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Kultur

Die Sprache des Herzens, der Galle und des Zwerchfells: Gerd Köster

Dienstag, 14. Mai 2019 | Text: Markus Küll | Bild: Markus Küll

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Vor ein paar Tagen ist die neue CD von Köster/Hocker: „Fremde Feddere“ erschienen, auf der Gerd Köster und Frank Hocker ihre Lieblingssongs anderer Interpreten auf Kölsch neu und kongenial interpretieren. Meine Südstadt hat mit Gerd Köster an seinem Beobachtungsplatz Merowingerstraße/Ecke Rolandstraße gesprochen und trifft einen Südstadt-Zeitzeugen der besonderen Art.

Südstadt 1985: „Da war auf jeden Fall viel los“

Angefangen hat alles, so erzählt Gerd, mit einem Kunden im legendären „Out“, Alteburger Straße, Ecke Kurfürstenstrasse, der Kneipe seiner Frau Renate. „Über einen Gast im Out bekamen wir eine Wohnung in der Südstadt, in der wir seit 1985 wohnen.“ Davor lagen Stationen: die Schroeder Roadshow- WG mit Kneipe in Stolberg bei Aachen („…der alte Hippietraum…“), Weidenpesch, Esch und schließlich die Südstadt.

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„Das Out“, so Gerd Köster, „ hatte eine illustre Kundschaft; Hausbesetzer, Handwerker, Künstler, zu Anfang auch die Rocker – alle waren da. Die Südstadt hatte damals den Ruf, das hippste Viertel in Köln zu sein. Ob es das hippste war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall war viel los!“ Wer sich erinnern will, findet hier einen Wikipedia-Eintrag.

Basislager Rolandeck

Als Sänger von „Schroeder Roadshow“ hatte Gerd bereits einzelne Texte geschrieben. Mit der zurecht bis heute legendären Formation „The Piano Has Been Drinking“ begann er ab 1989, ernsthaft Texte auf Kölsch zu schreiben. „Durch die Waits-Geschichte hat das angefangen, das hat mir die Tür aufgemacht. Seitdem sehe ich das auch als Beruf. Zuerst hab ich mich gefragt:“ Wie mät man dat? Das lernst Du ja nicht von der Pike auf…?“ Ganz offensichtlich durch genaues Zuhören. Gerd Kösters Texte sind meisterhafte Verdichtungen der Sprachfetzen, öffentlichen Äußerungen und Bilder, die ihm jeden Tag auf den Strassen rund um sein „Basislager“ auf der Terrasse vorm Rolandeck begegnen.

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Mit dem „Merowinger Hop“ („nicht der allergelungenste meine Texte“) hat er eine der Lebensadern der Südstadt verewigt: „Ich fand, die 200 Meter Strasse hatten das mal verdient.“ Heute sagt er: „ Alles kann Inspiration sein. Ich habe immer was zum Schreiben dabei und mache mir Notizen. Man entwickelt mit der Zeit ein Gefühl dafür, ob ein Satz, den man aufschreibt oder eine Beobachtung, die man macht, verwertbar ist. Manchmal dauert es Jahre, bis man es benutzen kann. Manchmal klappt es gar nicht.“

Fremde Feddere

Ihre neue Platte, die heute, am 10. Mai erscheint, haben Köster und Hocker „Fremde Feddere“ genannt. Sie enthält 13 kölsche Versionen von einigen ihrer Lieblings-Songs. „Man lernt immer noch von den großen Kollegen“ beschreibt Gerd seine Textarbeit bei der Erstellung der kölschen Versionen. „ Da ist eine große Ehrlichkeit in den Texten, aber oft auch eine große Ambivalenz. In dem Song „Zwei brunge Oure“ („A pair of brown eyes“ von den Pogues) bleibt bis zum Schluss offen, wie das gemeint ist. Das ist eben so – wie im Leben. Manches ist eben nicht klar.“

Texte in Tiefkölsch

Das Kölsch, in dem Gerd Köster seine Texte verfasst, ist dabei, wie er selber sagt, „tiefkölsch“ und hat nichts mit dem, wie er es nennt, „Studenten-Kölsch“ der bundesweiten medialen Karnevalsvermarktung zu tun. „Der Ruf von Kölsch im Rest von Deutschland ist ruiniert“ sagt Gerd Köster und zieht an seiner E-Zigarette. „Für mich ist und bleibt Kölsch die Sprache des Herzens – und der Galle und des Zwerchfells!“

Nächste Termine : 17. Mai im Kur-Theater Hennef, 29. Mai Eltzhof in Porz Wahn

Text: Markus Küll

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