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Politik Wahlen

„Man sieht nur, was man weiß“ Volker Beck über ein Leben zwischen Köln und Berlin

Sonntag, 8. September 2013 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

„Volker Beck ist ein deutscher Politiker und Menschenrechtler“: Das ist der erste Satz aus der Beck-Biografie bei Wikipedia. Volker Beck, Jahrgang 1960, hat in Stuttgart studiert (Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik) und sitzt seit 1994 für seine Partei – Bündnis90/Die Grünen – im Deutschen Bundestag. Auf den Wahlplakaten in Köln wirbt er mit dem Slogan „Ich will’s gleich gerecht.“ Da ist es schon, das Stichwort, das ihm am Herzen liegt: Gleichberechtigung. Zum Beispiel für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften – er hat selbst eine geführt, bevor sein Partner an Krebs starb. In der Grünen-Fraktion im Bundestag ist Volker Beck Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher – und regelmäßig bezieht er Stellung zur Lage der Menschenrechte nicht nur in Deutschland, sondern auch in Russland, China und Syrien. Auf seiner Homepage beweist er unter der Rubrik „Kontakt“ einen sehr kreativen Umgang mit seinen Kritikern. Dort heißt es: „Für rechtsextreme, homophobe, rassistische oder antisemitische Hetze und Beschimpfungen nutzen Sie bitte das extra Kontaktformular für Hate-Mails.“ Wer auf den dazugehörigen Link klickt, landet bei der Internetwache der Polizei Berlin.

Herr Beck, wann kommen Sie noch zum Einkaufen?
Volker Beck: Oh, das ist eine gute Frage. Also in der heißen Phase des Wahlkampfs wie jetzt, da musste ich mir Vorräte im Bio-Supermarkt besorgen. Zwischendrin schaffe ich das nicht mehr.

Und wenn keine heiße Phase ist?
Auch dann muss ich das Einkaufen einplanen. Ich wohne ja in zwei Städten (Anm. d. Red.: in Köln und Berlin), und dann muss ich schauen, dass ich immer gleich am Anfang losgehe, wenn ich in einer Stadt bin. Das ist ein logistisches Problem. Manchmal habe ich wirklich nur Essiggurken und Senf im Kühlschrank.

Wo kaufen Sie ein?
In der Regel im Bio-Supermarkt am Stadtgarten. Oder bei den anderen Läden im Viertel. Gelegentlich auch beim Büdchen gegenüber.

Was kostet der Liter Milch?
Oh, so um die 1 Euro 30?

Für Bio-Milch kommt es ungefähr hin.
Bei Milch kaufe ich immer Bio.

Wann haben Sie mal frei?
Wenn mein Büro es geschafft hat, einen geblockten Tag zu verteidigen. Ich habe im Bundestag in Berlin regelmäßig die Sitzungswochen und in dieser Zeit vernachlässige ich meinen Wahlkreis in der Heimat. Das muss man dann dort am Wochenende und in der sitzungsfreien Zeit durch Präsenz wieder ausgleichen.

Was halten Sie von einer Parlaments-Reform, wie sie jetzt gerade in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ diskutiert wurde? Ein Stichwort wäre, die Zahl der Sitzungswochen zu erhöhen.
Also wenn die Sitzungswochen weniger unter Druck stattfänden und
konzentrierter, dann wäre das positiv für die parlamentarische Arbeit. Viele Themen werden ja gar nicht mehr debattiert, und die Reden werden nur noch zu Protokoll gegeben. Das ist nicht gut für das Parlament, denn man sollte doch die Argumente und Gesichtspunkte der anderen Parteien direkt hören und sich mit ihnen auseinandersetzen.

Wohin fahren Sie in den Urlaub?
Immer unterschiedlich. Dieses Jahr war ich in Bulgarien am Schwarzen Meer. Sonst gerne Italien und Frankreich. Wenn ich mal mehr Zeit habe und es nicht nur ums Regenerieren geht, dann krame ich meine alte Leidenschaft heraus: mittelalterliche Kunstgeschichte. Dann lese ich mich auch ein, bevor ich mir was anschaue. Goethe sagte mal: Man sieht nur, was man weiß.

