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Kultur

„In Düsseldorf lebt man gern großspurig“

Dienstag, 7. April 2015 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Elke Tonscheidt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Klar hätte Filmemacher Florian Siebert sein Drehbuch auch auf Köln, DIE Filmstadt, ausrichten können. Vermutlich hätten sich die Südstädter bedankt: Gerade sind die Dreharbeiten für den Tatort vorbei, rücken schon wieder neue Künstler an… Auch seine Themen, die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und der Wandel alteingesessener Stadtviertel, hätten wie die Faust aufs Auge auf die Südstadt gepasst. Hätte, hätten. Und auch wenn Florian Köln schätzt, so bevorzugt er doch „das besondere Spannungsfeld“ in Düsseldorf. Warum und wie brisant das Thema auch weiter nördlich des Rheins ist und dass die Landeshauptstadt unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet – das erklären er und Schauspieler Dieter Brandecker im Interview mit Elke Tonscheidt.

Meine Südstadt: Florian, Du bist selbst aus einem Düsseldorfer Viertel vertrieben worden. Scheiß Gefühl, oder?
Florian: Und wie. Wir mussten unser komplettes Büro räumen, weil ein ganzer Hof mitsamt umliegenden Gebäuden in Appartements des „gehobenen Segments“ umgewandelt wird.

Ein Paradebeispiel für „Altes Arbeiterviertel wird ‚in‘ und also umgebaut“?
Florian: Genau, nach der Durchmischung in den 90ern mit Migranten, Beamten, Künstlern und ihren Galerien, Selbständigen und Besserverdienern, greifen nun finanzstarke Investoren massiv in die natürliche Entwicklung ein: Unser Hof war einer der identitätsstiftenden Orte des Viertels mit Kreativen, einem unabhängigen Theater, einem kleinen Fitnessstudio, einer Frauenberatungsstelle und einem sehr beliebten Club. Dort hab ich auch meine Frau kennengelernt.

Was passiert, wenn Menschen sich sozial nicht mehr verorten können?
Florian: Wenn es wirklich soweit kommt, dass sich Menschen sozial nicht mehr verorten können, kann es passieren, dass Risse in der Gesellschaft entstehen. Das sehen wir aktuell an Phänomenen wie Pegida oder Kögida oder der polarisierenden Asyl-Debatte. Viele Menschen haben Angst abzustürzen, finanziell nicht mehr gesichert zu sein. Und dann nicht mehr dazu zu gehören. Ob in Düsseldorf, Köln oder sonstwo. Als Gegenreaktion schürt die Angst bei einigen den Drang, andere auszuschließen, damit man selbst zugehörig bleibt.

Dein Film soll den Einfluss internationaler Finanzkonzerne auf das städtische Wohnen aufspießen, warum?
Florian: Weil schönes, bezahlbares Wohnen heute kein gemeinsames, selbstverständliches Gut mehr ist. Der Wohnungsmarkt hat sich von der breiten Masse der Bevölkerung entfremdet.

Dieter: Das ist es, genau: Menschen werden an den Rand gedrängt, müssen aus ihren Vierteln raus, weil sie es nicht mehr bezahlen können. Schönes, Altes wird niedergerissen, um die platt gemachten Grundstücke mit völlig gleichförmigen Gebäuden zu bestücken. Auch Köln ist voll von diesen verrückten Neubauten.

Heißt konkret?
Florian: Auswärtige, meist internationale Unternehmen attackieren die natürliche soziale Entwicklung eines Stadtteils durch den Bau exklusiver Luxus-Appartements oder sogar ganzer Luxus-Siedlungen, teilweise mit Pförtnern, welche die, die nicht dazugehören, abhalten sollen. Viele davon sind Spekulationsobjekte bzw. Statussymbole.

Sprich: Schönes Wohnen steht nicht mehr allein im Zentrum…
Florian: …sondern erkaufter Status auf der einen und Kontrolle und Einfluss auf der anderen Seite, genau.

