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Familie

Schule und Corona: Es hängt vom Engagement der Lehrer*innen ab

Mittwoch, 3. Juni 2020 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Elke Tonscheidt

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

„Schön, dass du wieder da bist!“ Heißt es aktuell groß auf der Startseite der katholischen Grundschule KGS Mainzer Straße, die mitten in der Südstadt liegt. Normalerweise lernen hier 380 Kinder in 14 jahrgangsübergreifenden Klassen , fast alle besuchen den Ganztag. Bis im März 2020 alles anders wurde und die Schulen schließen mussten. Nun versucht man, sie wieder mit neuem Leben zu füllen. Da die Mainzer bereits „Digitale Schule“ und der Umgang mit digitalen Medien ein Schwerpunkt war, ging vieles einfacher. Dennoch hängt es momentan sehr vom Engagement der einzelnen Lehrer*innen ab, sagt Tina Kroes. Die 41-Jährige leitet die Grundschule seit sechs Jahren, und dass ihr Kollegium sehr jung ist – der Schnitt liegt bei etwa 33 Jahren – hilft. Außerdem sind 22 von 25 Lehrern zurück. Elke Tonscheidt sprach mit Tina Kroes über den neuen Alltag, der viel mit Padlets, Hygiene, Masken und Organisation zu tun hat und in dem Lehrer momentan nicht auf Augenhöhe arbeiten können. Sie hofft jedoch, „zum Ende des Kalenderjahres wieder auf Normalbetrieb fahren zu können“.

Frau Kroes, wie hat Sie die Schulschließung getroffen?
Ich hatte einen sechsten Sinn, habe drei Tage vorher zur Konferenz aufgerufen und einen Masterplan gehabt…

… so früh einen selbst entwickelten Masterplan?
Ja. Im ersten Schritt sah dieser noch nicht die digitale Arbeit von heute vor, sondern zunächst sind wir für einen Tag mit einem „Abholmarkt“ auf dem Schulhof gestartet, wo Eltern Material abholen konnten. Erstmals nahmen wir Ängste wahr, es gab panische Eltern – mit Maske, ohne Maske – andere sahen es locker. Natürlich gab es viele Fragezeichen, teilweise Unmut. Daraus ist gewachsen, dass wir uns sehr positiv aufgestellt haben. Unser Hintergedanke war: Gerade die Eltern müssen auch positiv an die Sache rangehen. Und dann war die Schule zu.

Und die Notbetreuung startete?
Ja, zunächst mit ganz wenigen Kindern. Erst kam nur ein einziges Kind, es kam ganz selbstverständlich jeden Tag, immer frohgelaunt. Und die Eltern haben sich bedankt. Es war toll. Dann kamen zwei, es wurden langsam mehr.

Und heute?
Angemeldet sind jetzt über 75, es kommen ungefähr 40, mal mehr, mal weniger.

Seit dem 7. Mai dürfen alle Kinder kommen.
Genau, jeden Tag sind jetzt Ende Mai etwa 100 Kinder hier. Plus die Kinder aus der Notbetreuung. Es gibt einen transparenten Plan, an welchem Tag die Kinder kommen. Und für jeden entfallenen Tag – es gibt ja einige Feiertage – nutzen wir den Freitag.

Was wird an Ihrer Schule, wie man sie früher kannte, bis zu den Ferien möglich sein?
Wenig. Das Unterrichten findet jetzt statt mit Abstandsregelung, sehr frontal. Kooperatives Lernen oder Gruppenarbeit kann nicht mehr stattfinden. Lehrer können nicht als Begleiter auf Augenhöhe arbeiten, weil wir die Distanzen immer wahren müssen.

Statt dessen gibt es was?
Ein Anleiten des Wochenplans. Der Präsenzunterricht kann erreichen, dass die Kinder für eine Woche gut vorbereitet sind, um die restliche Woche zu Hause arbeiten zu können. Wir versuchen so, etwas mehr Chancengleichheit herzustellen…

… so dass jedes Kind einigermaßen gleich startet, um den Wochenplan zu schaffen?
Genau, unser Ziel ist es, das zumindest ein bisschen zu verbessern.

Ein Freund sagte mir im März: Schule wird in den nächsten drei Jahren nicht wie früher stattfinden. Hat der Mann recht?
Ich bin keine Virologin, aber ein optimistischer Mensch. Ich hoffe, dass wir mit der Einschulung im Sommer so langsam zum Normalbetrieb in irgendeiner Form wechseln werden und zum Ende des Kalenderjahres hoffentlich wieder auf Normalbetrieb fahren können.

