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Kultur

Fluch und Segen des Ehebruchs: Arno Geigers lesenswerter Roman „Alles über Sally“

Mittwoch, 14. Juli 2010 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Hanser Verlag

Geschätzte Lesezeit: eine Minute

„Der enorme Aufwand an menschlicher Kraft und Phantasie, der für den Sex betrieben wird, ist immer wieder erstaunlich.“ Mit Sätzen wie diesen führt uns Arno Geiger tief in das Liebesleben seiner Protagonisten hinein. Sally ist schon ziemlich lange mit Alfred verheiratet. Sie ist Anfang 50, sportlich und attraktiv. Alfred dagegen gibt ein jämmerliches Bild ab: Nach einem Einbruch im gemeinsamen Haus fühlt er sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher und verbringt den Tag damit zu lamentieren. Ein Symbol für seine Befindlichkeit: Er trägt am rechten Bein einen Thrombose-Strumpf (Alfred hat Krampfadern, die operiert werden müssten).

Den „Aufwand an menschlicher Kraft und Phantasie“ für den Sex betreibt Sally. Sie belügt Alfred, um das Fremdgehen zu organisieren. Aber nach welchen Gesetzen funktioniert der Ehebruch? Warum gerät Sally gerade an Alfreds Freund Erik? Das wehleidige Schwächeln ihres Gatten und sein pessimistisches Wesen sind nicht der Auslöser. Bei Arno Geiger gibt es solche eindeutigen Motive nicht. Vielmehr kündigt sich der Ehebruch in kleinen Momenten an. Da geht es um die Chemie in der Luft, um flüchtige Berührungen, um Gesten und Blicke, die plötzlich eine andere Bedeutung bekommen.

Was Arno Geigers Roman von den großen, klassischen Vorbildern (Madame Bovary, Effie Briest, Anna Karenina) unterscheidet, ist das Fehlen der lebensbedrohlichen oder lebensvernichtenden Krise. Zwar leidet Sally, als die Affäre mit Erik zuendegeht und sie ihre Trauer nicht zeigen darf. Aber Sally hat eben immer noch Alfred. Und Arno Geiger konfrontiert den Leser nicht nur mit dem Ehebruch, sondern auch mit der ungeheuren Tiefe ebendieser Ehe. Mit ihrer Langeweile ebenso wie mit ihrer Kraft, ihrer Dauer, ihren vielen Nuancen und Schattierungen. Die Ehe ist Schutz und Zwang zugleich. Dieses Gefühl dürften viele Leser kennen.

Arno Geiger löst den Widerspruch nicht auf. Es ist angenehm und ein Plus für diesen lesenswerten Roman, dass er sich auf das Beschreiben beschränkt und das Bewerten (oder gar Verurteilen) vermeidet. Mit bewundernswerter Beiläufigkeit erzählt Geiger eine Geschichte von Liebe, Treue und Verrat. Eine Geschichte, die auf die alles entscheidende Frage zuläuft: Was wird aus Sally und Alfred? Wie geht es weiter mit ihnen? Die Antwort ist überraschend einfach – und lässt Leserin wie Leser mit der Frage allein, ob sie/er selbst ebenfalls bereit wären, solch einen „enormen Aufwand an Kraft und Phantasie“ für den Sex zu betreiben – und am Ende die Folgen in Kauf zu nehmen.

Arno Geiger: „Alles über Sally“
Roman. 368 Seiten
Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-23484-0
21,50 Euro

 

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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