Dieter: Mit absurden Situationen: Stadtviertel, in die Menschen mal gezogen sind, weil sie als Lebensraum bewusst die Mischung aus Leuten mit großem und kleinem Portemonnaie haben wollten, mutieren zu etwas ganz anderem. Die, die es sich nicht mehr leisten können oder wollen, ziehen weg. Vielleicht mieten sich die neuen Siedlungen demnächst Künstler, die dann täglich diese Orte besuchen, um wieder Leben rein zu bringen…

 

Warum Düsseldorf als Kulisse – warum nicht Köln?
Florian: Köln ist abgegraster. Traut man Düsseldorf einen Film Noir zu? Ich liebe dieses besondere Spannungsfeld hier: Düsseldorf ist keine der international bekannten Millionenstädte, und doch verschwindet die Stadt nicht unter dem Radar – national wie international.

Wie meinst Du das?
Florian: Düsseldorf will oft mehr sein und mehr haben, als die Stadt ist und kann. Hier herrscht eine enorme Schizophrenie, ein idealer Nährboden für meinen Film Noir. Viele Abgründe; viel Skurrilität.

Dieter: Ganz dubios wird es, wenn Mieter ihre Vermieter nicht mehr kennen, weil z.B. ausländische Banken Gebäude aufkaufen und dann Ansprechpartner sind, ohne wirklich da zu sein. Wie Kraken, die weltweit alles kapern, was sich zu Geld machen lässt.

Fühlt sich Düsseldorf minderwertig?
Florian: Ja, man lebt hier gern großspurig. Gerade wegen dieses Minderwertigkeitskomplexes ist Düsseldorf meine Stadt, wo ich eben genau solch spannenden Geschichten finde.

Hauptfigur sollst Du, Dieter, sein und einen gescheiterten Detektiv spielen…
Dieter: Natürlich wäre ich auch als Kölner Detektiv vorstellbar, manche kennen mich vermutlich ohnehin aus Soko Köln oder dem Tatort. Die Südstadt hätte auch gut gepasst, da habe ich das 1. Mal schon in den 80ern gedreht, mit Walter Giller. Als Düsseldorfer freue ich mich jetzt aber darauf, in die Düsseldorfer Korruption einzusteigen…

Florian: Dieter ist „mein“ emotionaler Träger. Er passt total vom Typ zu dieser Figur, vermittelt auch privat aus vielen desillusionierenden Entwicklungen der heutigen Zeit heraus einen Spürsinn und einen investigativen Antrieb, der ja auch die Hauptfigur Fred Schilling auszeichnet.

Dieters Stimme kennt man, wann immer z.B. VOX einen Trailer bringt, steckt meistens seine Stimme dahinter…
Florian: Genau. Und: So etwas gibt es kaum im deutschen Film. Das ist die Stimme eines enttäuschten, rauchenden, trinkenden Detektivs, der sich „die da oben“ mal vorknöpft.

Danke für das Gespräch!

„Der Letzte Schilling“ ist als moderner Film Noir konzipiert, in dem Privatdetektiv Fred Schilling nach dem verschwundenen Politiker Max Behrens sucht und dabei seine eigene, düstere Vergangenheit ausgräbt. Die Einsamkeit lastet schwer auf Schilling. Er ist ein Rastloser auf der Suche nach Geborgenheit in der sich wandelnden Stadt Düsseldorf. Die Ermittlungen führen Schilling in das Spannungsfeld zwischen Kunstszene, Rotlichtmilieu und Landespolitik. Dabei stößt Schilling auf Erkenntnisse, die seine Leidenschaft wieder erwecken und ihn antreiben, sehr tief zu graben, bis schließlich das Schicksal der ganzen Stadt in seinen Händen liegt.

Einen Qualitätsstempel hat das Projekt schon durch die Drehbuch-Förderung der Filmstiftung NRW bekommen. Derzeit läuft ein Crowdfunding:  www.startnext.com/der-letzte-schilling

 

Mehr im Netz
www.DerLetzteSchilling.de

 

Text: Elke Tonscheidt

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