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Gesellschaft

Die Frau mit den Strümpfen – Dorothee Schmuckat am Chlodwigplatz

Donnerstag, 10. Oktober 2019 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Oliver Köhler

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Dorothee Schmuckat ist heilfroh, dass der Sommer endlich vorbei ist. Zum einen findet sie Temperaturen über 30 Grad persönlich eher unangenehm. Zum anderen ist Hitze schlecht für ihr Geschäft. Weil Frauen dann zu luftigen Kleidern an ihren Beinen eher nackte Haut als Strümpfe oder Strumpfhosen tragen. Doch die Geschäftsfrau nimmt es gelassen, dass der Sommer für ihren Laden Saure-Gurken-Zeit ist. Schließlich kann sie sich darauf verlassen, dass auch wieder bessere, kühlere Tage kommen. War zumindest in den letzten 36 Jahren so.

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Denn so lange steht Dorothee Schmuckat schon hinter dem Tresen ihres Geschäftes am Chlogwigplatz, das nach wie vor schlicht „Strumpfhaus“ heißt und in der Südstadt eine Institution ist. Denn seidige Beinkleider werden dort bereits seit 1945 verkauft. Und die ganz in dunklem Holz gehaltene Inneneinrichtung hat sogar noch ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel. „Als mein Großvater das Haus 1911 gekauft hat“, so Schmuckat, „wurde das Ladenlokal an einen Zigarrenhändler verpachtet. Aus dem Jahr stammt auch noch die komplette Einrichtung. Nach dem Krieg wurde daraus dann dieses Geschäft für Wäsche und Strümpfe“.

„Ich liebe meine Kunden“

Weil die antike Einrichtung des gerade einmal 32 Quadratmeter großen Fachgeschäftes ein echter Hingucker ist, kommen auch hin und wieder Touristen rein und fragen, ob sie vielleicht nur mal eben ein Foto machen dürften. Sie dürfen. Und manche verlassen den Laden dann doch mit einem der chicen, dunkelblauen Couverts, in die Dorothee Schmuckat ihre Strümpfe und Strumpfhosen verpackt. Aber die Hauptklientel des Geschäftes machen Stammkundinnen aus. Viele von ihnen kennt Schmuckat bereits seit Jahrzehnten und manche schauen zu ihrer Freude auch nur für ein Schwätzchen rein, wenn sie gerade in der Nähe sind. “Ich liebe meine Kunden und unterhalte mich gern mit ihnen. Dieser soziale Kontakt ist mir wichtig“, sagt Schmuckat. Wie aufs Stichwort streckt an diesem Freitag Vormittag ein älteres Paar die Köpfe durch die Tür. „Wir wollten nur mal „Hallo“ sagen“, erklären sie. Aber natürlich nimmt sich Dorothee Schmuckat ein paar Minuten Zeit für die beiden und wünscht zum Schluss ein schönes Wochenende. Und diese kleine Plauderei wirkt herzlich. Keineswegs so, als käme da lediglich die clevere Geschäftstüchtigkeit der Frau zum Ausdruck.


Aber natürlich hat das „Strumpfhaus“ auch Krisenzeiten erlebt. „Die Jahre des U-Bahn-Baus am Chlodwigplatz“, erinnert sich Dorothee Schmuckat, „waren eine einzige Katastrophe. Zusätzlich zum Baulärm hatte ich das Problem, dass mein Geschäft lange Zeit nur über einen wackeligen Holzsteg zu erreichen war. Die Stammkunden sind mir damals zum Glück treu geblieben, aber die Laufkundschaft blieb weitgehend aus.“ Überraschend benennt sie aber auch eine weitere Krisenphase: die Umstellung von der D-Mark auf den Euro Anfang 2002. Was da genau passiert sei, so Schmuckat, könne sie sich bis heute nicht erklären, aber ihre Umsätze seien regelrecht eingebrochen. Womöglich hätten die Leute gedacht, sie hätten nur noch halb so viel Geld wie vorher und deshalb auch an edleren Beinkleidern gespart.

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Wenig gelitten hat Schmuckat nach eigenem Bekunden hingegen unter dem Umstand, dass es Strumpfhosen irgendwann nicht mehr nur in Fachgeschäften und Kaufhäusern sondern auch in Drogeriemärkten und bei Discountern zu kaufen gab: „So massiv habe ich diese neue Konkurrenz gar nicht zu spüren bekommen, weil ich schon immer nur hochwertige Ware im Sortiment hatte, die es dort nach wie vor nicht gibt. Zudem biete ich kompetente Beratung, die meine Kundinnen zu schätzen wissen.“

Das „Strumpfhaus“ führt edle Marken wie Falke, Woolford, Blueforet, Oroblu und Dolci Calze, deren Produkte im Kaufhof oder bei Karstadt in der Regel auch nicht preiswerter zu bekommen sind als am Chlodwigplatz. Und so sehr Dorothee Schmuckat die Gentrifizierung der Südstadt kritisch beargwöhnt, freut sie sich durchaus über neue, jüngere Kundinnen, die in der Lage bzw. bereit sind, für eine Strumpfhose mehr als 2,95 Euro auszugeben.

„Der Laden ist mein Leben“

Überhaupt blickt die Geschäftsfrau, die nach dem Tod ihres Mannes vor acht Jahren von Hürth wieder in die Südtstadt gezogen ist und heute in der Alteburger Straße wohnt, im Gegensatz zu vielen anderen Einzelhändlern des Veedels durchaus optimistisch in die Zukunft. Dorothee Schmuckat ist inzwischen 74, sieht viel jünger aus und will ihr Geschäft betreiben, so lange es geht. „Der Laden ist mein Leben“, sagt sie. „Was soll ich denn sonst machen? Mich mit einem Kissen ins Fenster legen und auf die Straße gucken?“. Nicht ihr Ding. Gleichzeitig macht sie aber auch keinen Hehl daraus, dass sie ihr Geschäft in einer durchaus privilegierten Position betreibt. Denn das Haus am Ubierring 2 ist nach wie vor in Familienbesitz, gehört offiziell Dorothee Schmuckats Bruder, an den sie monatlich eine vergleichsweise moderate monatliche Miete überweist. Die Wuchermieten, die in der Südstadt inzwischen für Ladenlokale teilweise verlangt werden, könnte sie sich nie leisten. Jetzt hofft sie erstmal darauf, dass die Frauen im Veedel von ihren Sommerkleidern nicht gleich wieder auf Jeans umsteigen.

Text: Reinhard Lüke

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Kommentare

  • Nora Feldhausen sagt:

    Wunderschöner Artikel, aber leider viele Schreibfehler. Bitte korrigieren. Danke und Gruß

  • Siegfried Blau sagt:

    Danke für diesen wunderbaren, auch so angenehm flüssig geschrieben Beitrag. Jetzt weiß ich auch, wie diese schöne Reife mit Familienname heißt! Für mich ist sie seit zig Jahren DIE Dorothee. Dieser gut geschnittene, lächelnde, intelligente Kopf! Herrlich mit Dorothee zu plaudern. Nun werde ich ihr eine Flasche Sekt bringen!

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