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Südstadt

Gerti Zollings Schatzkartons

Mittwoch, 5. Oktober 2016 | Text: Lisa Stiemer | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Meist streifen die Vorbeigehenden ungeachtet an ihnen vorüber. Aber es gibt sie noch: Diese Läden, die ein wenig aus der Zeit gefallen sind und dadurch ihren Charme bewahrt haben. Auch Gerti Zollings Schuhgeschäft in der Alteburger Straße 14 gehört zu diesen Läden.

Kleines Schaufenster, schmaler Eingang. Hier treffen sich Farben wie beige, braun oder eierschale mit schwarz und blau. Die Auslage der Schuhe wird durch eine braune Holzfassung eingerahmt. Im oberen Teil des Schaufensters, direkt auf der Glasscheibe angebracht, ein weißes Schild mit grüner Schrift: „Der gesunde Schuh“. Darunter, in kursiv: „Zolling“. Hinter dem Schild leuchtet eine Deckenleuchte. Eine von diesen Lampen, die früher in jedem Klassenraum hing.

In der Auslage: Halbschuhe, Hausschuhe und Sandalen. Im Schuhgeschäft selbst noch Fußpflegeprodukte und Kartons mit Echtleder-Schuhen aus allen Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg. Dazwischen Gerti Zolling, 81. Sie berät ihre Kunden mit mehr als 40 Jahren Erfahrung im Orthopädie- und Gesundheitsschuhbereich. Hier kann der Plausch dauern, denn Gerti Zolling kennt die Südstadt in- und auswendig. Seit 50 Jahren wohnt sie hier. Den Laden öffneten die Schwiegereltern 1935, seit 1955 liegt er in der Alteburger Straße.

Damals arbeitete Gerti Zolling noch bei ihren Eltern, in einer Kaffeerösterei auf der Ehrenstraße. Ihr Mann, gelernter Schuh- und Orthopädieschuhmacher, führte das Geschäft allein. Erst in den 70er-Jahren wechselte auch Gerti Zolling in den Laden. Im vorderen Teil wurde die Kundschaft bedient, im hinteren Teil des Ladens befand sich die Werkstatt, in der Herr Zolling Maßschuhe anfertigte. Nach dem Tod ihres Mannes 1984 stellte Frau Zolling einen Angestellten für die Herstellung der Maßschuhe ein, doch auch das nahm in den 90er-Jahren sein Ende. Seither führt die heute 81-jährige den Laden allein.

Zur Kundschaft gehören überwiegend ältere Leute, aber auch junge Leute kommen her, hauptsächlich wegen der Birkenstock-Sandalen. Einen richtigen Saisonausverkauf gab es nie, weshalb in den alten Schuhschachteln noch Schätze ruhen.

Und das erlebt die Kundin Monika Harings gerade selbst. Sie ist auf der Suche nach einem Schuh für ihre Mutter, die im Pflegeheim lebt. Ein hochwertiger Schuh soll es sein, am besten ein Gesundheitsschuh. Frau Zolling greift in die Regale und zeigt Frau Harings verschiedene Modelle. Warum sie gerade in dieses Schuhgeschäft kommt? Sie wohne um die Ecke, sagt sie, und sie habe schon immer ein Auge auf den Laden geworfen.

Außerdem gibt es nur wenige Schuhe dieser Art in Schuhläden, und im Internet will sie nicht kaufen. „Das muss man ausprobieren und fühlen“, meint sie. Monika Harings schaut sich um und bekräftigt: „Wie toll, dass es noch so einen Laden gibt“. Nach einigem Probieren ist der passende Schuh für die Mutter gefunden. Die richtige Größe muss bestellt werden. Frau Zolling greift zum Telefon, einem Modell aus den 90er-Jahren und macht die Bestellung fix.

Die Kundin hat bis dahin schon einen weiteren Schuh in der Hand. Eine Sandale mit sommerlichem Motiv – diesmal für sie selbst. „Man kommt ja gar nicht auf die Idee, dass man hier so einen witzigen Schuh findet“, freut sich Monika Harings.

In den vielen Jahren in der Alteburger Straße ist einiges passiert in dem kleinen Laden. Stammkunden, Freunde aus der Nachbarschaft und sogar die Müllmänner kamen schon auf einen Kaffee vorbei. Frau Zolling zeigt Bilder von sich und dem Laden. Auf einem ist ihr Hund zu sehen. Sie lacht und erzählt die Geschichte eines Jungen, der regelmäßig in das Schuhgeschäft kam. Nicht um mit Frau Zolling zu plaudern. Sondern um mit dem Hund sein Pausenbrot zu teilen.

Auch ein Filmteam drehte schon mal eine Szene für einen Kinofilm in ihrem Laden. In Erinnerungen schwelgend erzählt sie später von eine Kundin, die ihrer Enkelin einen noch viel zu großen Schuh schenkte, weil er einfach so schön war. Auch die Enkelin war hin und weg von dem Modell und trug ihn, obwohl ihre kleinen Füße noch sehr viel Platz im Schuh hatten. Viele solcher Geschichten könnte sie erzählen.

Wahrscheinlich ist es dieser starke Bezug zur Nachbarschaft, der das Aufhören so schwer macht. „Eigentlich wollte ich ja Ende diesen Jahres den Laden schließen“, erzählt sie. Aber dann schüttelt sie nur den Kopf. Der Südstadt wird der Laden und auch Gerti Zolling wohl noch auf unbestimmte Zeit erhalten bleiben.

Text: Lisa Stiemer

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