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Gesellschaft

Licht am Ende des Tunnels? – Dann muss aber erstmal der Beton raus

Dienstag, 30. Juni 2020 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Die Erleichterung auf dem Podium war mit Händen zu greifen, als Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei einer Pressekonferenz den Vergleich vorstellte, den die Stadt mit den Arge Los-Süd ausgehandelt hat. 600 Millionen Euro bekommt die Stadt von den in der Arge zusammengeschlossenen Firmen, die am Bau des Gleiswechsel-Bauwerks am Waidmarkt und damit am Einsturz des Stadtarchivs beteiligt waren. Der Rat hat den Vergleich mit großer Mehrheit gebilligt. Gestern Abend (29. Juni) hat Henriette Reker den Vertrag unterzeichnet. „Die Kämmerin noch nicht. Die muss erst die richtige Kontonummer raussuchen. Soviel Geld bekommen wir ja auch nicht oft.“ Mit dem Vergleich sei der Weg frei für den Weiterbau der Nord-Süd-Bahn. „Damit vermeiden wir ein jahrelanges Ringen vor Gericht und wir müssen nicht ins Risiko eingehen. Denn wie die Gerichte entscheiden, weiß man ja vorher nicht.“ Über 90 Prozent der Archivalien habe man retten können. Zwölf Millionen Euro jährlich werden für die Restaurierung ausgegeben. Mehr geht nicht, weil es nicht genügend Menschen gibt, die professionell restaurieren können.

Die Schnipsel werden gescannt.

Stadtdirektor Dr. Stephan Keller, der gemeinsam mit Verkehrsdezernentin Andrea Blome die Verhandlungen mit der Arge geführt hat, nannte Einzelheiten. Die Firmen werden auf ihre Kosten das Gleichswechselbauwerk am Waidmarkt zu Ende bauen. Gleiswechsel heißt, dass die Bahn über ein sogenanntes H-Gleis auf das Gegengleis wechseln kann. Der Fahrer wechselt das Führerhaus und kann in die Gegenrichtung fahren. Das ist wichtig, wenn beispielsweise mal eine Bahn liegen bleibt. Darüber hinaus werden die betroffenen Firmen den Ausstellungsraum K3 errichten. Was dort ausgestellt wird, ist noch offen. Die Bürger werden gefragt. Da sogenannte Beweissicherungsverfahren am Waidmarkt wird beendet. Das Besichtigungsbauwerk ist damit überflüssig. Sechs Monate hat man mit der Arge verhandelt mit einer „schlichtenden Moderation“, so der Stadtdirektor.

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Die Stadt sei zunächst auf die Arge mit einer Maximal-Forderung von 1,07 Milliarden Euro zugegangen: „Wir hatten da ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, weil die technische Ursache für den Einsturz ja geklärt war. Die fehlerhafte Lamelle hat die Arge zu verantworten.“ Man müsse unterscheiden zwischen der Haftung der Arge dem Grunde nach und der Höhe nach. Im Grunde sei die Arge zu 100 Prozent schuld am Einsturz. Bei der Schadenshöhe sei das schon schwieriger. Der größte Teil der Schadenshöhe betreffe die Archivalien, deren Wert Gutachter auf 510 bis 660 Millionen Euro geschätzt hätten.

Danach sucht man am Rechner die passenden Gegenstücke.

Dr. Keller machte die Schwierigkeiten an einem Beispiel deutlich: „Im Archiv lagerte ein Bildband ,Schöne Städte in Europa‘. Die Restaurierungskosten wurden auf 1500 Euro geschätzt. Das Buch kann man antiquarisch für acht Euro kaufen. Da möchte die Arge natürlich nicht 1500 Euro zahlen.“ Auf der Verhandlungsebene habe man für die Stadt mit den 600 Millionen Euro kein besseres Ergebnis erzielen können, erklärte der Stadtdirektor. „Ich glaube, wir haben zwischen beiden Parteien die goldene Mitte erreicht.“ Jetzt könne man auf einer „befriedeten Baustelle“ unbelastet von allen juristischen Fragen weiterarbeiten. Und da kommt dann auch schon die Südstadt ins Spiel. Denn dort wird es geschehen.

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Was genau, weiß Jörn Schwarze, Technischer Vorstand der KVB. Mancher erinnert sich noch an den Abend des Archiveinsturzes am 3. März 2009. Die Schlange der Betonmischer-Lkw reichte vom Waidmarkt bis zur Deutzer Brücke. Immer rein mit dem Zeug, hieß damals die Devise, da man von einem hydraulischen Grundbruch ausging, der mit den Betonmassen gestoppt werden sollte. 2000 Kubikmeter Beton wurden damals am Waidmarkt versenkt. Das entspricht der Hälfte des Großen Saals im Gürzenich. Oder einem 2,50 Meter hohen Block mit der Länge und Breite eines Handballfeldes.

Das Nachbarhaus drohte ebenfalls einzustürzen.

Kurz gesagt: Das Zeug muss das raus und das wird viel Arbeit. „Wir werden da hydraulisch sprengen“, erklärte Schwarzer. Zum Einsatz kommen Taucher. Sprengen bedeutet in diesem Fall jedoch nicht den Einsatz von Sprengstoff. Lanzen werden in den Beton eingelassen, die weitestgehend erschütterungsfrei und geräuscharm den Beton „knacken“. „In der Frostwechselphase kann Wasser im Gebirge Gestein sprengen. Bei der Methode, die wir anwenden, wird es unter Wasser nur einen ,leichten Wupp‘ geben, wenn wir ein Stück Beton absprengen“, wollte der Techniker eventuelle Ängste der Anwohner besänftigen.

Traurige Ansicht nach dem Einsturz.

Gleichzeitig müssen auch noch 5000 Kubikmeter Schutt entsorgt werden. Grundlage im wahrsten Sinne des Wortes für alles Weitere wird eine Unterwasserbetonsohle. Mikropfähle sorgen für deren Auftriebssicherheit. Für die Pfähle sind Bohrtiefen bis zu 57 Meter bezogen auf die Kante Severinstraße nötig. Die Sohle selbst ist 1,50 Meter mächtig und liegt in einer Tiefe von 27 Metern. Und irgendwann wird dann auch das Wasser abgepumpt. Und die Erde aufgetaut. Was bedeutet das alles für die Severinstraße? Sie wird wegen der Bauarbeiten auf Jahre immer mal wieder gesperrt. Stefanie Haaks, Vorstandsvorsitzende der KVB AG, rechnet mit der Inbetriebnahme der Nord-Süd-Bahn an dieser Stelle nicht vor 2027. Sie sieht im Moment gar „Licht am des Tunnels“. Dafür muss aber erstmal der Beton raus.

Text: Stefan Rahmann

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