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Kultur Politik

Orangerie im Volksgarten – dem Verfall preisgegeben?

Donnerstag, 22. Dezember 2011 | Text: Wassily Nemitz | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Die Fassade des Haupthauses ist verwittert, die Scheiben der ehemaligen Gewächshäuser sind zum Teil zertrümmert, die Lünette (der halbmondförmige Festungsbau) ist durch einen heruntergekommen wirkenden Holzschuppen verdeckt: Wer von der Volksgartenstraße aus das Gelände der Orangerie betritt, dem offenbart sich ein trostloser Anblick.

 

Das war nicht immer so: Ursprünglich sei die Orangerie ein Vorzeigebau im neu errichteten Volksgarten gewesen, erzählt die Kölner Denkmalpflegerin Karla Krieger. Sie hat sich intensiv mit der Geschichte des Geländes befasst und berichtet vom ehemaligen Gartenbaumeister Anton Kowallek, der sich mit der Orangerie bei der Errichtung des Volksgartens 1887-1889 ein Wohnhaus baute. Sein Nachfolger, Fritz Encke, wandelte das Gelände in eine Gärtnerei um, in der die Angestellten des Volksgartens ihre Gerätschaften hinterstellten und in den Gewächshäusern Pflanzen heranzogen. Das Gesamtareal sei insbesondere in Zusammenhang mit der erhalten gebliebenen Lünette einmalig in Köln, erzählt Karla Krieger.

 

Notsicherung wegen Einsturzgefahr

 

Aber der Bestand dieses Baudenkmals ist gefährdet: Die Gebäude sind inzwischen dermaßen heruntergekommen, dass eine Nutzung ohne Sanierung wohl nur noch kurzfristig möglich ist. Der Nutzer des Hauptgebäudes, das Orangerie-Theater, hat gerade erst die Verlängerung der Nutzungserlaubnis erhalten – wiederum für ein Jahr. Es sei unmöglich, auf diese Art und Weise langfristig zu planen, sagt die Leiterin des Orangerie-Theaters, Ragna Kirck: „Wir können den Künstlerinnen und Künstlern Zusagen immer nur bis zum Ende des jeweiligen Jahres geben.“ Größere Kooperationen seien deshalb sowieso nicht möglich.

 

Kirck und ihre Kollegin Dr. Hiltrud Cordes, die Geschäftsführerin des Orangerie-Theaters, haben mit dem Orangerie-Theater im Volksgarten e.V. viel dafür getan, dass es so schnell wie möglich zu einer Sanierung kommt. Cordes berichtet, dass die Stadt von sich aus Anfang 2006 das Dach des Hauptgebäudes habe sanieren wollen. Bei den Erkundungen habe man festgestellt, dass das Gewölbe abgesackt und somit die Standsicherheit des gesamten Gebäudes gefährdet gewesen sei. Durch den Einbau von zwei tragfesten Stahlseilen sei der Bau gesichert worden und konnte wieder zur Nutzung freigegeben werden.

 

 

Sanierungskonzept erarbeitet

 

Aufgrund des grundsätzlich schlechten Zustands forderte die Stadt Köln vonseiten der Orangerie ein Sanierungs- und Finanzierungskonzept. Anfang 2007 erstellte das Theater in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro raumwerk.architekten ein derartiges Konzept und legte es der Stadt Köln vor. Geschäftsführerin Cordes berichtet, dass die Stadt damals etwas skeptisch gewesen sei, „die haben uns ein bisschen nach dem Motto ‚Lass die mal machen‘ behandelt“.

 

Und sie machten: Das Theater warb um Unterstützung bei Politikern, machte Lobby-Arbeit und versuchte die Finanzierung zu klären. Im Laufe dieses Jahres bot sich dann die Chance, die Orangerie wie im Konzept vorgesehen (Wiederherrichtung des Haupthauses, der angrenzenden Glashäuser und der Lünette) zu sanieren, ohne dafür große städtische Mittel in Anspruch nehmen zu müssen: Die Fraktionen der FDP und der CDU stellten im Stadtrat den Antrag, die Sanierung zur Aufnahme in das Programm „Initiative ergreifen“ des Landes Nordrhein-Westfalen vorzuschlagen – was eine weitgehende Kostenübernahme seitens des Landes bedeutet hätte, das vorab schon Zustimmung signalisiert hatte.

