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Gesellschaft

Niemand hat das Recht zu gehorchen

Dienstag, 8. September 2020 | Text: Alida Pisu | Bild: Freies Werkstatt Theater

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Nach einem halben Jahr Corona-bedingter Zwangspause, öffnen die Theater wieder ihre Pforten und die ersten Premieren stehen an. Am 11. September startet im Freien Werkstatt Theater „Denken ohne Geländer“ – Hannah Arendt im Selbstversuch. Ein Vorab-Gespräch mit Performerin Hannah Biedermann und Regisseurin Eva von Schweinitz.

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Wie ging es Ihnen in den letzten Monate ohne Theater?

Hannah Biedermann Es war eine sehr lange Zeit, in der viel darüber geredet wurde, was systemrelevant ist.

Theater gehörte nicht dazu.

Hannah Biedermann Richtig. Und das fand ich fast dramatischer als die persönlichen Existenz-Probleme. In meinem Fall ist das noch relativ glimpflich verlaufen, aber es stellt sich doch die Frage, was das langfristig heißt. Und was das dann für Schäden sind, die das Kinder- und Jugendtheater treffen, je nachdem, wie die Schulen darauf reagieren. Mir hat meine Arbeit gefehlt.

Eva von Schweinitz Ich lebe in den USA. Das ist eine andere Realität als hier in Deutschland. Hier ist es ja schon wieder relativ locker und das ist in New York, wo ich lebe, nicht so. Die Theater werden bis 2021 nicht wieder öffnen. Es ist natürlich für die ganze Industrie ein riesiges Desaster, was aber wirklich fehlt, ist das Zusammenkommen von Menschen. Das ist beim Theater, wo man ein Gemeinschaftserleben hat, besonders traurig. Ich bin aber sehr froh, dass es das in Deutschland jetzt wieder gibt.

Unter welchen Bedingungen wird denn geprobt und wie beeinflussen die Regeln das Bühnengeschehen?
Eva von Schweinitz Wir proben mit Abstand und mit Masken bzw., wenn Hannah Biedermann auf der Bühne steht, trägt sie keine Maske. Ansonsten sind wir vorsichtig. Wie sich das auf das Stück auswirkt? Wir holen immer gerne Zuschauer*innen auf die Bühne und planen auch diesmal Interaktion mit dem Publikum ein. Da werden wir noch Corona taugliche Lösungen finden müssen. In der Hoffnung, das es irgendwann nicht mehr nötig sein wird.
Hannah Biedermann Es war von Anfang an als Solo mit mitspielendem Techniker geplant und wir müssen da gar nicht so sehr von unserer Konzeption abweichen. Nur, dass die ersten Proben-Wochen so waren, dass Eva, weil sie in New York lebt, nicht herkommen konnte. Wir haben dann digital geprobt und Eva hat uns per Video inszeniert. Das war eine große Veränderung, aber Hannah Arendt, um die es ja geht, stellt einem auch viele Denkaufgaben. Es ging also erst mal darum, sich auszutauschen, was man von ihr verstanden hatte.

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Warum ausgerechnet ein Selbstversuch mit Hannah Arendt?
Hannah Biedermann Ich finde generell, dass Philosophie ein super Thema im Kinder- und Jugendtheater ist. Arendt ist mir erstmals begegnet mit einem Zitat: „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“ Ich fand das einen sehr klugen und verdichteten Gedanken, der auch einen moralischen Hinweis gibt und eine politische Forderung ist. In dem Zusammenhang, dass jetzt in allen Ländern auch wieder der Rechtspopulismus präsent ist, finde ich, dass sie eine Denkerin ist, die da Denkanstöße an die Hand geben kann. Grundsätzlich geht es bei Arendt ums Denken ohne Geländer. Daraus hat sich jetzt für uns eine spannende Aufgabe entwickelt: Geht das, dass man im Theater miteinander denkt?

Die Zuschauer gestalten den Abend also mit, weil sie mitdenken?


Hannah Biedermann Auf eine gewisse Weise schon, weil wir das Denken ohne Geländer ja auf das Publikum übertragen wollen. Wir fragen, wie das geht, sich frei zu machen von Dingen, die man erlernt hat und zu verstehen glaubt. Es gibt offene Momente mit dem Publikum und Dinge, die festgelegt sind. Aber es ist alles prozesshaft und kein fertiges Antwort-Erklär-Ding.

Eva von Schweinitz Ein wichtiger Kerngedanke bei Arendt ist: Politisches Handeln entsteht da, wo Menschen sich gemeinsam austauschen und einschalten. Und in einen gemeinsamen Raum hinein treten und zusammen verhandeln. Insofern ist es schon ein Grundgedanke, dass das Publikum die ganze Zeit Teil dieses Raumes ist.

Hannah Arendt war zu Lebzeiten durchaus umstritten. Sie hat im Zusammenhang mit dem Eichmann-Prozess in Jerusalem von der Banalität des Bösen gesprochen. Wenn man Dokumentationen über den Prozess sieht, spricht Eichmann auch nicht über seine Mitschuld am Massenmord, sondern nur über Transport-Probleme nach Auschwitz. Trotzdem hat diese Äußerung von Arendt viele Kontroversen ausgelöst. Soll die Inszenierung durchaus auch provozieren?
Hannah Biedermann Das nehmen wir uns ja immer vor!

Eva von Schweinitz Hannah Arendts Mut, auch kontroverse Gedanken zu äußern, ist für uns Anlass nach diesem Mut auch bei uns zu suchen und auch das Publikum zu befragen. Was ist verantwortungsvolles Handeln? Das interessiert uns.

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Das sind ja auch ewig gültige Fragen, die jede/r für sich beantworten muss. Aber wie kann ich mir die Umsetzung des Theoretischen auf die Bühne vorstellen?


Hannah Biedermann Das Setting ist wie eine Late Night Show, ganz unspektakulär. Ich sitze an einem Tisch mit Hocker und der Techniker ist ein bisschen wie der sidekick bei Harald Schmidt. Er macht auch mal ein paar Kommentare, so nebenher. Man ist wie in einem Talk-Raum, ohne das man ihn total bedient.

Eva von Schweinitz Und wir können eine Sache verraten: Es gibt ein Ei, um das es geht.

Ein Ei? Ei, ei…
Hannah Biedermann Ein echtes Ei, was man aus dem politischen Kontext her kennt, als Zeichen des Protests. Ausgehend davon, behandeln wir ein bisschen, was dieses Ei im Theaterraum sein kann, mit Bezug auf Hannah Arendt.

Das ist auf jeden Fall nicht ei-nerlei! Ich danke Ihnen beiden für das Gespräch und wünsche Ihnen und dem Publikum denkwürdige Vorstellungen!

Text: Alida Pisu

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