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Gesellschaft

Block-News-Blog – BiB in der Südstadt

Dienstag, 13. März 2018 | Text: Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Seit Tagen versuche ich, den ausfindig zu machen, der bei Bunt im Block die Aktion „Freibad am Eierplätzchen“ angemeldet hat: BiB-Organisator Thomas Schmeckpeper hat mir versprochen, ihn zu kontaktieren und anzufragen, ob er ihn mit mir verlinken darf.

Mal ´raus.

Kristof Klitza, Chef vom Herz-Jesu-Altenheim am Oberländer Wall

Kristof Klitza, Chef vom Herz-Jesu-Altenheim am Oberländer Wall

Wen ich aber schon an die Strippe bekommen habe, ist Kristof Klitza, den Chef vom Herz-Jesu-Altenheim am Oberländer Wall. Der ist happy: „So kann ich ein Guckloch herstellen, von uns hier nach draußen.“ erzählt er. Klavierspiel auf der Straße vorm Heim, Reibekuchen Open Air backen und den Tag der offenen Tür kurzerhand vor selbige legen – das will Klitza bei Bunt im Block am 27. Mai. Highlight: die Rikscha-Taxistation, vom Bunt im Block Team initiiert und nah dran an den BewohnerInnen vom Oberländer Wall 16. Auch Leutchen, die schon lang nicht mehr op dr Strooß waren, können dann mal ´raus und eine Spazierfahrt durchs Veedel unternehmen.

Autofreier Sonntag.

Das Team von Bunt im Block hat auf die Sorgen und Kritik aus dem Veedel reagiert, dass die Südstadt, so sinngemäß auf einem Flyer der Bunt im Block-Gegner, bei diesem Nachbarschaftsfest invadiert und in eine Müllkippe verwandelt werde: Die stadtweite Werbekampagne für die Aktion haben Schmeckpeper und seine Mitstreiter deutlich auf die Gegend hier reduziert, ebenso die Fläche des Blocks verkleinert: Veledastraße, Siegfriedstraße, Kyllstraße und Alteburger Wall fallen nach neuester Planung ´raus.

Das Gebiet von Bunt im Block wurde verkleinert

Karte vom Veranstaltungsteam Bunt im Block zur Verfügung gestellt.

Daneben hat das Bunt im Block-Team den per Flyer formulierten Forderungen der Kritiker entsprochen – besonders der nach Offenlage sämtlicher Pläne und Finanzierungsmodelle. Auch ein im Kern nichtkommerzielles Fest darf und sollte aber natürlich kostendeckend arbeiten dürfen, wie der für Filmdreherlaubnisse, Veranstaltungsservice, und Straßen- und Grünflächen(Sonder-)nutzungen zuständige Mitarbeiter des Kölner Ordnungsamtes mir im Rahmen einer früheren Recherche mal mitteilte.

Andere Punkte aus dem Bedenkenträger-Flyer, der Anfang Februar in den Postkästen der Südstadtbewohner lag, entbehren schlicht jeder faktischen Grundlage: Es wird bei Bunt im Block keine Gastrobuden im öffentlichen Grün geben. Ein paar Gastrobuden stehen vor der TH in der Claudiusstraße, und zwar auf eben dieser – da gibt’s dann ja keinen motorisierten Verkehr. Wer sein Auto am 27.5. jedoch gar nicht bewegen will, kann es natürlich im Block stehen lassen, ansonsten heißt es: Freie Bahn für die AnwohnerInnen, mit z.B. einer straßenlangen Schmalhanstafel. Ersatzparkflächen werden quasi fußläufig erreichbar sein – keine 1000 Meter entfernt können Anwohner ihre Autos, natürlich kostenfrei, abstellen, um den Menschen im Block zwischen Bonnerstraße und Rheinufer, zwischen Ubierring und Alteburger Wall, zum einem autofreien Sonntag zu verhelfen.

En unsrem Veedel…

…bzw. vor allem in unsrer Veedels-Facebookgruppe, diskutieren aber jenseits dieser Sachlage Einzelne nach wie vor heiß die Gesamtidee von Bunt im Block, ja, in unserem Veedel, lalalalaaaa, lalalalaa. Ist Streit ausgebrochen. Und warum?
Etwa um ein unweit entstehendes autobahnähnliches Straßenkreuz Bonner, Ecke Schönhauser Straße? Um die seit Jahren explodierende Mieten der Wohnungen, um die immer größere und verschiedenste Gruppen gar nichts, schlecht oder mittelmäßig verdienender Menschen kämpfen müssen? Um Armut – ja, auch bei uns im Veedel vorhanden – oder die Unterbringung von Flüchtlingen?
Nein, gezankt wird um ein Fest in einem Straßen-Block der Südstadt, eine Art „Tag des guten Lebens“ in klein. Und gestritten wird heftig. So heftig, dass sich unser aller Bezirksbürgermeister Andreas Hupke fragt: „Wie reden wir eigentlich miteinander?“. Und am Montag, den 19.3., abends um halb acht in die Maternuskirche dazu einlädt, am Beispiel von Bunt im Block genau darüber zu reden – Streitkultur?

