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Kultur Südkids

Für Schokolade gehen viele eine Extrameile – warum?

Mittwoch, 19. Februar 2014 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Zwei Menschen, die das Schokoladenmuseum prägen. Sie leiten es nicht, sie haben es nicht gegründet und doch sind sie stark mit ihm verbunden. Thomas Schiffer kam über den Zufall, als Aushilfskraft an der Garderobe gearbeitet zu haben. Klaus Schopen „verkauft“ das Museum. Im positiven Sinne – er ist der Museumssprecher. Elke Tonscheidt hat beide Männer gefragt, warum Schokolade so gut an Mann, Frau, Familie und Kinder zu bringen ist.

Wer isst nicht gern Schokolade? Eben. „Das Thema spricht alle Sinne an“, sagt Museumspädagoge Thomas Schiffer. Seit fünfzehn Jahren beschäftigt ihn die braune Versuchung. 2012 hat er „einen dicken Wälzer“ über den Kakao geschrieben und allein dessen Untertitel klingt verführerisch: „Speise der Götter.“ Er selbst muss aufpassen, nicht jeden Tag zuzugreifen. „Ich kann es aber nicht immer vermeiden“, lacht der gemütlich wirkende, 41jährige Kölner, der in Mülheim wohnt.

Als Museumspädagoge hat er andere Aufgaben als Kollege Schopen, manchmal aber stehen auch beide am Mikrofon – zum Beispiel, wenn neue Sonderausstellungen eröffnet werden. Deren Rahmenprogramm hat dann meist Schiffer gestrickt. Dann loben beide ihr Museum öffentlich, nur der Tenor ist anders. Während der Pädagoge über Kinderkurse wie die Regenwaldapotheke spricht, versucht der Öffentlichkeitsarbeiter die Menschen mit Bildern „einzufangen“. Im Interview sagt er später: „Das Staunen, vor einer Mona Lisa zu stehen, hat nach wie vor seine Berechtigung, aber natürlich auch eine viele kleinere Zielgruppe. Wir widmen uns gleichzeitig mehreren Zielgruppen – man kann in 45 Minuten mit einer Führung einen guten Überblick bekommen oder aber auch drei Tage hier verbringen.“

Drei Tage im Schokoladenmuseum?

Ja, sagt Schopen, „zu uns kommen Leute, die interessieren sich zum Beispiel nur für altamerikanische Kunst. Die sind da oben auf noch nicht mal einem Viertel der Ausstellung – und sind begeistert; schreiben uns später, so etwas hätten sie noch nie gesehen.“

Dass das aber nicht den großen Erfolg des Schokoladenmuseums ausmacht, wissen beide. Und da sind wir wieder bei den Sinnen, denn altamerikanische Kunst reißt eben nicht jeden vom Hocker – für Schokolade gehen dagegen Viele eine Extrameile. Auch Schiffer, den es beruflich zwischendurch in andere Museen zog, reizte das Thema so, dass er zurückkehrte in den Rheinauhafen. Und auch sein Buch, das er mit Kollegin Andrea Durry geschrieben hat, spricht davon. Im Nachwort heißt es: „Was das Genießerherz höherschlagen lässt, ist die Gewissheit, dass es immer neue Produktideen geben wird.“  

Was also ist das Erfolgsgeheimnis des größten Schokoladenmuseums der Welt?

Von Schiffer erfährt man: Mit dem Museum sitzen wir mitten in der „Keimzelle der Kölner Schokoladenherstellung“, dem Severinsviertel. Das ist ja schon mal was. Und das ist auch ganz und gar nicht despektierlich gemeint. Und doch fragt man sich, warum es gerade dieses Museum unter die Top 10 der erfolgreichsten deutschen Museen schafft. Rund 650.000 Besucher pro Jahr – das müssen andere erst mal schaffen.

Und „die anderen“ schauen genau hin. Schopen formuliert das so: „Im Endeffekt werden wir von der Kulturszene beäugt.“ Neid? „Genau“, sagt er, „die fragen, warum machen wir das so?“ So. Das „so“ bedeutet: Im Schokoladenmuseum wird nicht einfach „nur“ ausgestellt, hier hat man die Entwicklung zum Erlebnismuseum geprägt. „Auch wenn wir damit heute nicht mehr die Einzigen sind.“

Im Schokoladenmuseum wird der Besucher in das Erlebnis Museum einbezogen.

Die Art und Weise, wie ausgestellt wird, ist also ein Erfolgsfaktor. Genau dafür können Pädagogen wie Schiffer viel tun. Zeitgemäß aufarbeiten, was an Themen rein kommt. Beispiel Regenwald-Ausstellung: Natürlich wird da auch der Kölner Zoo integriert, um dessen Urwald-Bewohner, die transportabel und ungefährlich sind, zu zeigen.
Zum anderen machen die Kölner aber auch darin den Unterschied: „Wir haben ganz viel nicht“, sagt der Museumssprecher und betont das letzte Wörtchen explizit. Das, was eben nicht selbst gemacht wird, wird über Kooperationen abgedeckt. Im Klartext: Man holt sich gute Partner ins Haus, leistet sich dafür aber zum Beispiel keine eigene Forschungsabteilung „in dem Maße, wie es andere haben“.  

Man nimmt den Tourismus ernst…

Was das Schokoladenmuseum dagegen aber „ganz, ganz massiv“ ausspielt, ist die Tourismuskarte. „In manchen Monaten hören Sie hier alle Sprachen, nur kein Deutsch mehr, es sei denn, es sind Österreicher da. Wir haben 140.000 Besucher nur in den Monaten Juli und August gehabt“, verdeutlicht Schopen. Gut, die Nähe zum Kölner Dom ist da nicht gerade nachteilig, aber für genau diesen Standort an der Spitze des Rheinauhafens habe der 2007 verstorbene Museumsgründer Hans Imhoff ja auch hart gekämpft, erinnert er sich. „Heute sind wir auf acht Tourismusmessen vertreten, auf zweien sogar selber“. Schokolade funktioniert in jeder Sprache, Schokolade als Wohlfühlthema.

Schokolade kommt beim jungen Publikum fast von selbst an. Die Besucher von morgen? Vierzig Prozent der Besucher von heute sind Jugendliche und Kinder. Kommen die etwa alle nur, weil sie Süßes lieben? „Ja“, sagt Schopen offen, „es gibt auch Lehrer, die machen mit ihren Schulklassen das Programm „Zwei Stunden Mac Donalds am Dom und dann rennen die Schüler auch einmal bei uns zum Schokobrunnen.“ Aber das sei zum Glück nicht die Regel. Schopen erwähnt die „Stammschulen“, die, deren Schüler sensibilisiert sind. Jugendliche, die sich im Vorfeld mit der gesamten Bandbreite von Schokolade – Anbau, Ursprünge oder Handel von und mit  Kakao – beschäftigen, um zu verstehen, was präsentiert wird.

Dabei spricht der Pressesprecher, selbst Vater von drei kleinen Kindern und seit 22 Jahren in Köln vor Ort, die „dramatische Verdichtung der Schulzeit“ an. Möglichkeiten für Klassenfahrten? Immer weniger. Und dann der Ganztag: Am Nachmittag ins Schokoladenmuseum? „Der Kindergeburtstag findet nur noch am Samstag statt“, fasst Schopen zusammen. Nachmittags unter der Woche um vier laufe hier diesbezüglich nichts.

 

Text: Elke Tonscheidt

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