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Kultur

Künstler unter Strom

Donnerstag, 5. September 2013 | Text: Aslı Güleryüz | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Zum dritten Mal präsentiert das Kunsthaus Rhenania in diesem Jahr das Kunstfestival STROM. Parallel zu der Ausstellung findet auch der Wettbewerb um den Kunstpreis Rhenania 2013 statt. Einiges um das Festival hat sich verändert.

Einen Tag vor der Eröffnung, STROM auf der Pressekonferenz zum Festival: Eine Gruppe Journalisten wird von Kuratorin Maria Wildeis in Empfang genommen. Wir gehen durch die große Ausstellungshalle – einige der einst weißen Wände und Säulen der Halle sind quietschbunt-gestreift angemalt. Überall stehen noch Leitern und Gerüste, auf den Tischen Eimer mit Farbe. Der Künstler Markus Linnenbrink arbeitet mit seinem Assistenten noch an dem Kunstwerk. Kuratorin Wildeis ist sichtlich zufrieden. In dieser Situation spiegelt sich die Aussage des Festivals: In unserer Gesellschaft nimmt das zeitlich Begrenzte und Vergängliche immer mehr Raum ein – und das wird auch in der bildenden Kunst dargestellt. Dieses Ephemere rückt die Ausstellung in den Mittelpunkt. Markus Linnenbrink ist am Montag aus New York angereist und hat sofort zu den Pinseln gegriffen. Er malt seit nun fast drei Tagen an seiner Arbeit, die selbst nur zeitlich begrenzt zu sehen sein wird. Und was passiert danach mit den schönen bunten Wänden und Säulen der Ausstellungshalle? Nun ja, sie werden wieder weiß gestrichen. „Es sind fast alles temporäre Arbeiten, die eben auch nur temporär konsumierbar sind.“ verdeutlich Wildeis die Aussage. Sie zeigt auf eine weitere Arbeit in der weitläufigen Halle und erklärt: „Der Künstler Evangelos Papadopoulos hat 12 Tage an dieser Arbeit gearbeitet, die insgesamt 13 Tage ausgestellt wird. Es wird sehr viel Zeit investiert“.

Doch zunächst habt Ihr die Gelegenheit vom 5. bis 8. September das Festival STROM, die Plattform für ephemere Kunst, zu besuchen. 40 Künstler sind angereist und stellen in den Ateliers der Gastgeber ihre Arbeiten aus, laden zu Klanginstallationen, Lichtkunst, Sound Art, Noise, Installationskunst, Experimantalmusik, Performace und Tanz ein. Vieles, aber nicht alles, wurde eigens für diesen Ausstellungsort und dieses Festival konzipiert.

 

Die Kuratorin führt uns hinter das Rhenania in Richtung Rhein. Im dritten Stock prangen zwei riesige, durchsichtige Luftblasen an zwei Fenstern. Das Künstler-Duo Lang/Baumann aus der Schweiz hat die zwei luftgefüllten Blasen ‚Comfort #3’ für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Sie sind aus Plastik und auf der Innenseite noch einmal genauso groß und mit einer Pumpe miteinander verbunden. Die Luft zirkuliert in die Blasen und wieder hinaus. „Die Arbeiten der Künstler sind nah an der Architektur. Ein fast verstörender Eingriff, ein humorvoller Umgang mit architektonischer Starre“ erklärt Wildeis.
Außer den beiden Luftblasen sind noch zwei Arbeiten des Künstler-Trios Lass/Hentschel/Horn zu sehen. Die Preisträger des Rhenania Kunstpreises 2012 hatten eine Nachbildung eines Kranes in Anlehnung an die Kranhäuser produziert und an der Fassade befestigt.

Weiter geht die Führung in einige Ateliers des Kunsthauses. Auf der zweiten Etage führt die Künstlerin Kerstin Ergenzinger ihren „Raumtaster“ vor. Wir betreten den abgedunkelten Raum und schauen Ergenzinger bei ihrer Arbeit zu. Auch sie ist noch nicht fertig. Der Raumtaster ist ein präparierter Overheadprojektor. Die Medienkünstlerin aus Berlin hat dieses Gerät entwickelt: „Ich wollte ein mobiles Zeichengerät, das Zeichnungen in den Raum wirft. Die Grundidee ist simpel. Ein Overhead-Projektor hat bekanntlich eine Rolle. Dieses Gerät hat vier. Die eine Hälfte einer Rolle ist schwarz, die andere Hälfte ist weiß. Es gibt eine X-Achse und eine Y-Achse. Und der Projektor hat einen Spiegel. Das Gerät wird also von fünf Motoren betrieben, ein Motor pro Rolle und einer für den Spiegel“ erklärt Ergenzinger und startet eine Vorführung. Wie ein Scanner tastet das Gerät den Raum ab und wirft anschließend ein Bild an die Wand. Somit erzeugen verschiedene Bewegungen und Distanzen unterschiedliche Bilder – Die Künstler arbeiten hier ganz schön unter Strom.

