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Südstadt

Neu für belastete Familien: TraumaNetz Köln

Dienstag, 6. Juni 2023 | Text: Evelyn Maria Denda | Bild: Privat

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Die Sonne lässt sich nun endlich blicken und auf den Kinderspielplätzen im Veedel hört man lautes Kinderlachen. Doch nicht allen Kindern ist immer zum Lachen zumute. Gewalterfahrungen, Verluste, aber auch die Coronapandemie oder Kriegsbilder, finanzielle Engpässe und Streitigkeiten in der Familie: Das sind nur ein paar Dinge, die für Kinder zur Belastung und sogar zu traumatischen Erfahrungen werden können.

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In den letzten Jahren hat sich der Chlodwigplatz stetig verändert: Kleine Lädchen sind großen Ketten gewichen und urige Bäckereien konkurrie…

Nicht immer haben sie einen Anker, der ihnen Halt gibt, nicht immer finden sie Gehör. Dabei ist das Gehört-Werden und das Verstanden-Werden genau das, was die Kinder am nötigsten brauchen. Neu und für genau das da sein will jetzt TraumaNetz Köln. Wir haben mit den GründerInnen, Südstädterin Astrid Petry und Josch Henke, beide traumaorientierte Familienberater:innen, gesprochen.

 

Meine Südstadt: TraumaNetz – was zeichnet Euch aus?
Josch Henke: TraumaNetz-Köln ist ein neues Projekt und wendet sich an Familien mit seelischen Verletzungen.
Unser Ziel ist es, zum Thema „Trauma und Traumafolgen“ zu informieren und eine erste Versorgung anzubieten.

Was ist der institutionelle Hintergrund?
Astrid Petry: LOGO als gemeinnütziger Träger der Kinder- und Jugendhilfe hat bereits jahrelange Erfahrung in der Beratung von Familien in Krisen und mit massiven Belastungen. Viele Kolleg*innen haben eine Kombination aus systemischer familientherapeutischer Erfahrung und traumapädagogischer Zusatzausbildung. Daraus sind in interdisziplinärer Zusammenarbeit eigene Konzepte der traumaorientierten Familienberatung und traumasensiblen Pädagogik entwickelt worden. Konzeptionell haben wir als die LOGO gGmbH die Möglichkeit, Familiensysteme im Team aus Frau und Mann zu beraten.

Welche Zielgruppe sprecht ihr an?
Astrid: Wir richten uns an Familien, in denen mindestens ein Mitglied seelische Verletzungen hat und Symptome zeigt. Aber wir treten auch gern in den Dialog mit Fachleuten, die Informationen zum Thema „Trauma und Traumafolgesymptome“ haben möchten. Mit Blick auf Pflegeeltern und Adoptiveltern wollen wir diese Familien dabei unterstützen, Informationen und passende Hilfen für sich und ihre Kinder zu bekommen.

Josch: Generell möchte das TraumaNetz-Köln Familien und Fachleute in Köln und den umliegenden Kreisen ansprechen und mit dem beschriebenen Angebot erreichen. Dazu soll  ein Netzwerk traumaorientierter pädagogischer und therapeutischer Fachkräfte aufgebaut werden, damit Zuweisungen einfacher möglich sind. Darüber hinaus sollen pädagogische Fachkräfte, wie zum Beispiel Erzieher*innen, Lehrer*innen und Ehrenamtliche qualifiziert beraten und über das Thema „Trauma und Traumafolgen“ informiert werden, damit sie entsprechende Auffälligkeiten erkennen, sensibler damit umgehen können und Kindern dadurch mehr Sicherheit bieten.

Zudem sollen sie betroffene Familien qualifizierter informieren können, damit diese wiederum schneller fachliche Hilfen erhalten.  Uns ist es wichtig, eine Öffentlichkeit für Trauma und Traumafolgen in Familien zu schaffen.

Was hat Euch besonders an der RheinEnergieStiftung Familie als Unterstützerin überzeugt? Wie sieht Eure Zusammenarbeit aus?
Josch: Wir sind dankbar und stolz, zur Unterstützung des TraumaNetz-Köln die „RheinEnergieStiftung Familie“ gewonnen zu haben. Die RheinEnergieStiftung Familie fördert die Arbeit mit Familien, die unterschiedlichsten Belastungen und Herausforderungen ausgesetzt sind. Daher passt unsere Arbeit in die Haltung der Stiftung und zum Stiftungszweck. Sie hat uns im Rahmen der Projektentwicklung und Antragsstellung gut beraten und unterstützt. Wir tauschen uns regelmäßig über den Fortschritt des Projekts aus.

Ihr kommt in Eurem beruflichen Alltag mit vielen Schicksalen in Berührung – wie schafft Ihr es hier, professionelle Distanz zu halten?
Astrid: Durch unsere langjährige und vertraute Zusammenarbeit haben wir die Basis, uns miteinander und persönlich auszutauschen und Belastungen gemeinsam anzuschauen. Darüber hinaus steht uns unser Team und unsere Leitung im Rahmen von Intervision und Fachgesprächen zur Verfügung. Wir nehmen an einem deutschlandweiten Fachaustausch zum Thema seelische Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen teil und haben Supervision. Außerdem feiern wir Karneval, gerne in der Südstadt, sind beide gerne in der Natur und lachen viel.

