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Gesellschaft

„Wir fragen nicht, wir helfen.“

Dienstag, 12. April 2022 | Text: Markus Küll | Bild: Markus Küll

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Es ist ruhig geworden um das büroartige Gebäude in der Vorgebirgstrasse direkt am Volksgarten, das seit einigen Jahren als Notunterkunft für Wohnungslose genutzt wird. In der Vergangenheit wurde immer mal öffentlich diskutiert: Eine Bürger*innen-Initiative sprach von „Elends-Migration“, einige Anwohner*innen fühlten sich gestört, die Kölner Boulevardpresse griff das Thema auf.
Beim Besuch von Meine Südstadt gleicht die Atmosphäre im Innenhof eher einer Mischung zwischen Camping-Idylle und Wartehalle: Bewohner*innen vertreiben sich die Zeit auf dem Hof in der ersten Frühlingssonne oder finden im aufgestellten Wärmezelt Zuflucht.

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„Hier kommen die Menschen hin, die eine warme Mahlzeit brauchen, die mal schlafen müssen. Frauen, die hier endlich eine sichere Unterbringung finden, weil sie von Männern getrennt untergebracht werden“, erklärt Anke Collignon, die Pressesprecherin des SKM. Sie und ihr Kollege Eugen Tolstow, stellvertretender Leiter des Hauses, nennen die Menschen, die zu ihnen kommen, nur „Gäste“.

Anke Collignon und ihr Kollege Eugen Tolstow, der stellvertretende Leiter des Hauses

Noch eine weitere Eigenschaft eint die Gäste: Sie alle kommen aus osteuropäischen EU-Ländern. Für viele dieser Menschen hat sich die Hoffnung auf eine Arbeit „im Westen“ nicht erfüllt, so dass sie keine Ansprüche auf „normale Sozialleistungen“ nach dem Sozialgesetzbuch haben. Am Ende bleibt für sie nur das Angebot der „Humanitären Hilfe“.

Kräftezehrend

Viele der Gäste haben schon eine Odyssee durch verschiedene europäische Länder und ein Leben auf der Straße hinter sich. „Hier sind Menschen, die ihre Lebenssituation verstehen. Das Leben auf der Straße ist unglaublich kräftezehrend“, so Anke Collignon. Eugen Tolstow, ergänzt: „Man kann hier duschen, man kann hier waschen und wir haben eine Kleiderkammer. Der mobile medizinische Dienst des Gesundheitsamts ist zweimal die Woche hier, was vor allem in der Corona-Zeit sehr wichtig war. Zudem unterstützen uns Sprachmittler*innen in der Kommunikation“.

Manche gehen zurück, manche weiter, manche bleiben

Das Haus an der Vorgebirgstraße ist aktuell für 50 – 60 Gäste ihr Zuhause auf Zeit – oder auf Dauer. „Manche gehen irgendwann in ihre Heimatländer zurück“, so Anke Collignon. Dies ist allerdings eher die Ausnahme. Für einige sei das Haus des SKM ihre Heimat.
Und wie ist es mit der Vorgabe, daß die Bewohner*innen morgens um 08:00 Uhr das Haus verlassen müssen und dann im Volksgarten oder am Chlodwigplatz zu finden sind, wie man immer wieder in der Südstadt hört? Dazu Eugen Tolstow: „Die Gäste müssen um 08:00 Uhr in der Tat ihre Zimmer verlassen, weil wir als Notunterkunft und wechselnde Menschen jeden Tag eine gründliche, desinfizierende Reinigung durchführen. Wir haben deswegen aber einen festen Tagesaufenthalt mit warmen Mittagessen und zusätzlich auf dem Hof verschiedene Zonen eingerichtet, damit alle Gäste – auch diejenigen, die eine Suchtthematik haben – hier bleiben können.“

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Eine „Wiedereingliederung“ in ein vermeintlich eigenständiges Leben ist kaum möglich – dazu fehlen die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das Konzept des SKM sieht neben der reinen „Betreuung“ allerdings weiterführende Hilfen und niedrigschwellige Angebote zu lebens- und tagestrukturierenden Maßnahmen vor. So helfen einige der Gäste bei organisatorischen Aufgaben wie z.B. in der Kleiderkammer. Aktuell ist der SKM in Abstimmung mit verschiedenen Kostenträgern, um ein Beschäftigungsangebot für ihre Gäste in der Vorgebirgstraße aufzubauen. Je mehr jemand in eine Tagesstruktur eingebunden ist, desto weniger findet das Leben auf der Straße statt, so der Ansatz dieser „Hilfe zur Selbsthilfe“

Dank an die Südstadt

Eben dieses „Leben auf der Straße“ in der Südstadt hatte in der Vergangenheit für Diskussionen gesorgt. „Aktuell eignet sich unser Haus nicht zur Skandalisierung“, fasst Anke Collignon die Erfolge der vielen Gespräche mit Verwaltung und Nachbar*innen in den vergangenen Jahren zusammen. Inzwischen habe sich sogar ein Kreis von Unterstützer*innen gebildet, die das Haus besuchen, Kuchen backen und gelebte Nachbarschaft in diesen besonderen Ort am Volksgarten bringen.
Still und noch nachdenklicher wird das Gespräch, als die Frage nach der Perspektive für das weitere Leben der Gäste aufkommt. Anke Collignon und Eugen Tolstow beschreiben ihre Aufgabe so: „Wir begleiten die Menschen, die zu uns kommen, so gut es geht. Wir fragen nicht, wir helfen. Und wer bleiben will, kann bleiben.“

Text: Markus Küll

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