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Politik

Severinstraße: Eine Marke schaffen

Freitag, 19. September 2014 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Am Wochende feiert das Vringsveedel wieder den „längsten Desch“, ein Fest auf der Severinstraße, bei dem die Ladeninhaber ihre Geschäfte nach draußen verlegen – die Besucher können gucken, quatschen, shoppen, ganz direkt und im Vorbeigehen oder gezielt und ohne durch Türen zu müssen. Der längste Desch ist eine von fünf Veranstaltungen jährlich, die das Veedelsmanagement bzw. die Interessengemeinschaft Severinstarße, ein Zusammenschluss aus mehr als hundert Gecshäftsinhabern organisiert. Die Straße erholt sich -von Erscheinungsbild und Gesamtatmosphäre- nur langsam von U-Bahn-Bau und Archiveinsturz, doch der Zusammenhalt unter den Gewerbetreibenden und Anwohnerschaft wächst, es entwickelt sich ein Mikrokosmos, eine Art Marke Vringsstrooß. „Meine Südstadt“ sprach darüber mit Veedelsmanager Jörg Aue.

 

Meine Südstadt: Herr Aue, wie geht es der Severinstraße fünf Jahre nach dem Archiveinsturz?
Aue: Naja, zufrieden ist man als Geschäftsmann nie. Man ist immer getrieben von der Absicht, den Wünschen der Kunden zu entsprechen. Aber grundsätzlich nehme ich auf der Severinstraße seit zwei Jahren Indikatoren für eine Trendwende wahr. Seit 2013 haben hier 18 neue, inhabergeführte Geschäfte aufgemacht. Zurückgegangen ist die Zahl der Filialisten. Dieser Trend hält an. Mittlerweile haben wir 150 Fachgeschäfte auf der Severinstraße.

Also ist die Straße auf dem Weg zur Genesung?
Ja, aber der Weg ist lang. Der Einsturz war schmerzlich und hat Existenzen vernichtet. In den Jahren danach ist viel Schicksalhaftes passiert. Aber wir haben auch gesagt, dass dies eine Chance für einen Neuanfang sein kann. Wir hoffen jetzt auf die Teilinbetriebnahme der Nord-Süd-Bahn, die bestimmt noch mehr Kunden auf die Severinstraße bringt. Aber ich warne vor einer Goldgräberstimmung und einer Immobilienblase mit den entsprechend hohen Mieten. Der Aufschwung wird sich langsam vollziehen. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Hat sich die Neugestaltung der Severinstraße bewährt?
Wir als Interessengemeinschaft haben damals unsere Wünsche eingebracht. Man kann sagen, dass die Menschen den Boulevard-Charakter der Severinstraße sofort angenommen haben. Viele Geschäftsleute haben ihre Performance auf die Straße geholt. Und man hat hochwertige Materialien verbaut. Italienische Steine an Stelle von Grauwacke und sehr schöne Poller.

Worin besteht der Anteil der Interessengemeinschaft und des Veedels-Managers am wachsenden Erfolg der Severinstraße?
Wir führen im Jahr fünf große Veranstaltungen durch. Das ist der längste Desch, der am kommenden Wochenende stattfindet, der Karneval und drei verkaufsoffene Sonntage. Wir kümmern uns um die Mitgliedergewinnung. Mittlerweile zählt die IG 130 Geschäftsleute. Gemeinsam mit der „Lobby für die Südstadt“ und der ABC-Initiative der Geschäftsleute am Chlodwigplatz und rund um die Bonner Straße bilden wir ein Aktionsbündnis, das auch in den politischen Raum wirkt, um den Händlern bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Im Vorstand der IG sitzen sieben Leute, die aufgrund ihres beruflichen Hintergrundes eine große Bandbreite an Wissen mitbringen. Nehmen Sie nur Stephanie Fox-Bluhme, deren Familie in vierter Generation ihr Geschäft an der Severinstraße betreibt. Wenn ich eine Frage zum Einzelhandel habe, bekomme ich da eine geballt kompetente Antwort, die sich auf viel Erfahrung stützt. Und wir kümmern uns um scheinbare Kleinigkeiten wie Ordnung und Sauberkeit. Die Severinstraße ist unser Wohnzimmer. Und das muss gelegentlich gesaugt werden.

 

Und Ihr persönlicher Beitrag?
Ich entwickele mit anderen gerade ein Markenleitbild für die Severinstraße, das Ende des Jahres vorgestellt wird. Wir haben intensiv darüber nachgedacht, was wir können und was nicht und werden uns dementsprechend als Marke positionieren. Darüber hinaus berate ich Einzelhändler, die sich auf der Severinstraße ansiedeln wollen. Mit manchen bin da über Jahre in Kontakt. Und dann bin ich ja nicht nur Veedels-Manager, sondern auch Mitglied im Vorstand der IG. Damit bin ich ganz oft nach 18 Uhr für meinen Arbeitgeber ehrenamtlich tätig.

Was unterscheidet die Severinstraße von anderen Einkaufsstraßen?
Auffällig ist, dass hier besonders viel Kölsch gesprochen wird. Das fällt sofort auf, wenn ich beispielsweise bei Hembsch meinen Fisch kaufe. Und sonst? Im Internet einkaufen kann jeder. Unsere Geschäftsleute punkten mit der Beratung. Und die Kunden wissen, dass sie hier genau das bekommen, was drauf steht. Besonders ist auch das südländische Flair, das man auf den vielen kleinen Plätzen spürt. Es macht Spaß, hier zu leben.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Stefan Rahmann

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