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Gesellschaft Kultur

„Wie übersetzt man ‚Jeck’?“

Montag, 9. November 2015 | Text: Aslı Güleryüz | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Diese Frage stellte Jörn Wendland am Sonntag Yosef, dem ehrenamtlichen Übersetzer, als er Jörns Stadtführung für Flüchtlinge ins Tigrinya übersetzte. Meine Südstadt war dabei.

Jörn Wendland ist Stadtführer. Er möchte sich für Flüchtlinge engagieren. Und so hat er zu seinem diesjährigen Geburtstag eine junge Flüchtlingsfamilie aus Eritrea im Rahmen der #türauf-Aktion zu sich nach Hause eingeladen. Bei diesem Geburtstag entstand die Idee, eine Stadtführung für Flüchtlinge anzubieten. So können sie ihre neue Heimatstadt Köln noch besser kennenlernen und etwas über ihre Geschichte erfahren. Ein paar Monate später treffen wir uns an der Kreuzblume am Dom. Mit dabei ist Yosef, der 30-jährige Immobilieninvestor. Er stammt aus Eritrea und ist in Köln geboren. Er spricht neben Deutsch und Englisch auch Tigrinya. Neun große ethnische Gruppen gibt es in Eritrea. Die größte Gruppe spricht Tigrinya. Jetzt übersetzt Yosef ehrenamtlich für Flüchtlinge aus Eritrea, die meisten von Ihnen wohnen jetzt in der Kölner Südstadt. Unsere Gruppe ist bunt gemischt: Menschen aus Deutschland, Eritrea, Italien, Brasilien, Südafrika und – aus Hannover.

Hrity, Haile und die beiden jungen Männer mit dem Namen Birhane betrachten beeindruckt den Dom, während Jörn sich vorstellt und über die Kölner erzählt: „Die Kölner haben drei wichtige Eigenschaften: Sie halten sich für den Mittelpunkt der Erde, lieben die ewige Baustelle und sind Jeck.“ Jörn hält inne und wendet sich Yosef zu: „Wie übersetzt man eigentlich ‚Jeck’? Das hat ja etwas mit Karneval zu tun und dass man positiv verrückt ist. Also, sympathisch aber ein bisschen komisch, bekloppt“. Yosef überlegt eine Weile und tauscht sich dann mit Haile aus. „Wir würden sagen, es heißt ‚meshaq’ auf Tigrinya,“ weiß er.

 

Jörn fragt in die Runde: „Welcher Turm des Doms ist höher?“. Alle bringen die Köpfe zusammen und beraten sich in den unterschiedlichen Sprachen. „Der linke!“. „Der rechte!“. Jörn klärt auf: „Der linke Turm ist höher, 7 cm. Und vier Jahre lang, von 1880 bis 1884 war der Dom sogar das höchste Gebäude der Welt. Dann wurden allerdings höhere Gebäude gebaut. Auch ist der Dom nicht der höchste Kirchturm der Welt. Die höchste Kirche der Welt steht in Ulm, die zweithöchste in Yamoussoukro Hauptstadt der Elfenbeinküste und der Dom, der Dom ist die dritthöchste Kirche der Welt.“ Jörn erklärt, dass der Dom als angemessene Kirche für die Gebeine der Heiligen Drei Könige gebaut wurde.  Dass mit dem Bau des Doms 1248 begonnen wurde und dass er im 2. Weltkrieg von Bomben beschädigt worden ist. „Da vorne links, die helle Stelle am Dom, das ist die ‚Domblombe’. Da ist eine Bombe eingeschlagen und die Stelle wurde damals schnell mit roten Ziegelsteinen gefüllt, damit der Dom nicht einstürzte. Später wurden die Ziegelsteine durch die hellen Steine ersetzt. Der ganze Dom war früher viel heller. Durch den Ruß der Eisenbahnen ist er im Lauf der Jahre dunkler geworden.“ Heiko erteilt einigen der Flüchtlinge aus Eritrea Deutsch in einem Integrationskurs. Er gibt Jörns Informationen an Yosef weiter, der durch das Übersetzen einiges nicht hören kann. Etwas zeitversetzt kommen die Informationen dann an. Hrity, Haile und die Birhanes hören aufmerksam zu. „Das ist meine erste Führung mit Dolmetscher,“ erklärt Jörn uns.

