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Gesellschaft

Kat 18 – Die Idylle ist bedroht!

Dienstag, 23. Juli 2019 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Es gibt sie noch, die beschaulichen Ecken in der Südstadt, die ruhigen Hinterhöfe, in die der Lärm des Veedels niemals dringt. Und wenn man dort auch noch bezahlbar wohnt, ist das Glück perfekt. So wie über zwei Jahrzehnte im Wohnprojekt Kat 18 am Kartäuserwall gegenüber der Post. Doch die Idylle ist bedroht. Das Theater der Keller soll dort untergebracht werden. Die Eigentümerin des Gebäudekomplexes, die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), hat die Mietverträge aller Werkstätten und Gewerberäume im Hinterhof gekündigt. Deren Mietpreisbindung ist ausgelaufen. Nun fürchten die Mieter der Wohnungen, dass ihnen ein ähnliches Schicksal droht. Oder eine Erhöhung der Mieten, die sich nicht mehr bezahlen können. „Unser Gegner ist nicht das Theater der Keller. Unser Gegner ist die LEG“, sind sich Maria, Birgit und Marcel einig. Sie sind Mieter von Wohnungen im Hinterhof. Maria hat zudem noch die „Kulturhalle“ gemietet, in der sie leise Aktivitäten wie zum Beispiel Tai Chi und Stimmbildung anbietet.

Marias Raum, in dem sie Workshops anbietet.

Der Designer und Medientechniker Marcel hat gegenüber sein Büro. Werden sie dort wohnen bleiben? Sie wissen es nicht. Die LEG hüllt sich in Schweigen. Und dieses Schweigen deuten die Mieter alles andere als positiv.

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2008 hat die nordrhein-westfälische CDU-FDP-Landesregierung die vormals landeseigene LEG verkauft und damit die Kontrolle über damals 93 000 Wohnungen aufgegeben. Käufer waren die von der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs aufgelegten Whitehall Real Estate Funds. Goldmann Sachs ist – vorsichtig formuliert – nicht für soziales Engagement bekannt. „Wir befürchten Luxussanierungen“, sagtMaria. Sie war dabei, als am 18. Juli 1980 das Gebäude Kartäuserwall 18 besetzt wurde. Einige ehemalige Stollwerck-Besetzer und andere Leute wollten das über Jahrzehnte leer stehende Gebäude als Wohnraum nutzen. Lange Jahre vorher gehörte das Grundstück Kartäuserwall 18 zu einem großen Brauhauskomplex. Auch das benachbarte Haus Balchem war Teil des Ensembles. Die Besetzer, von denen einige vorher bei der Stollwerck-Besetzung dabei gewesen waren, erhielten zunehmend Unterstützung aus der Nachbarschaft und schließlich auch aus Politik und Verwaltung.

Einige Wohnungen sind den früheren Besetzerhütten nachempfunden.

Am Ende schlossen die Besetzer Mietverträge für Wohnungen und Gewerberäume mit der Eigentümerin LEG, die das Haus gekauft hatte. „Wir wollten preiswerte Wohnungen, Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze unter einem Dach vereinen“, erinnert sich Maria. „Und wir wollten auch das kreative Potenzial nutzen, das innerhalb der Besetzer über Jahre entstanden war, um das Veedel mit einem sozialkulturellen Schwerpunkt zu bereichern.“ Um zu verhandeln, haben die Besetzer damals den Verein „Kartäuserwall 18 Selbsthilfeprojekt e.V.“ gegründet, der bis heute besteht. Der Verein verfügt über 14 Wohnungen, eine Kultur-Halle, eine Holz- und eine Fahrradwerkstatt sowie einen sogenannten „FLTI“ ausschließlich Raum für „Frauen, Lesben und Transinter“, der der nicht von Männern betreten werden darf. Das Besondere: Die Vereinsmitglieder wählen die Mieter aus. Da darf ihnen niemand reinreden.

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Jahrelang war die „Hausgemeinschaft stabil und homogen, weil niemand freiwillig die Idylle verlassen wollte. Aber jetzt kommt es vor, dass Mieter sterben. Maria weiß: „Hausbesetzer leben in der Regel nicht gesund und sterben früh.“ Die vermeintliche Mitte der Gesellschaft bildet die Mietergemeinschaft sowieso nicht ab. „Wir haben hier Rentner, Kranke, Psychopathen, Sozialhilfeempfänger. Und Menschen aus vielen Nationen“, fasst Birgit zusammen, die in einer Wohnung mit Mann und Kind lebt. Einmal im Monat trifft sich die bunte Truppe zu einer Hausversammlung, um die Dinge zu besprechen, die anstehen. Jetzt eben zum Beispiel der geplante Einzug des Theaters der Keller. Maria, Marcel und Birgit lehnen den rigoros ab.

Die Mietverträge für die Gewerberäume wurden gekündigt.

„Es ist einfach voll hier“, sagt Marcel und verweist auf die Besucherzahlen des Theaters. „Da kommen jeden Abend 50 bis 150 Zuschauer. Da bricht hier das Chaos aus, wenn die parken wollen. Dann haben die ja auch noch die Schauspielschule mit Publikumsverkehr. Beim Kat 18 handelt es sich in erster Linie um ein Wohngebiet. Die Gebäude sind nicht für Veranstaltungen geeignet.“ Auch wenn von den Theaterleuten zugesagt worden sei, dass die Aufführungen in einer sogenannten „Schallbox“ fast unhörbar stattfänden, löse das das Problem mit dem Publikumsverkehr nicht.

Die Fahrrad-Werkstatt im Hinterhof.

Birgit verweist auf die Einzigartigkeit der Gebäude. „Es wäre wirklich schade, wenn das hier wie alles privat vermarktet würde.“ Einige Wohnungen sind zum Beispiel den damals von den Besetzern auf den Dächern gebauten Hütten nachempfunden. Kat 18 macht jetzt mobil. Kürzlich haben die Mieter bei einem Hoffest auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Am Samstag, 3. August, versammelt sich Mieter und Gewerbetreibende um 11 Uhr auf dem Chlodwigplatz. Dann soll auch die Nachbarschaft für das Anliegen der Kat-18.Bewohner mobilisiert werden.

Am 20. Mai 1980 begann die bis dahin größte Hausbesetzung, die Köln bisher erlebt hatte. 600 Aktivisten besetzten die ehemalige Stollwerck-Schokolandenfabrik. 49 Tage dauerte die Besetzung. Die Besetzer waren mit Schlafsäcken angerückt und hatten sich sehr schnell verbarrikadiert. Eine Räumung war wegen der großen Zahl der Besetzer nicht möglich. Die stammten nicht nur aus Köln. Aus der gesamten Bundesrepublik waren Mitglieder der Hausbesetzer-Szene angereist. Politik und Verwaltung wurden von der Besetzung überrumpelt. Schließlich einigte man sich mit den Besetzern auf die Räumung des Geländes, die Fortsetzung des Bebauungsplanverfahrens unter Beteiligung betroffener Bürger und die Zwischennutzung des Areals als Kulturzentrum. Einige der Besetzer wechselten vom Stollwerck-Gelände umgehend in das Gebäude am Kartäuserwall 18.

Text: Stefan Rahmann

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