Sie meinen: „Man weiß nur, was man sieht“?
Nein, nein, das war schon richtig: Man sieht nur, was man weiß. Er meinte, dass man ein Mindestmaß an Wissen braucht, um Kunst zu verstehen und die Schönheit zu entdecken. Sonst bleiben es bunte Farben auf einer Wand.

Was bewegt Sie gerade?
Die Frage: Schaffen wir am 22. Septemberden Wechsel? Ich erlebe ja gerade, wenn ich vier Städte in NRW an einem Tag besuche: Die Menschen haben Sorgen. Es geht ihnen um soziale Gerechtigkeit. Es beschäftigt sie, dass sie als Rentner, wenn sie ein Leben lang gearbeitet haben, womöglich nur eine Grundsicherung bekommen. Oder dass sie ihre Miete kaum noch zahlen können. Dass sie aufstocken müssen bei der Arbeitsagentur, obwohl sie 40 Stunden in der Woche arbeiten. Sie wollen, dass die Energiewende gelingt und bezahlbar bleibt.

Wie bewegen Sie sich – sprich: Was treiben Sie für Sport?
Viel zu wenig. Ich bin Fördermitglied in einem Fitness-Studio. Also Fördermitglied, das ist ironisch gemeint. Ich sollte eigentlich auch mal hingehen. Sonst fahre ich Fahrrad, in Köln allerdings mehr als in Berlin.

Welche Ehrenämter üben Sie aus?
Eine Vielzahl. Mir ist besonders wichtig, dass ich Kurator in der Hirschfeld-Eddy-Stiftung bin. (Anm. d. Red.: Die Stiftung setzt sich für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in Osteuropa und im globalen Süden ein)

Was tun Sie da als Kurator?
Ich versuche, Geld einzuwerben, damit die Stiftung die Menschenrechtler und ihre Arbeit unterstützen kann.

Was für ein Auto fahren Sie privat?
Gar keins. Seit 1996.

Was für ein Handy haben Sie?
Ein Smartphone.

Wie nutzen Sie die sozialen Medien?
Ich habe einen Youtube-Kanal, einen Blog und zwei Facebook-Seiten, eine persönliche und eine als Politiker.  Und auf abgeordnetenwatch können Ihre Leser  mir Fragen stellen.
Ich habe auch einen Twitter-account und manche haben mich schon den Twitterkönig genannt.

Ich dachte, das wäre Umweltminister Altmaier.
Da gibt es unterschiedliche Kriterien bei der Bewertung.

Wie oft haben Sie persönlich mit Bürgern aus dem Wahlkreis Kontakt?
Sehr regelmäßig. Wenn ich im Wahlkampf bin, dann mit  Bürgern aus Wahlkreis und NRW quasi rund um die Uhr. Sonst zwei bis drei Tage die Woche.

Wer reagiert auf die Anfragen aus Ihrem Wahlkreis?
Reine Infofragen das Büro, aber jedes Hilfeersuchens und jeder Anregung nehme ich mich selbst an. Ich hoffe, dass ich immer alles beantworte. Wenn es mehrere Anfragen zu konkreten Problemen gibt, dann lege ich das auch mal zusammen und lade die Menschen zu einer Sprechstunde in das Wahlkreisbüro ein.

Schreiben Sie Ihre Reden selbst?
Die meisten Reden  halte ich frei. Ich habe dann aber ein paar Unterlagen dabei, wo ich Zitate verwende.

Was ist Ihnen das Allerwichtigste im Berufsleben?
Die Gesellschaft zu verändern. Das habe ich persönlich erlebt bei der Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Da habe ich 1989 die Debatte mit in Gang gesetzt, 2001 trat das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft. Aber damals mussten wir auch einsehen, dass wir bestimmte Rechte noch nicht gegen die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat durchsetzen konnten. Manchmal braucht man in der Politik Geduld und Ausdauer. Da braucht es Mut, voranzugehen, auch wenn es Kritik gibt, dass nicht alles sofort erreicht werden kann. Dann muss man am Ball bleiben. 2014 wollen wir die Ehe für alle endlich durchsetzen.

Herr Beck, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Mehr im Netz
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beckstage.volkerbeck.de

 

 

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Text: Jörg-Christian Schillmöller

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