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Kultur

Vorgeschmack auf Crime Cologne

Mittwoch, 18. April 2018 | Text: Evelyn Maria Denda | Bild: Evelyn Maria Denda

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Christoph Gottwald, praktisch Erfinder des Köln-Krimis, und Gerd Köster, selbst ernanntes „Urgestein der Südstadt“, sind ein eingespieltes Team bei ihrer Lesung im Alten Pfandhaus. Köster verleiht dem „frechen Loser Manni Thielen“, der Detektivfigur Gottwalds, die Kölsche Stimme, ich war dabei.

„Ein bisschen Hirn schadet nicht“

Gerd Köster startet im kleinen „quasi Amphitheater“, dem intimen Zuschauerraum des Alten Pfandhaus, die Lesung aus „Tödlicher Klüngel“ für mich mit einer Lebensweisheit vorab: „Ohne Herz und Seele kann man nirgendwo leben. Wobei ein bisschen Hirn auch nicht schadet“.
Anlass der Lesung ist die Neuauflage von Gottwalds ersten drei Kölnkrimis in einem Sammelband des emons Verlag und die Aussicht auf den vierten Fall für Manni Thielen, Detektiv und Hauptfigur, der unter dem Titel „Melatenblond“ im November im Rahmen des Crime Cologne-Festivals herauskommt.
In einer One-Man-Performance gibt Köster die zahlreichen Dialoge der Protagonisten – typisch für Gottwald Krimis – op Kölsch zum Besten. Und das kommt, wie ich finde, besser, als die einsame Lektüre auf dem heimischen Sofa – in der Buchvorlage sind die Dialoge nämlich in bestem Hochdeutsch. Schade einerseits, wobei andererseits – dann haben auch alle die, die des Kölschen nicht mächtig sind, beim Lesen etwas davon. Zwei Stunden lang liest Köster Auszüge aus den drei Köln Krimis „Tödlicher Klüngel“, „Lebenslänglich Pizza“ und „Marie Marie“, Autor Gottwald liefert zwischendurch nicht nur die Infos zur Entstehungsgeschichte seiner Krimis, sondern erfreut auch mit Anekdoten, die sein Schaffen begleitet haben.
Geboren 1954, ist Gottwald selbst Kölner und gilt als Erfinder der Köln Krimis bzw. der Regionalkrimis, auch wenn er dies, wie er selbst betont, „nie geplant hatte“.

Taxifahrender Erfinder der Kölnkrimis

Stattdessen war er nach dem Abi zunächst unentschlossen, was er studieren wollte und nutzte die Uni dazu, sich auszuprobieren. Ohne Bock auf eine lebenslänglich „entfremdete Tätigkeit“, beschloss er, sich dem Schreiben zu widmen. Und das, obwohl er sich selbst gar keine besondere Sprachbegabung attestiert, sondern „in Deutsch nachher ganz gut war, weil ich einen netten Deutschlehrer hatte.“ Die einzige Literatur, die er in der Jugend verschlang, waren die schwarzen rororo Krimis der Eltern. Seinen Lebensunterhalt verdiente er während der Uni-Zeit als Taxifahrer. Die Vorstellungen, die er sich von den Fahrgästen machte, die Erlebnisse, von denen sie ihm berichteten, wurden fortan sein „Füllhorn für Geschichten“. Und während dieser Zeit reifte auch die Idee mehr und mehr, einen Krimi zu schreiben ähnlich amerikanischer Detektivgeschichten, die er so gerne mochte. Dabei war die Vorstellung, „im Süden zu sitzen und ein Buch zu schreiben“, seine absolute Traumvorstellung, die er sich mit den Geschichten um Detektiv Manni Thielen auch schließlich erfüllen konnte. Mit 1.000.000 verkauften Exemplaren wird allein sein erster Köln Krimi so oft verkauft wie es heute bei der Vielzahl von Kriminalromanen kaum denkbar ist. „Es gibt schöne Zufälle“, stellt Gottwald fest – und so ist es auch ein Zufall, dass er den Verleger Hermann-Josef Emons kennenlernte und schließlich das Manuskript seines ersten Krimis aus der Schublade holte. Der Emons Verlag ist von Beginn an Hausverlag seiner Krimis, die den Grundstein für die Reihe der Regionalkrimis legten, mit denen der Verlag heute untrennbar verbunden ist.