Yosef wendet sich an Jörn: „Haile hat eine Frage. Er möchte wissen, warum der Dom nicht sauber gemacht wird?“. Jörn weiß es: „Das ist eine Kostenfrage. Das wäre zu teuer.“ Weiter geht es um die Ecke zu den Fundamenten des Dom. „Die Fundamente sind sehr breit und 16 Meter tief in der Erde. Der Dom ist erdbebensicher,“ fährt Jörn fort. „Was glaubt ihr, wie viele Stufen führen hoch in den Dom-Turm?“ Alle Köpfe rücken wieder zusammen. Getuschel in den unterschiedlichen Sprachen. „500“, 600“, „1050“. „Es sind 533 Stufen!“ löst Jörn das Quiz. Weiter geht es zum Römisch-Germanischen Museum. Hier zeigt Jörn der Gruppe das schöne Mosaik aus einer römischen Villa und erzählt vom G8 Gipfel im Jahre 1999. Er holt eine Mappe mit Fotos hervor und zeigt das Bild von 8 Politikern beim Essen auf dem Mosaik. Alle sind beeindruckt.

„Wir hätten den Dom bestimmt schneller gebaut“

 

„Jetzt wollen wir ein Spiel spielen!“ lacht Jörn. Das teambildende Spiel heißt ‚Tower of Power’. „Ich habe es von einem Kollegen ausgeliehen. Ich probiere das jetzt zum ersten Mal aus.“ An einem kleinen Achteck aus Holz hängen bunte Schnüre mit einer Holzperle am Ende. Jeder bekommt zwei Schnüre in die Hand. Am Ende des hölzernen Achtecks hängt eine kleine Metallstange. Die 8 Menschen ziehen an den Schnüren und heben das Achteck in die Luft. Auf dem Platz liegen unter den Schnüren nun zwei Holzbausteine mit Rillen an der Seite. Die kleine Metallstange am Ende des Achtecks soll nun vorsichtig von allen 8 Leuten so manövriert werden, dass der eine Baustein auf den anderen gestellt wird! Eine große Herausforderung für die Gruppe! Schnell hat sich eine Gruppe von schaulustigen Touristen versammelt. Sie machen Fotos und bewundern die Geschicklichkeit. „A droit, a droit!“ feuert ein französischer Tourist die Gruppe an. Vier Holzbausteine stellen sie rasch aufeinander. Applaus aus dem Publikum. „Wir hätten den Dom bestimmt schneller gebaut,“ lacht Jörn.

Yosef hat eine Hundeschule auf dem Platz entdeckt. Die Hunde sollen sich an die Stadt und die viele Menschen gewöhnen, und lernen, wie sie sich zu verhalten haben. „Das gibt es bei uns in Eritrea nicht,“ erklärt Yosef uns. „Die Tiere werden nicht im Haus gehalten, sondern im Garten. Hundeschulen kennt man dort nicht.“ So lernen die Flüchtlinge aus Eritrea nebenbei auch die große Liebe der Deutschen zu Hunden kennen. Noch etwas Integrationsarbeit am Rande!

Wir gehen am Museum Ludwig vorbei. Über dem Dach der Philharmonie macht Jörn halt und erklärt der Gruppe, warum die Fläche abgesperrt ist und dort Security-Menschen stehen. Yosef übersetzt Jörns Erklärungen zu dem nicht abgedämmten Dach des Konzertsaals. Alle lachen über diese hohe Kunst der Ingenieure. „Seit 25 Jahren wird dieser Platz bei jedem Konzert und bei jeder Probe abgesperrt,“ ergänzt Jörn.

 

Am Rhein geht es in die Altstadt. Jörn möchte uns die ‚Schmitzsäule’ zeigen. Die findet er ganz Besonders: „Schmitz ist der häufigste Nachname in Köln“. Architekten Jupp Engels hat diese Säule 1969 zu Ehren von Neil Armstrong gestiftet. Er hat die Säule mit alte Steine die er auf seinem Grundstück gefunden hat, vermutlich von römischen Hafenbauten auf der ehemaligen Martinsinsel, errichtet. Gibt es in Eritrea auch einen häufigsten Nachnamen?“ möchte Jörn wissen. „Nein,“ erklärt Yosef. „In Eritrea gibt es keine Nachnamen. Alle haben einen Vornamen und tragen als Familiennamen den Namen ihres Vaters.“ Wieder etwas dazu gelernt!

Gleich hinter der Säule eröffnet Lukas Podolski gerade sein neues Lokal. Besonders die jungen Männer aus Eritrea sind beeindruckt. „Ich spiele gerne Fußball,“ lächelt Birhane. Er weiß, wer Lukas Pdolski ist.

„Hier endet unsere Führung. Ich hoffe, die alt-Kölner und die neu-Kölner haben etwas Neues dazu gelernt und Spaß bei der Führung gehabt.“ Das hatten sie! Die nächste Führung, sagt Jörn, wird allerdings nicht an einem Sonntag stattfinden. Yosef hat ihm erklärt, dass die Menschen in Eritrea sehr religiös sind und den ganzen Sonntag in der Kirche verbringen. Daher waren heute auch nur wenige seiner Landsleute dabei. Aber die, die dabei waren haben die Führung genossen und viel über ihre neue jecke Heimatstadt gelernt.
 

Text: Aslı Güleryüz

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