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Glaube

„Die Blume nach außen drehen“

Sonntag, 6. Oktober 2013 | Text: Aslı Güleryüz | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Das Schöne nach außen strahlen, das Innere des Menschen nach außen wenden – das sei wichtig, sagt der hohe buddhistische Geistliche Sakyong Mipham Rinpoche. Was heißt es, Mensch zu sein? Was macht einen ‚Menschen’ aus? Die biologische Hülle? Unser denkfähiges Gehirn? Unser Bewusstsein? Was ist ein ‚guter’ Mensch? Fragen dieser Art beschäftigen immer mehr Menschen auf der ganzen Welt.

Wie verläuft eigentlich unsere Entwicklung als „Mensch“? Wir kommen auf die Erde, haben einen Körper zur Verfügung. Der bleibt uns auch erhalten bis zum Ende unseres Lebens. Viele von uns beschäftigen sich sehr intensiv mit dem Aussehen ihres Körpers, sind bemüht, ihn fit & gesund zu halten. Wie sieht es aber mit dem Inneren aus? Machen wir uns auch genau so viele Gedanken um das Innere unseres Körpers? Was für ein Mensch wollen wir sein? Formen wir unseren Geist genau so sehr wie unseren Körper?

Das Shambhala Meditationszentrum am Kartäuserwall hatte dieser Tage zu einem Seminar eingeladen. „Mutig und Sanft – Die Kunst Mensch zu sein“: Sich selbst sehen, unsere Welt sehen, den Möglichkeiten entgegen sehen. Sakyong Mipham Rinpoche war zu Gast, angereist aus Kanada.

Gut 200 Teilnehmer aus ganz Europa sind zu Gast und sitzen auf Meditationskissen in dem geräumigen Zelt auf dem Parkplatz neben dem Alten Pfandhaus, um den Sakyong zu hören. Bevor der Sakyong auf Englisch zu der Gruppe spricht, üben wir uns in einer kurzen Meditation. Per Gong leitet Sabine Rolf die Meditation ein: „Was hat uns dazu bewogen, heute hierhin zu kommen? Eine Frage? Ein Wunsch? Ein Bauchgefühl?“ Wir nutzen die Meditation, um im Zelt körperlich und geistig anzukommen.

 

Anschließend lädt sie uns zu einer Dialogübung ein: Wir sollen uns mit unserem Nachbarn austauschen. Ihm zuhören, was er zu sagen hat. Und wir sollen ihm vertrauen und von uns erzählen. Die Reihe, in der ich sitze, geht rechnerisch nicht genau auf, so dass ich mit zwei Nachbarn spreche. Anette ist aus Holland angereist. Ivan kommt aus den USA, wohnt aber in Köln. Wir unterhalten uns ganz offen und angeregt.

 

Dann kommt der Sakyong. Sakyong Mipham Rinpoche ist der Linienhalter der buddhistischen Shambhala-Tradition. Der Sohn von Chögyam Trungpa Rinpoche wurde 1962 in Indien geboren und ist geistiger Nachfolger seines Vaters. Chögyam Trungpa selbst kam 1939 in Tibet zur Welt und musste 1959 aufgrund der chinesischen Invasion fliehen. Seine Flucht brachte ihn über Indien nach Großbritannien und in die USA.

 

So lag es auch nahe, dass er die östliche Tradition mit der westlichen verband; östliches Wissen mit westlichem. Das geschah genau vor 50 Jahren. Sein Sohn Sakyong Mipham Rinpoche wuchs in beiden Welten und Kulturen auf und trägt zur weltweiten Verbreitung der Shambhala-Tradition bei. ‚Sakyong’, erklärte Mipham Rinpoche bei dem Seminar, ist ein Titel und heißt wörtlich übersetzt „Beschützer der Erde“ oder „Beschützer der Menschheit“.

Was ist Shambhala?

Alle Wesen sind grundlegend Gut. Ja, so einfach ist das! Das ist von Natur aus so. Grundlegend gut – das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wenn man dies anerkannt hat, obwohl es große Zweifel daran gibt – das tägliche Studium der Nachrichten liefert genügend Beispiele – eröffnen sich neue Wege. Welche Haltung nehme ich meinen Mitmenschen gegenüber ein? Wie begegne ich meinem nervigen Nachbarn, der sich über Nichtigkeiten beschwert? Ich bemühe mich, das Gute in jedem Menschen und in jeder Situation zu sehen. Das ist eine große Herausforderung. Das kann man durch Meditation üben.

