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Kultur

„In einer Szene geht´s eigentlich nur um Scheiße“

Mittwoch, 2. Mai 2018 | Text: Evelyn Maria Denda | Bild: Justin Dörpinghaus

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„Es ist ein Privileg, den Ausführungen eines solchen Ausnahmetalents lauschen zu dürfen“, spricht der Chor aus dem Stück „Homo empathicus“ – im Trailer für die Abschlussinszenierung des Sommersemesters 2018 der Theaterakademie Köln. Ein besonderes Privileg ist für mich, trotz der heißen Probenphase wenige Tage vor der Premiere von „Homo empathicus“, dabei sein zu dürfen. Tim Mrosek und Nicole Patt haben sich nämlich die Zeit genommen, mir meine Fragen zu beantworten.
Nicole Patt, Jahrgang 1992, gehört zu den diesjährigen Absolventen der Theaterakademie Köln (TAK), einer privaten, staatlich anerkannten, berufsbildenden Schauspielschule im Veedel, am Sachsenring 73A. Sie bildet junge Schauspieler für Bühne, Film und Medien aus und wirkt zunächst teuer: etwa 500€ monatlich kostet die Ausbildung, macht knapp 3000€ pro Semester. Dafür aber fallen nicht wie woanders teilweise hohe Prüfungsgebühren und sonstige Kosten an, und: Die Ausbildung ist sehr vielseitig. Tim Mrosek, Dramaturg, freier Regisseur und Dozent an der Akademie, führt bei Homo empathicus, im Original ein Stück der deutschen Dramatikerin Rebecca Kricheldorf, erstmals Regie in einer Inszenierung der TAK. Gemeinsam mit den jungen Theaterschüler*innen hat er die Dramaturgie des Stücks neu bearbeitet.

„DEN schönsten Moment gab es nicht“

Werfen wir mit Nicole einen Blick zurück auf die Ausbildungszeit, erzählt sie begeistert, dass es „den schönsten Moment“ nicht gab, „vielmehr hat sich die Ausbildung aus vielen solcher Momente zusammengesetzt.“ Endgültig gemerkt, dass sie hier genau richtig ist, hat sie im fünften Semester mit der Einführung der Start-UP AG. Das ist eine AG, die sich mit der Aufnahmeprüfung an der Theaterakademie beschäftigt und den Fokus neben der schauspielerischen Praxis auf die organisatorischen Aspekte des „Bühnen-Lebens“ legt. Dass die Anteile von Schauspiel-Praxis und Organisation hinter der Bühne in dieser Ausbildung gleichwertig sind, macht für Nicole eine Besonderheit der Theaterakademie Köln (TAK) aus. So sei sie ideal auf ihren Berufseinstieg vorbereitet, den sie als ein „Misch zwischen auf und hinter der Bühne“ gestalten wolle. Nach der Abschlussinszenierung steht auch schon direkt ein neues Projekt an – Nicole wirkt bei der Produktion ‚Clash‘ – Körper der Kulturen im Rahmen des Sommerblut-Festivals mit. Auf der Bühne ist sie nicht auf einen bestimmten Rollentyp festgelegt, wobei es ihr „wahnsinnig Spaß“ mache, den nicht-sympathischen Typ zu verkörpern. Die ‚böse Person‘, „weil man sich hier besonders gut fragen kann, wo die Sympathien mit der Person sind und wieso sie so geworden ist“, so Nicole. Dann müsse man eben auf der Bühne aushalten, dass man nicht geliebt werde, so Nicole. Bis zur Premiere liegen allerdings noch intensive Proben vor Nicole und ihren Kolleg*innen, „10 bis 12 Stunden am Tag, wenn nötig, auch 24/7 – so lange, bis es perfekt ist“, beschreiben mir Nicole und Tim den kommenden Probenalltag.