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Die 7 ist das hervorstechende Symbol im Eiscafé „Settebello“ auf der Alteburger Straße. ‚Sette’ heißt nämlich ‚sieben’ auf Italienisch und ‚…

Wie sehr hilft hier die Stadt bei der Digitalisierung?
Die Stadt hat uns mit 90 ipads ausgestattet und wir haben ein funktionierendes WLan. Das erleichtert sehr. Das Wichtigste ist: Das Kollegium hat sich immer wieder fortgebildet im Umgang mit digitalen Medien, sonst wäre es fast nicht zu stemmen.

Was wünschen Sie sich von der Stadt als Unterstützung?
Die Stadt könnte die Digitalisierung weiter vorantreiben. Wir sind da schon top ausgerüstet – noch einfacher wäre es, wenn die Stadt allen Kindern ein iPad zur Verfügung stellen könnte. Oder das Konzept erlaubte es den Kindern, mit ihren eigenen Endgeräten auch in der Grundschule arbeiten dürfen. Die Stadt könnte dafür sorgen, dass ich Konferenzen in Form einer Videokonferenz laufen lassen kann, die dem Datenschutz entspricht, so wie große Firmen es auch machen.

Das dürfen Sie nicht?
Es sind Sachen genehmigt worden, die nur auf meinem privaten Endgerät funktionieren und nicht auf den städtischen Rechnern. Das, was geht und was für alle niederschwellig funktioniert, ist nicht gern gesehen. Wir brauchen aber einfache Lösungen, um alle Kolleg*innen ins Boot zu holen. Das darf nicht zu kompliziert sein.

Hatten Sie als sog. „Digitale Schule“ verbesserte Ausgangsbedingungen?
Mit Sicherheit. Der ganze Prozess lief sehr viel schneller an. Letztlich war es, abends um acht, ein Telefonat mit meiner stellvertretenden Schulleiterin, da haben wir die Padlets entdeckt…

Ein Padlet ist…
… so etwas wie eine digitale Pinnwand, an der Texte, Bilder, Videos, Links und noch viel mehr gesammelt werden können. Hier finden die Kinder ihren Wochenplan, viele Aufgaben und natürlich besonders viel Interessantes, Lustiges, Schönes, Spannendes… 

Sonja Romahn (l.) und Tina Kroes mit Masken auf Abstand.

Und Ihre Stellvertreterin Sonja Romahn hat dann…
… nach einem Telefonat mit mir und einem kurzen Brainstorming in der Nacht noch ein Padlet erarbeitet. Und zwei Tage später hatten wir für alle die Padlets stehen. Und mit Stolz sehe ich, dass einige Schulen das, was wir tun, nun auch machen und unsere Daten abgreifen.

Es hängt offenbar sehr vom Engagement der Lehrer ab?
Ja! Es gab keine Vorgaben und im Grundschulbereich wenig digitale Unterstützung. Wir haben keinen ITler, wir haben nicht mal alle, außer den Schulleitungen, einen Stadt-Köln-Zugang. Wir machen alles auf unseren privaten Geräten.

Ihre Website macht gerade jetzt zur Krisenzeit viel Hoffnung. Auch das Werk privaten Engagements?
Auch das macht meine Stellvertreterin federführend. Wir liefern Texte und sie stellt alles ein. All das funktioniert nur, weil es Kolleg*innen gibt, die mit so viel Engagement unterstützen.

Was tun Sie, um auch analog in Kontakt zu bleiben?
Wir sind froh, diesen digitalen Schritt gewagt zu haben. Wir wollen jedoch noch Menschen hinter der Digitalisierung sehen, immer wieder vermitteln: Selbst wenn Ihr uns nicht live seht, sind wir für Euch da. Deshalb gibt es eine Fensterausgabe, werktäglich von neun bis zwölf Uhr.

Wie ein Büdchen zum Hallo sagen?
Genau, hier kann man Material abholen oder erzählen, wer was gerade auf dem Herzen hat. Einige nutzen es, um mal zu quatschen. Unsere Sekretärin kann Gespräche vermitteln, aber auch ich oder andere Kollegen, die greifbar sind, sind da vor Ort Ansprechpartner.

Wie geht es den Kindern in der Coronazeit?
(überlegt länger) Ich hoffe, allen geht es gut. Ich glaube, dass es vielen hier an meiner Schule sogar sehr gut geht – es ist aber eine Luxussituation. Und auch hier in der Südstadt haben wir gemerkt, dass im Laufe der Zeit viele Familien grenzwertig belastet waren – die Kinder zu Hause mit Unterrichtsstoff zu versorgen und gleichzeitig dem Job nachzugehen, also zwischen Telefonkonferenzen den Kindern Matheaufgaben zu erklären, ist nicht das Einfachste. Wir haben auch nicht zu allen Kindern Kontakt halten können, obwohl wir teilweise hingefahren sind.