 

Keine Ratsmehrheit für Sanierung

 

Der Antrag wurde jedoch mit den Stimmen der Koalition aus SPD und Grünen sowie der Fraktion „Die Linke“ abgelehnt. Jörg Detjen, Sprecher der Linksfraktion, begründete dies gegenüber „Meine Südstadt“ mit einer zu langen Bindung an das Theater: „Die Stadt hätte sich auf fünfzehn Jahre auf eine Nutzung der Orangerie für Theateraufführungen verpflichten müssen. Eine Verpflichtung über so einen langen Zeitraum erscheint uns unrealistisch und hätte die Möglichkeiten zur Nutzungsplanung zu stark eingeschränkt.“

 

Das sei so nicht richtig, kontern Ragna Kirck und Hiltrud Cordes: Die Inanspruchnahme der Gelder hätte lediglich eine „kulturelle Nutzung durch eine bürgerliche Initiative“ innerhalb der nächsten 15 Jahre bedeutet. Das Orangerie-Theater könne diese kulturelle Nutzung sehr wahrscheinlich gewährleisten, da es schon jetzt erfolgreich arbeite – und nach einer Sanierung wären die Bedingungen ungleich besser.

 

Diese Einschränkung des Landes solle nur verhindern, dass die Stadt das Gebäude vermietet und somit Kommerz schlagen würden – das wäre aber nicht der Sinn des Förderprogramms.

 

„Versäumte Chance“

 

In der Sitzung des Kulturausschusses vom 6. Dezember wurde auf Nachfrage der FDP-Fraktion eine Stellungnahme der Verwaltung beraten, welche die Kosten für eine Sanierung aufgestellt und bewertet hatte. Hierin heißt es als Fazit: „Angesichts der Finanzlage der Stadt sieht die Verwaltung keine Finanzierungsmöglichkeit der Sanierung des Haupthauses bzw. der Außenanlagen mit Aufbauten.“ Unterzeichnet ist das Schreiben vom Kulturdezernenten der Stadt, Professor Quander. In der Stellungnahme schätzt die Verwaltung die Gesamtkosten für eine Sanierung des Haupthauses und der Lünette auf 1,73 Millionen Euro. Interessanterweise seien die Untersuchungen der Verwaltung auf Grundlage des Theater-Konzepts von 2007 erfolgt, erklärt Geschäftsführerin Cordes – so schlecht kann es also nicht gewesen sein.

 

Lorenz Deutsch, zuständig für das Thema in der FDP-Fraktion, sprach gegenüber „Meine Südstadt“ von einer „versäumten Chance“, die Landesmittel nicht anzunehmen. Dennoch befindet er: „Wer A sagt, der muss auch B sagen“ – der Stadtrat müsse die Sanierung der Orangerie nun eben aus städtischen Mitteln finanzieren, wenn er eine Finanzierung durch das Land ablehne. Da das Areal unter Denkmalschutz stehe, sei eine Sanierung irgendwann sowieso erforderlich und die Stadt komme um eine Finanzierung nicht herum. Das Argument der Verwaltung, die Gelder seien schlicht nicht verfügbar, kann Lorenz Deutsch nicht nachvollziehen: „Diese Argumentation kann man immer und bei allen Projekten anwenden“,  erklärte er, „es kommt halt darauf an, was man finanzieren will und
was nicht“.

 

Löcher in der Decke, schlechte Dämmung

 

Auch Ragna Kirck und Hiltrud Cordes halten nicht viel von dem Argument, die Stadt habe zur Sanierung kein Geld. „Selbstverständlich müssen die Gelder irgendwo anders dafür abgezogen werden“, sagen sie, „allerdings könnte man umgekehrt auch sagen: ‚Wenn die Gelder woanders hingehen, dann fehlen sie eben bei uns‘.“

 

Alle Befürworter einer Sanierung heben vor allem die Möglichkeit hervor, die Orangerie als Aufführungsstätte für den Tanz zu nutzen. Derzeit gebe es außer dort so gut wie keine Möglichkeit in Köln, Tanz aufzuführen. Ein Besuch in der Halle des Theaters zeigt, warum: Der Raum ist sehr hoch, außerdem lässt sich die Bühne individuell verschieben. Somit bieten sich hier viele Möglichkeiten, die sich in anderen Theatern ähnlicher Größenordnung nicht verwirklichen lassen.

