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Glaube

„Ich bin doch nicht rechts! Ich bin doch nur konservativ.“

Donnerstag, 27. Februar 2020 | Text: Isabell Knief | Bild: Stefan Rahmann/unsplash

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

„Gott will es“ titelt ein AfD-Kreisverband, der mit einem Jesusbild für sein politisches Programm wirbt – und Amtsträger der CDU und Kirchen distanzieren sich. Doch nicht alle ziehen die Grenzen so klar, wenn es um den Unterschied zwischen Konservatismus, Christentum und neuen Rechten geht. Über 60 Besucher waren in die Melanchthon-Akademie gekommen, um bei der Veranstaltung „Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirche unterwandern“ darüber zu diskutieren, mit welchen Mitteln neue rechte Strömungen versuchen, die Religion für sich zu vereinnahmen.

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Das Podium teilten sich an diesem Abend zwei Gäste, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten. Die Publizistin und Juristin Dr. Liane Bednarz sprach über Strukturen und Personen der rechten Szene und gab tiefe Einblicke in die Strategien der neuen Rechten. Arnd Henze nahm den Blickwinkel der Gemeinden ein. Der Theologe und Journalist war jahrelang Moderator der Diskussionen im Dellbrücker Forum an der evangelischen Christuskirche, bei denen aktuelle Themen aufgegriffen wurden. Er beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Kann Kirche Demokratie?“ mit den aktuellen Herausforderungen für den Protestantismus.

Die Rhetorik verändert sich

Bednarz beschrieb sich selbst als konservativ. Ihr war es ein Anliegen, die Unterschiede zwischen rechtem und konservativem Denken an diesem Abend aufzuzeigen. Sie habe in ihrem eigenen Umfeld miterlebt, wie sich die Rhetorik konservativer Bekannter in den letzten Jahren verändert habe. In ihrem Vortrag zeichnete sie Entwicklungen seit der Weimarer Republik nach, ging auf Schlüsselfiguren wie Armin Mohler ein und entlarvte aus ihrer Sicht „die nationalistischen, völkischen und menschenfeindlichen Positionen einer neuen Rechten“, die sich damals wie heute aus strategischen Gründen als konservativ bezeichne.

Konservatismus pflegt Erinnerungskultur

„Rechtes Denken fußt im Grunde auf drei Säulen: Antipluralismus, Antiliberalismus und Ethnopluralismus“, machte Bednarz deutlich. Ethnopluralismus bedeutet aus Sich der Rechten die „Reinhaltung“ von Staaten und Gesellschaften von anderen „Ethnien“. Konservatismus verteidige, so Bednarz, Werte wie Familie und Nation, verstehe diese jedoch nicht als ausschließend, sondern als durchaus offen. Und auch der Umgang mit der eigenen Geschichte unterscheide sich grundlegend: „Konservatismus pflegt dezidiert eine Erinnerungskultur – im Gegensatz zu Rechten“.

Grenzen der Lager verschwimmen

Und trotzdem ähnelten sich Symboliken und Formulierungen von konservativen Christen und Rechten, die Grenzen beider Lager würden in den vergangenen Jahren immer mehr verschwimmen. Die neuen Rechten inszenierten sich gezielt als konservativ und christlich, so Bednarz. Sie begründeten ihre menschenfeindlichen Aussagen mit Bibelstellen, beriefen sich auf konservative Werte und würden durch diese Strategie Zulauf in bürgerlichen Milieus gewinnen. Die Wahlerfolge der AfD sprächen für sich.

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Dass die CDU stärker in die bürgerliche Mitte gerückt sei, hat laut Bednarz diese Entwicklung zumindest nicht verhindert. Ist die AfD also eine neue Partei für konservative Politik? „Wir müssen uns von der Illusion befreien, dass bürgerliche Sprache heißt, dass die Positionen gemäßigter werden“, machte Arnd Henze deutlich. Selbstverharmlosung sei eine Taktik von Rechtspopulisten und der neuen Rechten: „Sie ist mit dieser Strategie, bürgerlich zu sein, leider sehr, sehr erfolgreich“, konstatiert Henze.

„Hausaufgaben als Kirche machen

Der Theologe beleuchtete in seinem Vortrag auch die Anfälligkeiten von Christen und Christinnen für autoritäres, nationalistisches und ausgrenzendes Denken. Henze forderte, dass sich die Kirche mehr mit den blinden Flecken ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen und rechtspopulistische Tendenzen in den eigenen Reihen stärker angehen müsse. Auch die kirchlichen Gemeinden seien stärker gefragt. „Wir müssen unsere Hausaufgaben als Kirche machen. Wir haben Anfälligkeiten, aber auch Ressourcen.“ Für den Theologen stand fest: „Es nutzt nichts, diese Gefährdung zu beklagen und zu bejammern – die Kirchen benötigten einen Lernprozess, um wieder sprechfähig zu werden.“ Es gehe auch darum, den öffentlichen Raum wieder stärker zu besetzen. Das betreffe die Kirchengemeinden ebenso wie die Zivilgesellschaft.

