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Gesellschaft

Wohnungslose besetzen Haus auf Großmarkt – Zuhause in der Corona-Krise

Mittwoch, 1. April 2020 | Text: Judith Levold | Bild: Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Schon seit ein paar Wochen hat André Unterschlupf gefunden in einem vierstöckigen Gebäude an der Bahnstrecke westlich der Bonner Straße. Auf dem Großmarktgelände auf der Rückseite der so genannten langen Halle.

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Hier werden zukünftig der Grüngürtel und die Parkstadt Süd gebaut, erst kürzlich beschloss der Rat der Stadt, eine Ausschreibung zu starten für die Vergabe des Auftrags zum Abriss der leer stehenden Gebäude auf den Flächen. André, nach eigener Auskunft seit sieben Jahren auf der Suche nach einer bezahlbaren kleinen Wohnung, war überrascht. „Hier liegt tadelloser Teppichboden, Strom und Wasser sind noch angestellt, hier kann man bleiben. Statt auf der Straße zu sein.“

André: Happy, dass die Räumung vorerst abgewendet ist.

Und so hat er anderen Wohnungslosen Bescheid gesagt. Menschen, für die „Stay Home“ und ständige Handhygiene im Corona-Modus irgendwie zynisch klingen. Dreißig Leute haben hier, in dem leer stehenden Gebäude der städtischen Liegenschaften, eine Zuflucht gefunden. Natürlich illegal, und folglich auch von Räumung bedroht. Schimmel gebe es in diesem Gebäude, wie das Liegenschaftsamt behauptet. Und deshalb müsse geräumt werden.

Ratsfrau Marion Heuser und Martin Stankowski beim Ortstermin

Doch Sympathisanten wie Südstadt-Pfarrer Hans Mörtter, Kabarettist Jürgen Becker und Historiker Martin Stankowski machten mobil, am Dienstag kamen die grüne Ratsfrau Marion Heuser und Sozialdezernent Harald Rau persönlich zu einer Inaugenscheinnahme in das besetzte Haus, um mit den „BesetzerInnen“ zu sprechen. „Sowas hat es noch nie gegeben.“ begeistert sich Martin Stankowski, der als Historiker, Stadtführer und Journalist schon viele Hausbesetzungen begleitet hat. „Dass hier ein Dezernent diskutiert, vor Ort, mit BesetzerInnen und Sympathisanten, und nach einer verträglichen Lösung sucht. Das ist schon bemerkenswert!“, so Stankowski. Und Marion Heuser ist fest überzeugt „Das kann man nicht machen, Leute, die sich wirklich geflüchtet haben hier in einen brauchbaren Wohnraum, zu räumen. Wie sollen die sich schützen vor Corona, wie sollen die sonst weiter leben? Das Gebäude wird ja nicht jetzt und gleich abgerissen, da ist ja Zeit für die Suche nach Lösungen.“

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Das Ergebnis des „Ortstermins“: Eine Räumung ist zunächst ausgesetzt, die Stadt will, so Sozialdezernent Rau, die Situation erstmal dulden. „Das kann natürlich nur kurz sein, hier sind Bauvorhaben beschlossen.“ so Rau. „Aber: Die Menschen hier sind vernünftig, gehen planvoll mit der Situation um und in der Corona-Krise ist das eine Option für Wohnungslose. Natürlich ist es eine rechtswidrige Nutzung, aber: Wir müssen als Stadt mit den Leuten reden und schauen, wie wir daraus lernen und Lösungen finden, wie es weiter gehen kann mit denen, die hier erstmal untergekommen sind.“

Rückseite der langen Halle: Auch die wird abgerissen, noch aber steht sie

Schimmel hat hier bei der Besichtigung niemand gefunden, und der dürfte im Übrigen auch weniger ein Problem für wohnungslose Menschen sein, als die aktuelle Bedrohung durch das Corona-Virus: Hier können sie sich gemeinsam organisieren, die Ärmsten, die ansonsten kein staatlicher „Rettungsschirm“ behütet.

Text: Judith Levold

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Kommentare

  • Claudia sagt:

    Danke für diesen super Beitrag.
    Jetzt noch den sicheren Hafen für die Menschen aus Moria,und Köln ist wieder eine kleines Stückchen menschlicher geworden.
    Liebe Grüße

  • Lars sagt:

    Insgesamt Begrüßenswert, aber mit dem unglaublich schlechten Musikgeschmack in Festivallautstärke, machst Du Dir nur bedingt Freunde.

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