Eine Etage höher bleiben wir im Treppenhaus stehen. „Hier wird es eine Installation des Künstlers Gregor Schwellenbach geben. Er hat sie vor einigen Jahren konzipiert und ‚Hommage an Joseph Beuys’ genannt. Beuys hat die Installation ‚Ja, ja, ja, nee, nee, nee’ performed, an die diese Installation erinnert. Der Musiker und Künstler Schwellenbach hat ein Tonbandgerät in Filz gehüllt und lässt Ausschnitte von zwei Popsängerinnen im Loop laufen. Sie singen ‚Yes, yes, yes’ und ‚No, no, no’. Ein Dialog der Pop-Musik“ erklärt uns Wildeis. Klingt spannend.
Es geht weiter unters Dach. In einem Atelier wird es ein Kino geben, in dem Videokünstler längere Arbeiten zeigen werden. Die ca. 40- und 80-minütigen Filme werden in voller Länge zu bestimmten Zeiten gezeigt. Es sind narrative Filmarbeiten aus dem Kunstbereich.

Im Nachbarraum hat das Duo Dan Dryer aus Köln den Dachstuhl exakt nachgebildet. Er wird ab Donnerstag in der Luft hängen und die Besucher können unter der Arbeit hindurch gehen. Vorbei geht es an der sehr filigran gearbeiteten Skulptur ‚Good Fence’ aus Fahrradketten und Metall des amerikanischen Künstlers Stef Heidhues. Sehr ästhetisch obwohl mit rohen Materialen gearbeitet wurde.
Nun noch die Treppe runter und zur Abschlussarbeit von Jens Standke. Sie wurde bereits im Sommer an der KHM ausgestellt. Standke hat die Klang-Installation ‚Vinylaktiten/Vinylagmiten’ aus Vinyl-Schallplatten hergestellt. Gefräste Schallplatten-Türme übertragen eine Klangwelle auf mehrere Dimensionen. Über 1.500 Tracks hat der Künstler verwendet. „Das sind zehn Stunden pro Skulptur“ erklärt Standke. „Die Platten habe ich von einem Techno-Label erhalten, die sie nicht verkaufen konnten. Sie sind allerdings ab dem Jahre 2000, noch relativ neu und auch im Handel erhältlich“.

 

Benachbart ist die Leuchtstoff-Röhren-Installation der Leutkünstler Molitor & Kuzmin ‚Monolog’ zu sehen. Die Installation erhält eine skulpturale Form durch das Licht, das in unterschiedlichen Frequenzen leuchtet.

Dies ist nur eine kleine Auswahl der Arbeiten von 40 Künstlern, die ab Donnerstag im Kunsthaus Rhenania ausstellen. Imposante Skulpturen werden sowohl im als auch außerhalb des Hauses zu sehen sein. Eine 800 kg schwere Skulptur wird lediglich am Donnerstag für drei Stunden zu sehen sein. „Aus versicherungstechnischen Gründen,“ erklärt Wildeis „Es hat sich keine Versicherung bereit erklärt, eine so kostbare Arbeit länger vor Vandalismus zu sichern“.

Parallel zu dem Kunstfestival findet der Wettbewerb von ebenfalls 40 Künstlern aus aller Welt statt. Die Künstler haben ihre Konzepte für die Ausstellungshalle per pdf-Datei eingereicht. Eine Vorstellung von dem Raum hatten sie anhand von Skizzen und Fotos der Halle erhalten. Das ist die Erneuerung bei diesem Festival und Wettbewerb. Hatten in den Vorjahren die Künstler, die sich für den Preis beworben hatten, noch vor Ort ihre Arbeiten entwickelt im Wettbewerb um den Preis, so sind diese in diesem Jahr nicht zu sehen. Der Preisträger wird von einer Jury ausgewählt und am Sonntag bekannt gegeben. Bei dem aktuellen Festival handelt es sich um eine kuratierte Ausstellung. Der Preisträger wird sein Konzept im nächsten Jahr in der Halle umsetzen und der Öffentlichkeit präsentieren.

Das Rahmenprogramm des Festivals ist sehr sehens- und hörenswert. Es wird Konzerte, Tanz-Performances und Parties geben. Die Musiker und DJs wurden so ausgewählt, dass ihr Beitrag gut mit dem Motto der zeitlich begrenzten Kunst verbindbar ist. Viele der Musiker und DJs kommen aus der Szene der bildenden Kunst.
Einen Tipp gibt uns die Kuratorin Maria Wildeis noch: „Die Eröffnung ist am Donnerstag um 19 Uhr. Doch es ist besser bereits 15 Minuten vorher zu kommen. Pünktlich geht es nämlich mit einer Performance vor dem Haus mit Jan Glisman los“.

Einen kleinen Trost über die Vergänglichkeut hinweg gibt es aber doch zum Schluss: Die Arbeiten, die in der großen Ausstellungshalle zu sehen sind, werden im Rahmen des Urban Art Festivals ‚CityLeaks’ länger zu sehen sein. Noch bis zum 22. September bleiben uns die bunten Wände und die überaus imposante Arbeit von Evangelos Papandopoulos erhalten.

Öffnungszeiten
5. – 8. September 2013
5. September, 19:00 – 00:00 Uhr
6. September, 15:00 – Open End
7. September, 12:00 – Open End
8. September, 12:00 – 22:00 Uhr
Tickets
Tageskarte 10 Euro (ermäßigt 6 Euro)
Festivalkarte 15 Euro (ermäßigt 11 Euro)
Das komplette Programm findet Ihr hier
 

Text: Aslı Güleryüz

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