Manni, das Unikum

Trotz des „Tsunamis“ an Krimis, so Gerd Köster, behauptet Gottwald mit Stolz, dass sein „Manni“ einmalig sei.
Im Auftaktroman „Tödlicher Klüngel“ landet er in einer Kölner Detektei und gerät gleich in spannende Verwicklungen, die ihn mehr als einmal in Lebensgefahr bringen. Gottwald betrachtet das Kölner Treiben stets mit einem Augenzwinkern. Dabei wirkt auch Mannis „besoffenes Schlurfen durch Köln“ heute witzig, ist es doch auch die typische Gangart des Helden im traditionellen angloamerikanischen Krimi. Gottwald zog nämlich für seinen ersten Krimi zur Freude aller Krimiexperten Chandlers „The Simple Art of murder“ zu Rate. „Besonders erhellend war der Hinweis Chandlers, im guten Kriminalroman werde nicht gedacht, sondern nur geredet und gehandelt“, sagt Gottwald. Auch dass die Handlung nur aus der Perspektive der Hauptfigur erzählt wird, übernahm Gottwald zunächst von Chandler als sein „stilistisches Gerüst.“ Dem ersten Krimi Gottwalds stand nach diesen Anleihen beim Klassiker seinerzeit nichts mehr im Weg, und er spielt „einfach deshalb in Köln, weil ich Köln kenne“. So überzeugt „Tödlicher Klüngel“ besonders durch „Lokalkolorit, ohne jetzt heimatbesoffen zu sein“, findet Gerd Köster.
Das strenge Konzept Chandlers legte Gottwald allerdings in den Folgeromanen ab, der Held Manni aber blieb. Allerdings durfte er jetzt – untypisch für den traditionellen Helden – „ein bisschen denken“. Zudem sollte der Leser „auf jeder Seite zum Schmunzeln gebracht werden“ und damit er nicht lange auf die (erste) Leiche warten muss, wird diese in „Lebenslänglich Pizza“ bereits im zweiten Satz serviert.

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Niemals geht man so ganz…

Zum zehnjährigen Jubiläum des Köln Krimis erschien 1995 mit Marie Marie der vorerst letzte Köln Krimi von Gottwald, der sich nicht auf die Rolle des „Köln Krimi-Lackels“ festlegen lassen wollte. So war die letzte Manni-Thielen-Folge auch eine Verabschiedung von seinem „Baby“, das mit ihm Laufen gelernt habe. „Marie Marie“ bricht mit den formalen Vorgaben des Kriminalromans und stellt als Thriller nicht komplizierte Verzwickungen, die zu einem Mörder führen, in den Mittelpunkt, sondern es gibt ständig „Action, die immer weiter nach vorne geht“. Manni, nun Vater einer fünfjährigen Tochter, hat „tierischen Stress. Er muss so viel Scheiße bauen, dass er aus Köln abhauen muss und nie mehr wieder zurückkehren kann,“ so umreißt Gottwald die Handlung. Kein Leser sollte die Rückkehr von Manni in Erwägung ziehen.
Allein: Niemals geht man so ganz – und auch Manni kehrt doch wieder zurück
Es war kein Leser, sondern Gottwald selbst, der vor zwei Jahren auf die Idee kam, „vielleicht könntest du ja doch noch einmal einen Köln Krimi schreiben.“ Der Emons Verlag nahm die Idee begeistert auf und Gottwalds Stammlektorin schlug in dem Zusammenhang auch die Neuauflage der ersten drei Manni-Thielen-Krimis als Sammelband vor – ein großer Traum für Gottwald, die drei Bände zusammen jetzt „in einem schönen dicken Buch“ .
Ohne viel zu verraten, sei gesagt, dass Manni im neuen Köln Krimi Melatenblond nach 25 Jahren mit einer Mission unter falscher Identität nach Köln zurückkehrt. Seine Mission hängt mit Tochter Marie zusammen, die mittlerweile bei der Kripo arbeitet und ihren Vater für tot hält. Gottwald verspricht ein Wiedersehen mit vielen alten Figuren – aber erst zur Crime Cologne im Alten Pfandhaus im November.

Lesestoff für den Frühling ist gesichert

Ins Alte Pfandhaus werde ich nicht erst für „Melatenblond“ wiederkommen – das vielfältige Programm an Konzerten und Lesungen in tollen Ambiente am Kartäuserwall überzeugt einfach.

Text: Evelyn Maria Denda

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