Schule ist doch wichtiger als manche dachten?
Schule ist ein Lebensraum, ein ganz großer Abschnitt, viel mehr als das reine Pauken. Es ist wie ein Zuhause. Das sind so wichtige Sozialkontakte. Man nimmt Kindern sehr viel weg, wenn man sie nicht mehr zur Schule lässt.

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„Ich nehm‘ jetzt mal ganz langweilig einen Caipi“ – ein Satz, der gelegentlich im Haifischclub fällt. Denn die Auswahl ist riesig, aber auch…

Hatten Sie persönlich viele schlaflose Nächte?
Tatsächlich erstaunlich wenige; ich habe ein toll funktionierendes Team, ja, es war mal wuselig und wird es auch immer wieder, vor allem wenn die Landeregierung Neuigkeiten verkündet.

Wie bekommen sie die Informationen?
Per Mail vom Landesministerium für Schule und Bildung – und zwar dann, wenn auch alle anderen informiert werden: Erst wenn eine offizielle Presseerklärung raus geht, werden auch wir informiert. Das ist manchmal sehr befremdlich und oft so ein bisschen in die Glaskugel schauen, weil wir als Grundschule einiges für uns runterbrechen müssen. Was für andere angeordnet wird, gilt irgendwann auch für uns.

Was ist das Schönste momentan an Ihrem Job?
So selten zu hören: Schule ist Mist. Hinter der Maske sehen wir die strahlenden Augen wissbegieriger Kinder und viele dankbare, jetzt wieder gelöstere Eltern. Um Ostern, als es keine Gespräche auf offener Straße gab, da war es schwieriger. Jetzt kehren wir so langsam zur Normalität zurück und das gibt Sicherheit.

Haben Sie noch einen Wunsch, bräuchten Sie mehr Lehrer?
Nein. Aber kleinere Schulen als unsere kommen vermutlich ans Limit. Ich könnte sogar theoretisch zwei Schichten bedienen, es hapert dann aber an den Hygienemaßnahmen.

Weil zu wenig geputzt wird zwischendurch?
Ja.

Sonst hätten Sie genug Kapazität, um zum Beispiel vor- und nachmittags zu beschulen?
Ja, haben wir. Die Frage ist, wie hoch dann die Belastung in der Lehrerschaft wird. Denn das Arbeitspensum ist schon ein sehr hohes aktuell, auch wenn sie aktuell weniger unterrichten…

Weil?
… die Padlets vorbereitet werden müssen, weil andere Kontaktmöglichkeiten zu Familien ausgewählt werden müssen, weil es trotzdem Rückmeldungen zu geleisteten Aufgaben geben muss und das Distanzlernen weitergeht. Im Schnitt unterrichten die Vollzeit arbeitenden Lehrer zwei bis drei Tage hier plus bis zu zwei Tagen in der Notbetreuung. Insgesamt ist es viel viel mehr Organisation als sonst.

Vielen Dank für das Gespräch!

Text: Elke Tonscheidt

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Kommentare

  • Susanne Ferrari sagt:

    Meine Tochter geht auf diese Schule und hat zugleich einen Anspruch auf Förderung. Fakt ist, dass seit Mitte März alle Lehrer abgetaucht sind und nur noch Aufgaben per Mail verteilen, ohne Frage und Antwort zu stehen. Padlets – wie lächerlich: nichts Anderes als Schulaufgaben online zum Download zur Verfügung zu stellen. Interessant in diesem Zusammenhang die Äußerung der Direktorin: „Die Stadt hat uns mit 90 ipads ausgestattet und wir haben ein funktionierendes WLan. Das erleichtert sehr. Das Wichtigste ist: Das Kollegium hat sich immer wieder fortgebildet im Umgang mit digitalen Medien, sonst wäre es fast nicht zu stemmen.“ WOW!!! Davon merken nur sie Schüler nichts. Was ist mit dem Bildungsauftrag?

  • E.T. sagt:

    Hallo Frau Ferrari, ich habe Sie via Facebook kontaktiert, würde gerne mit Ihnen sprechen. Als ich das Interview geführt habe, hatte ich Gelegenheit eine Mutter, die ihr Kind aus der Betreuung abholte, zu fragen, sie war zufällig wie ich vor der Eingangstür und ich habe sie ganz bewusst gefragt: Sie war zufrieden. Also in dem Rahmen, in dem wir Eltern momentan zufrieden sein können… Ich kenne Schulen, da sieht es ganz anders aus. Aber natürlich nehme ich Ihren Einwand ernst und möchte gern mehr erfahren! Danke für Ihre Kontaktaufnahme.

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