Der Besuch der Halle zeigt aber auch den enormen Sanierungsbedarf: Ragna Kirck zeigt auf das Dach, in dem sich sichtbar mehrere kleine Löcher befinden. Bei Regen sind die Aufführungen nur sehr schwer akustisch nachzuvollziehen, weil das Dach kaum isoliert ist und aus Kunststoff besteht, wie man es von Lagerhallen oder Hütten in Entwicklungsländern kennt – was obendrein eine unzureichende Wärmedämmung des Theaters bedeutet.

 

Hiltrud Cordes bringt die derzeitige Situation des Theaters auf den Punkt: „Wir stehen auf Messers Schneide!“. Die eigenen Handlungsoptionen sind ausgeschöpft, jetzt sei die Politik am Zug. „Was mich stört, ist, dass inzwischen nicht mehr auf inhaltlicher, sondern nur noch auf politischer Ebene diskutiert wird“, konstatiert Dr. Cordes. „Traurig“ sei das, „wir haben alle Fraktionen eingeladen, sich hier zu informieren.“ Wahrgenommen hätten das vor allem die Vertreter von CDU und FDP. Ragna Kirck kritisiert die SPD: „Es wird von deren Seite aus ständig von ‚Folgekosten‘ gesprochen, die unkalkulierbar seien. Was genau das ist, erklärt aber nie jemand.“

 

Kulturelles Erbe bei knappen Kassen

 

Dr. Eva Bürgermeister, die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, beantwortete die Fragen seitens „Meine Südstadt“ zu dem Thema leider nicht. Ihr fehle dazu die Zeit, erklärte sie. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion „Bündnis 90 / Die Grünen“, Brigitta von Bülow, erklärte: „Das kulturelle Erbe unserer Stadt hat für mich als Kulturpolitikerin natürlich eine besonders hohe Bedeutung. Leider muss ich aber vor dem Hintergrund des hohen Sanierungsbedarfs und gleichzeitiger knapper Haushaltsmittel sehr gut abwägen, wohin Gelder fließen können.“ Die Grünen legten „sehr großen Wert“ auf den Tanz in Köln, was an zusätzlichen Geldern erkennbar sei, die auch auf Beschluss der Grünen für die Szene zur Verfügung stünden. Davon „sollte auch die Orangerie profitiert“ haben, erklärte von Bülow weiter.

 

Die CDU spricht von einer „vertanen Chance“. Katharina Welcker, Mitglied des Rates für die CDU, sagte vor dem Hintergrund der versäumten Landesförderung weiter: „Es fehlt nun an einer Perspektive zur Finanzierung dieses wichtigen Projektes, da die Kosten nun allein von der Stadt zu tragen sind.“ Grundsätzlich stünde die CDU der Entfaltung der Tanzszene sehr aufgeschlossen gegenüber: „Der Kunst einen Raum zu geben, sehen wir als eine der essenziellen Aufgaben der Politik.“

 

„Dann machen wir den Laden eben dicht!“

 

Was passiert, wenn allen Bemühungen zum Trotz die Orangerie nicht saniert und die Nutzungsgenehmigung eines Tages nicht verlängert wird?

„Dann machen wir den Laden eben dicht!“, sagt Hiltrud Cordes frei heraus. So weit möchte Ragna Kirck nicht gehen: „So weit wird es hoffentlich nicht kommen – das wäre ja ein Skandal“. Man solle über die Zukunft aber nicht spekulieren, das bringe nichts.

 

 

Mehr zum Thema finden Sie hier:

„Volksgarten: Ein Park in Bewegung“

„Soziales Grün – Gartentradition mit aktueller Bedeutung“

Text: Wassily Nemitz

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