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Kultur

„Wir überleben das!“ – Im Odeon-Kino ist man trotz Corona optimistisch

Donnerstag, 17. Dezember 2020 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Oliver Köhler

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Wer in den letzten Wochen am Odeon vorbei kam, konnte meinen, da seien gerade Vorbereitungen für ein Filmfestival im Gange. Das ganze Foyer war mit großformatigen Bannern und Filmplakaten dekoriert. Doch zur Vorfreude besteht kein Anlass. Die Plakate waren lediglich eine aus der Not geborene Idee der Betreiber, in diesen trüben Zeiten zumindest ein paar Euro in die Kasse zu bekommen.

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Samstags konnten die Plakate und Banner gegen eine Spende erworben werden. Auch DVDs und Kinogutscheine waren als Geschenkideen im Sortiment. Aber natürlich waren diese Einnahmen aus dem vorweihnachtlichen Bazar allenfalls ein Tröpfchen auf den heißen Stein. Denn seit dem 2. November dürfen die Leinwände im Südstadt-Kino nicht bespielt werden. Und das zum zweiten Mal in diesem Jahr.

Grund genug, Geschäftsführer Jürgen Lütz und Theaterleiter Martin Roelly zu fragen, wie sie mit dem Odeon das Seuchenjahr er- und überlebt haben. Natürlich sei man zu Beginn des ersten Lockdowns Mitte März in eine Art Schockstarre verfallen. „Aber“, so Martin Roelly, „es gab auch gleich eine unglaubliche Unterstützung durch unsere Stammkunden, die massenhaft Gutscheine gekauft oder spontan Geld gespendet haben. Diese Solidaritätsbekundungen haben uns emotional total berührt.“ Dazu gab es eine unbürokratische Finanzspritze über 5000 Euro von der Filmstiftung NRW. Desweiteren gab es noch eine Soforthilfe vom Land und später das Überbrückungsgeld. So ist man einigermaßen über die knapp drei Monate der Schließung gekommen.

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Keiner der acht festangestellten Mitarbeiter des Kinos musste entlassen werden, doch seit April sind sie auf Kurzarbeit. Als Anfang Juni wieder geöffnet werden durfte, waren keine großen Investitionen nötig, um die Hygieneauflagen zu erfüllen. Jürgen Lütz: „Eine gute Lüftung hatten wir schon immer, und durch unseren separaten Ausgang konnten wir auch den Einbahnstraßen-Betrieb problemlos gewährleisten. Abgesehen von ein paar Desinfektionsstationen und Plexiglasscheiben für den Kassenbereich sind uns da kaum Kosten entstanden.“ Nach der Wiedereröffnung durften im Sinne der Abstandswahrung zunächst 25, später 40 Prozent der Sitzplätze besetzt werden. Und die Kino-Fans nahmen das Angebot nach der langen Auszeit dankbar an und bescheinigten den Betreibern, sich Odeon absolut sicher zu fühlen. Unter der Strategie vieler Verleiher, die Starts von Filmen wegen Corona auf unbekannte Zeit zu verschieben, hatte Kino kaum zu leiden.

Das betraf die Hollywood-Blockbuster, die in der Südstadt ohnehin eher selten laufen. Christopher Nolans „Tenet“ lief im August durchaus gut an, hatte aber natürlich unter dem Sommer zu leiden, in dem es die Menschen traditionell eher ins Freie als in Kino zieht. Dennoch war es für die Betreiber während der Pandemie nie eine Frage, die Eigentümergemeinschaft, der die Immobilie des Odeon gehört, um Mietstundung zu bitten. „Wir haben in den letzten Jahren“, so Jürgen Lütz, „einiges an Rücklagen gebildet, weil wir noch Großes vorhaben.“

Mit dem Ersparten wollte man eigentlich im kommenden Jahr ein drittes Kino eröffnen. In den Räumen gleich neben dem Odeon, in denen derzeit noch eine Lotto-Annahmestelle mit Kölsch-Nippes beheimatet ist, soll im Hinterzimmer ein kleiner Saal mit großer Leinwand für rund 40 Zuschauer entstehen. Das angesparte Geld geht nun zwar zu großen Teilen für die Corona-Krise drauf, aber die beiden Macher sind fest davon überzeugt, das Projekt in den nächsten Jahren realisieren zu können. Derzeit ist man allerdings mehr damit beschäftigt, die Fristen für die aktuellen Förderungsanträge einzuhalten. Die Formulare für die November-Hilfe und das Überbrückungsgeld II sind abgeschickt, aber noch ist kein Geld geflossen. Dennoch geben sich die beiden Betreiber des Odeon nicht zerknirscht oder selbstmitleidig. „Wir überleben das und wir sind weder gefährdet noch perspektivlos“, so ihr Statement zur aktuellen Lage. Was ja in diesen trüben Zeiten mal eine erfreulich positive Botschaft ist. Wann im Odeon wieder Filme über die Leinwände flimmern können, steht derzeit dahin. Aber Gutscheine für den Gabentisch gibt’s weiterhin online zu kaufen.

Text: Reinhard Lüke

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