Fachlicher Ausstausch hat einen hohen Stellenwert. Astrid Petry und Josch Henke (Foto: privat)

Viele Familien haben Hemmschwellen, wenn es um das Thema „Beratung von außen“ geht. Wie lassen sich diese überwinden?
Astrid: Uns ist es ein Anliegen, den Menschen, die sich an uns wenden, diese Hemmschwelle so klein wie möglich zu machen, eine entspannte, freundliche Atmosphäre zu schaffen und natürlich vertraulich zu arbeiten. Deswegen ist es uns wichtig zu sagen, dass es normal und keine Schwäche ist, nach traumatischen Erfahrungen unter Unstämden Symptome zu entwickeln. Traumafolgen sind eine normale Reaktion auf ein nicht normales Ereignis. Diese Haltung versuchen wir in allen Kontexten zu verdeutlichen.

Wie erkenne ich „von außen“, dass ein Kind bzw. eine Familie Hilfe benötigt? Wie kann ich dann aktiv werden?
Josch: Grundsätzlich sollte man genauer hinschauen, wenn Kinder Symptome wie Selbstverletzung, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, aggressives Verhalten u.a. zeigen. Dann brauchen sie Hilfe. Eltern sind aus unserer Sicht immer die ersten Ansprechpartner*innen und Expert*innen für ihr Kind. Deshalb ist es uns wichtig, Familie zu ermutigen ihr Thema besprechbar zu machen. Es erscheint uns zentral, Familien zu ermutigen, egal welche Angebote anzunehmen. Das können im ersten Schritt Kinderärzt*innen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen oder Fachärzt*innen sein. Aber auch Familienberatungsstellen, Jugendämter oder Angebote wie das TraumaNetz-Köln.

Ihr sprecht auch den Moment des Chronifizierens an – wie äußert sich dies?
Astrid: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Familien erst spät Unterstützung bekommen und oft nicht den Zusammenhang erkennen können zwischen den seelischen Verletzungen und den Symptomen. Hier möchten wir unterstützen, frühzeitig zu erfragen, zu sortieren und zu klären, ob es einen Zusammenhang zwischen traumatischen Erfahrungen und Symptomen geben könnte. Damit wir dann im zweiten Schritt mit den Familien überlegen können, was hilfreich sein kann.

Wie verhalte ich mich, wenn ich den Eindruck gewinne, dass ein Mensch durch ein durchlebtes Trauma Hilfe benötigt? 
Josch: Viele Betroffene fühlen sich nicht “normal“. Hier erscheint es uns wichtig, dass Menschen im Umfeld die Haltung „Du reagierst normal. Das, was Dir passiert ist, ist nicht normal!“ erfahren. Das erleichtert es Betroffenen, sich anzuvertrauen und Hilfen anzunehmen. Auch das Angebot „Lass uns gemeinsam anrufen oder hingehen“, kann eine Unterstützung sein.

Wo erhalte ich weitere Informationen?
Astrid: Auf unserer Homepage findest Du erste weitere Informationen zum Thema seelische Verletzungen. Dazu stehen dort die Zeiten unserer Erreichbarkeit, unsere Telefonnummer und Mailadresse. Unsere Angebote kann man auch anonym in Anspruch nehmen und sich einfach informieren.

Josch: Es gibt Literatur zum Thema Trauma und Traumafolgen. Für Jugendliche und ihre Eltern finden wir zum Beispiel das Powerbook von Dr. Andreas Krüger ein tolles und leicht zu lesendes Buch. Die KG Ponyhof aus der Südstadt hat uns durch eine Spende ermöglicht, Bücher anzuschaffen und an Familien zu verschenken, die nicht so viel Geld haben. Hierfür sind wir sehr dankbar.

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Wie kann ich mich selbst im oder für das TraumaNetz engagieren?
Josch: Indem seelische Verletzungen und deren Folgen mutiger und offener thematisiert werden. Fachleute, wie zum Beispiel Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen oder Beratungsangebote, die traumasensibel  / traumatherapeutisch arbeiten, können sich engagieren, indem sie mit uns ein Netzwerk bilden, um Familien leichter und schneller die passende Unterstützung zukommen zu lassen. Und natürlich freuen wir uns über Spenden, damit diese Arbeit längerfristig möglich wird und gegebenenfalls erweitert werden kann.

Welchen Bezug habt ihr besonders zur Südstadt?
Astrid: Wir lieben die Vielfalt der Restaurants, Kneipen und kulturellen Angebote in der Südstadt.

Josch: Die Südstadt ist für uns nicht nur zum Karneval bunt.

Text: Evelyn Maria Denda

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