Protest gegen Franklin Graham

Als Henze berichtete, dass Franklin Graham beim „Festival of Hope“, einem evangelistischen Groß-Event in der Lanxess-Arena, auftreten wird, regte sich im Publikum Empörung. Der Evangelikale Graham ist für seine homophoben und islamfeindlichen Predigten bekannt. Etliche Veranstalter luden ihn in Großbritannien wegen großer Proteste wieder aus. Das Publikum war sich an diesem Abend einig, dass der Besuch Franklin Grahams einen guten Anlass böte, aufzuklären und Haltung zu zeigen. Denn letztlich müssten sich alle die Frage stellen: Wie gehen wir damit um, als liberale, als weltoffene Gesellschaft in Köln?

Text: Isabell Knief

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Kommentare

  • Andersdenker sagt:

    Eines vorweg: ich verstehe mich selbst nicht als politisch rechts, aber selbst wenn ich es wäre, würde mein Kommentar nicht anders ausfallen. Auch wenn es manche kaum aushalten können: politisch rechts zu sein ist genauso wenig strafbar wie Rassismus, das Ablehnen des Islam, Ablehnung von Homosexualität oder das Befürworten von Selbstschussanlagen zur Verteidigung des „antifaschistischen Schutzwalls“ in Berlin zur Zeit des Kalten Krieges. Eine Demokratie, die sich wirklich als solche versteht, kann und muss das aushalten. Was sie nicht aushalten muss, steht im Strafgesetzbuch. So funktionierte es seit über 4 Jahrzehnten erst in Westdeutschland und über zweieinhalb Jahrzehnte im wiedervereinigten Deutschland.

    Seit ein paar Jahren gerät dieses Grundverständnis jedoch ins Wanken. Eine selbsternannte gesellschaftliche Mehrheit (deren Bestandteile nahezu ausnahmslos auf Seiten der politischen Linken stehen) will definieren, was noch legitim ist und was nicht. Man gewöhnt sich einen Duktus an, der Orwells Dystopie „1984“, in dem u.a. um „Gedankenverbrechen“ geht, unausgesprochen um das Delikt „Haltungsverbrechen“ erweitert (Goebbels würde vor Vergnügen in die Hände klatschen. Ebenso Stalin, Mao und Kim Jong-un).

    Der abgedruckte Text stößt von der Überschrift bis zur letzten Zeile und der Bildauswahl in die o.g. Richtung.
    Es lohnt sich nicht, ihn detailliert zu kommentieren, weil sein Inhalt so vorhersagbar ist wie Kommentare in den Tagesthemen oder im Radio: Die Schwefelpartei, die Manchen ein geheimer Widergänger der NSDAP scheint (freilich ohne deren Kernmerkmale), ködert die doofen Wähler mit pseudokonservativen Parolen (die bei ehemaligen Unions- und SPD-Wählern offensichtlich gut ankommen), worauf die wahren Menschenfreunde sich zusammentun, um dem Übel zu widerstehen. Soviel Gratismut und eingebildetes Heldentum im Kampf gegen den Scheinriesen war selten. Konservativismus wird auf den Niedlichkeitsfaktor ‚Mama‘ reduziert, die regelmäßig Verwandtschaftstreffen arrangiert, aber im Grunde zur linksgedrehten ‚Mitte‘ gehört. Womit klar ist, dass ‚Rechts‘ das Reich Mordors herrscht. Und natürlich verstellt sich Mordor, gibt sich harmlos und freundlich, während man selbst auf der richtigen Seite der ‚Zivilgesellschaft‘ steht (was immer darunter zu verstehen ist). Eine ähnliche Polarisierung gab es zuletzt in der DDR (die für Bodo Ramelow kein Unrechtsstaat gewesen ist), nur dass dort der Rechte als ‚Klassenfeind‘ betitelt wurde. Wer in Verdacht geriet, ihm zuzuarbeiten oder nicht die richtige Haltung zu zeigen, wurde denunziert. Gibt es deshalb das ‚Meldetelefon gegen Rechts‘ ausgerechnet in Köln? Was tut man nicht alles, um beständig den Endkampf ‚Gut gegen Böse‘ heraufzubeschwören.

    Was ist nur aus diesem Land geworden? Wer die Geschichte des 20 Jh. studiert hat, findet sich schnell an alle modernen Varianten des Totalitarismus erinnert. Übrigens fast immer unter dem Deckmantel der „liberalen, weltoffenen“ Gesellschaft, obwohl die Widersprüchlichkeit evident ist.

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