„Für manche Rollen muss man den kompletten Körper umschmeißen“

Dass die Wahl für das Abschlussstück auf Homo empathicus gefallen ist, lag nicht nur daran, dass die Gruppe etwas Zeitgenössisches inszenieren wollte. Entscheidend war auch, dass in diesem Stück für alle Darsteller qualitativ gleichwertige Auftritte möglich sind. Mit mehr als 25 Rollen in der Ursprungsfassung eignet sich Homo empathicus besonders für die Gestaltung von Doppelrollen und auch für Arbeiten jenseits von festgelegten Geschlechter-Rollen. So spielt zum Beispiel Nicole drei verschiedene Charaktere. Bei der Erarbeitung der Rollen sei wichtig für sie, dass „jede Rolle authentisch und natürlich wirken soll, aber doch körperlich und stimmlich sehr persönliche Eigenschaften von mir selbst trägt, damit ich mit der Rolle verbunden bleibe. Besonders spannend ist es, von Szene zu Szene auf die nächste Rolle zu wechseln, wofür man manchmal den kompletten Körper umschmeißen muss“, berichtet sie.

„Ein Stück über eine Gesellschaftsordnung, in der so einiges schief läuft“

Homo empathicus zeigt, „was schief läuft, wenn man sich zu sehr auf bestimmte Ideale verlässt und zu obrigkeitsgläubig ist. Diese Obrigkeitsgläubigkeit ist auch ein Problem, das wir heute haben“, fasst Tim die gesellschafts- und sozialkritische Ausrichtung des Stücks zusammen. Herausfordernd sei hier besonders der Umgang mit „hehren Idealen und Werten. Wir treiben sie auf die Spitze und überprüfen, ob so eine Gesellschaft funktionieren kann“, so Tim. Gefährlich und gleichzeitig interessant sei für ihn die kritische Frage des Stücks nach Individuum und Gruppe. „Da wir in einer Zeit leben, die bedingungslos an das Individuum glaubt, ist es interessant zu schauen, wie es in einer Gesellschaft läuft, in denen das Individuum zu einem gewissen Grad aufgelöst wird und dann wieder super ernst genommen wird. Diese Mischung führt dazu, dass die Menschen in dem Stück relativ zerrissen sind“, so Tim.

„In einer Szene geht’s eigentlich nur um Scheiße“

Im Stück kontrollieren sich Individuum und Gemeinschaft gegenseitig. „Blockwartfiguren achten darauf, dass du gesellschaftskonform sprichst, gesellschaftskonform isst und gesellschaftskonform abführst – so gibt es eine längere Szene, da geht’s eigentlich nur um Scheiße“, gibt Tim einen inhaltlichen Ausblick. „Die Kontrolle, die hier auf die Bühne kommt, mutet zuweilen diktatorisch an, wobei die übergeordnete Ebene in dem Stück fehlt: Man weiß gar nicht, was das eigentlich für eine Regierung ist“, ergänzt er.

„Als Schauspieler brauchst du immer alles, was dein Körper zu bieten hat“

Von Hindernissen, die sich während der Erarbeitung des Stücks ergeben, spricht Tim nicht, vielmehr sieht er sie als spannende Herausforderung, denn „an einer Inszenierung ist das allerwenigste Kunst, Kunst ist das, was am Ende vielleicht dabei herauskommt. Es ist viel Handwerk, viel harte Arbeit, viel logistische Arbeit. Und dann viel handwerkliche und psychologische Auseinandersetzung mit dem Stück und mit den Rollen.“, stellt er fest. Auch Nicole erlebt die Arbeit mit und an den verschiedenen Rollen als eine spannende Aufgabe, bei der es zum einen darum geht „wie schaffe ich es, dass das transportiert wird, was ich auch transportieren will und welche Gefühle will ich eigentlich mit dieser Figur auslösen, welche Gedanken verbinde ich mit ihr und welche Gedanken können andere mit ihr verbinden.“ Zum anderen ist es für das Ensemble wichtig, dass „die Rollen gut verteilt sind, die Körper gut miteinander funktionieren, ohne dass man sich gegenseitig auf die Füße tritt,“ weiß Nicole.

„Jeder kann seine eigene Botschaft des Stückes finden“

Homo empathicus tritt nicht mit einer vorab definierten Botschaft an, vielmehr kann und darf die jeder Zuschauer für sich selbst entdecken. Gelegenheit dazu ist nach der Premiere am 02. Mai noch in weiteren Aufführungen vom 03. bis 06.05., jeweils um 20 Uhr in der Studiobühne. Um Kartenreservierung unter http://studiobuehnekoeln.de/kalender/homo-empathicus-2/ oder telefonisch unter 0221/4704513 wird gebeten.

Text: Evelyn Maria Denda

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