Die 3 ???

Mehr als nur drei Fragezeichen blinken seit langem in meinem Kopf auf: Wie kann ein Straßenfest einen derart verbissenen und teilweise aggressiven Widerstand hervorrufen? Was stört die Gegner daran wirklich? Zu Beginn waren es die „mangelnde Kommunikation“ und vor allem ein Sponsorenpapier der Bunt-im-Block-Organisatoren. Zugegeben war darin übertrieben großmäulig von hunderttausend Besuchern die Rede – wie üblich im Marketing. Die hunderttausend Besucher, mit denen das ein paar Wochen später geplante Südstadtfest (vormals: Veedelsfest, in nur drei Straßen, Anm. der Redaktion) auf Facebook wirbt, stören offenbar niemanden, aber das nur am Rande. Befremden tut mich persönlich das „Mit zweierlei Maß messen“ trotzdem.
Was treibt also die Gegner des Festes tatsächlich an? Die Sorge um die Entwicklung des öffentlichen Raums ganz allgemein? Oder doch eher persönliche Animositäten? Und wenn Letzteres der Fall sein sollte: Gehören persönliche Animositäten in die Debatte über ein Straßenfest, in dem nur der Rahmen organisiert ist, die Gestaltung des Tages aber von den Nachbarn des Viertels kommt?

A und O: Das O-Amt.

Es wird darauf ankommen, ob das Ordnungsamt dieses Fest -formal exakt so ein Straßenfest wie Längster Desch oder Veedelsfest der ABC- genehmigt. Und da gibt es verschiedenste Aspekte, die ein solches Vorhaben genehmigungsfähig machen: Genug öffentliches Interesse, korrekte Planungen für die Sondernutzung, und natürlich: Goodwill. Die Politik kann da vorlegen – am 19. April tagt die Bezirksvertretung Innenstadt, ein Mehrheitsvotum dieses Gremiums kann eine Verwaltung nicht ignorieren, egal wie es ausfällt.

Nachricht vom Bademeister

Ach, übrigens: Ganz prompt hat sich der Nachbar von „Freibad am Eierplätzchen“ gemeldet. Ich wusste bislang gar nicht, dass der bei mir um die Ecke wohnt.

Text: Judith Levold

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Kommentare

  • Ingrid Ludwig sagt:

    Liebe Judith,

    eigentlich wollte ich mich aus diesem Kindergarten ja raus halten.
    Aber jetzt, wo sich auch noch die Politik, bzw. die CDU einmischt und sich auf die Seite der Gegner des Bunt im Block Festes stellt, muss ich auch mal nach fragen.

    Gibt es nicht wirklich wichtigere Dinge, als gegen ein Straßenfest mobil zu machen?
    Soviel Aktion und Engagement für oder gegen wichtigere Dinge, wie Feinstaub, Armut, hohe Mieten, Gentrifikation, Unterstützung der kleinen Einzelhändler etc. vermisse ich sonst. Und jetzt der Aufstand gegen ein friedliches Straßenfest für Integration etc.?????

    Und was ich an der ganzen Sache überhaupt nicht verstehe:

    Wenn man gegen die Kommerzialisierung der Südstadt vorgehen will, wieso dann gegen dieses Fest???
    Wenn es ein kommerzielles Straßenfest gibt, dann doch das Straßenfest auf der Bonnerstraße und der längste Tisch.
    Da kann ich mir als kleiner Einzelhändler keinen Stand leisten, weil die Standmieten so hoch sind.

    Die Straßenfeste, wo es für alle ein nettes Miteinander gab, waren doch besonders das Fest in der Merowingerstraße und auch die Südstadt Safari. Es war unkonventionell, friedlich und auf keinen Fall kommerziell.

    Ich würde das Fest sehr vermissen.
    In der Hoffnung auf ein friedliches Miteinander und zwei schöne Feste.

    Ingrid

  • Ursula Brockner sagt:

    Hallo Judith, es geht hier überhaupt nicht um persönliche Animositäten. Die Sache ist ganz einfach: wenn das kölsche Viertelsleben als Dauerevent vermarktet wird, wenn das normale Leben hinter Dixiklos und Foodtrucks weggesperrt wird, wenn Nachbarschaft und autofreie Wochenenden als Ideologie für eine schier unfassbare Gigantomanie der Event- und Foodszene herhalten müssen und ganze Straßenzüge ohne gefragt zu werden zur Beglückungssperrzone der Anwohner erklärt werden, dann stimmt doch was nicht. Ich wohne mittendrin in dieser Beglückungszone und zwar schon seit meiner Geburt. Bisher hats ganz gut ohne geklappt. Ich brauche weder Ganzjahreskostümierung, noch Dauerbesäufnis und kann auch auf gut die Hälfte aller anderen genannten Events in der Südstadt verzichten, die im Laufe der Jahre immer gigantischere Ausmaße angenommen haben. Ich möchte mein stinknormales intaktes Kölsches Viertelsleben zurückhaben. Wenn man gar nicht mehr weis was man eigentlich feiert, ist es höchste Zeit damit aufzuhören.
    Ursula

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