule als Freizeit- und Profisport mitgegeben hat und deshalb netterweise die Verabredung mit seiner Frau um eine halbe Stunde verschoben hat. An dieser Stelle also vielen Dank unbekannter Weise, weiß ich doch jetzt, dass es in Köln eine Boule-Freizeit-Liga gibt, die sich „Bunte Liga“ nennt, die Turniere austrägt, daheim und auswärtig. Wobei „daheim“ den Rosengarten meint und die Gastgeber ihre Gäste aus den anderen Stadtveedeln selbstverständlich bewirten. Ich weiß jetzt, dass beim Boule zwei, vier oder sechs Spieler gegeneinander antreten können, dass es ein gutes Gefühl ist, die Kugel in der Hand zu halten und ihr Gewicht abzuschätzen und dass man über die Zeit lernt, Entfernungen mit dem bloßen Auge zu bemessen.

Nach so viel Theorie und einer wartenden Ehefrau, stehen Jean und ich alleine im Regen. Und es passiert, endlich. Der Brasilianer, der seit 12 Jahren auch Kölner ist, fordert mich zu einem Tête à Tête. Ausgestattet mit einem Lappen und seinem Zweitkugelsatz (von dem ich erfahre, dass die Kugel um die 90 Euro kostet, ich halte drei in den Händen), stehe ich in im Regen unter den Bäumen oberhalb des Rosengartens und starre konzentriert auf den Boden. Lasse mir erklären, wie man eine Kugel legt und wann man sie schießt. Grinse ein ganz klein bisschen überlegen, wenn ein Punkt an mich geht und ärgere mich diebisch, wenn Jean meine Kugel mit einem gekonnten Schuss vom Schweinchen wegkickt. Wir legen und schießen. Und betrachten die Spielsituation. Und legen. Und heben Kugeln auf. Und schießen und legen. Und irgendwann fällt mir auf, dass ich an nichts denke. An nichts, als daran, wie ich die Kugel in der Hand halte, wie ich sie am besten lege und um wie viel Punkte Jean im Vorsprung liegt. Ich bin völlig entspannt und der böse Kopfschmerz, der mich schon den ganzen Tag über quälte, ist weg.

?Bei 13 zu 5 (immerhin, wobei Jean von „ Anfängerglück“ spricht) beenden wir die Partie und vereinbaren, wie selbstverständlich, eine Revanche. Nach diesem Nachmittag im Rosengarten, fahre ich Goa-beseelt strahlend durch den Regen, nichts denkend bis auf kontemplativ, jaaaa… Bei der „Bunten-Liga“ ist übrigens jeder, der Lust hat, herzlich willkommen. Tobt nicht gerade ein Orkan, trifft man mindestens zwei Bouler immer an, sonntags ab 13 Uhr im Rosengarten im Friedenspark hinter dem Baui. Anfangs braucht man auch nicht gleich die 90 Euro-Kugeln, Jean hat mir verraten, dass das Boule-Set von unseren schwedischen Freunden aus Godorf durchaus ein gutes Starter-Set ist, mit dem man erst einmal testen kann, wie viel Boule man in seinem Leben braucht.

Text: Kathrin Rindfleisch

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