 

In der Achtsamkeits- und Gewahrseinsmeditation lernt man sich selbst besser kennen, reflektiert über sich und nimmt sich die Zeit zum Nachdenken. Aggression, Ignoranz, Konsum und Selbstzentrierung werden allmählich über Bord geworfen. Man wird achtsamer im Umgang mit anderen Menschen, fühlt sich besser in sie hinein, verbindet sich mit ihnen und strahlt dies aus. Dies erfordert viel Mut und Tapferkeit, da man sich selbst dabei auch verwundbar macht. So ist das Bild des ‚sanften Kriegers’ entstanden. Man verbindet sich tapfer und mutig mit anderen Menschen. Ein sanfter, unermüdlicher Kampf für unsere Zukunft. Denn so tragen wir dazu bei, dass unsere Gesellschaft gesünder ist.

 

Sakyong Mipham Rinpoche spricht darüber, den Geist zu erleichtern: Wenn wir uns viel in der Vergangenheit bewegen, werden wir unter Umständen mit Gefühlen von Schuld oder unangenehmen Erinnerungen konfrontiert. Machen wir uns viele Gedanken über die Zukunft, planen wir permanent und machen uns auch Sorgen um die Zukunft. Bewegen wir uns im Jetzt, können wir die beiden anderen Extreme schwächen und Entscheidungen ohne Druck fällen. Die Shambhala Vision ist die Vision von einer körperlich und geistig gesunden, ‚erleuchteten Gesellschaft’. Am Tag der Deutschen Einheit wirbt Sakyong Mipham Rinpoche in der Südstadt für die Einheit von Geist & Herz, von Körper & Herz, von westlichen & östlichen Gedanken, von Tradition & Moderne.

Bodenständig in leuchtenden Farben

Gregor Bleil besucht seit anderthalb Jahren regelmäßig das Shambhala Meditationszentrum in der Südstadt. So oft seine nächtlichen Pflegeschichten es ihm erlauben, kommt er aus Bergisch Gladbach zum Meditieren in der Gemeinschaft. Er hat gesehen, wie der Sakyong den Raum betrat, in dem circa 200 Menschen gespannt auf ihn warteten. Ruhig ging der Sakyong zu seinem Platz, die weinrote Satinhose, das sonnengelbe Satinhemd und das orangefarbene Tuch um seine Schulter leuchteten bis zum letzten Platz hin. „Das war eine sehr große Chance für mich, den Sakyong kennen zu lernen,“ erklärt Gregor Bleil. „Dieses Zwei-Tage-Seminar war ein Seminar der Stufe 1, und es kommt selten vor, dass der Sakyong zu diesen Seminaren kommt und redet. Das ist außergewöhnlich. Er scheint ein bodenständiger, ganz einfacher Mensch zu sein. Wenn er eine Wunde hat, blutet er auch. In seinen Reden habe ich Bescheidenheit und auch Selbstironie gehört.“

Seinen Weg zum Shambhala Meditationszentrum hat Gregor Bleil (Foto) damals auf ganz moderne Art und Weise gefunden: „Ich war an einem Punkt in meinem Leben, der mich dazu gebracht hat, mich intensiver mit mir auseinander zu setzen. Ich wollte eine Meditationsgruppe finden. Shambhala war das erste, was die Google-Suche angezeigt hat,“ erinnert er sich. „Ich bin dann zu den offenen Abenden gekommen. Die finden wöchentlich statt. Die Gruppe hat mir gefallen. Das Meditieren, das Training in der Gruppe hat mir gefallen. In der Gruppe gibt es einen Meditationsleiter. Meditation ist eine Technik, wo man viel selbst herausfinden muss. Dabei wird einem geholfen. Man macht drei Schritte vor und fünf zurück“.

Im Rahmen des zweitägigen Seminars gab es Meditationseinheiten und auch kleine Diskussionsrunden. In Gruppen mit einem Anleiter begleitet, tauschen sich die Schüler über ihre Eindrücke aus und stellen Fragen. Gregor Bleil stellt nach den beiden Tagen des Trainings fest: „Ich möchte wieder regelmäßiger ins Shambhala Zentrum kommen. Ich strahle viel mehr Ruhe nach außen aus. Das war vorher zwar schon so, hat sich aber intensiviert. Ich bin auch gelassener und bodenständiger geworden. Das merkt man im Alltag schon.“

 

 

 

Mehr imNetz:
Offene Abende im Shambhala Meditationszentrum finden jeden Donnerstag, sowie für Menschen unter 30 an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat.
Zu „Ein ganzer Tag für die Praxis von Achtsamkeit und Einsicht“ lädt Shambhala am 13.10.2013.

Mehr Infos über Shambhala und Meditation gibt’s hier.

 

Text: Aslı Güleryüz

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