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Kultur

Trompeter erhält Literatur-Stipendium

Montag, 5. November 2012 | Text: Jasmin Klein | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Am Mittwoch, 07.11.2012 um 20 Uhr wird Julia Trompeter im Literaturhaus vom Oberbürgermeister das mit 10.000 Euro dotierte Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium verliehen. Der Eintritt ist frei, es gibt eine Lesung und einen Umtrunk. Ich habe mich bereits letzten Freitag mit ihr im Café des Museum Ludwig getroffen.

 

Dank des Brückentags ist das Café gerappelt voll. Trotzdem erkenne ich ihr fein geschnittenes Gesicht, das ich im Internet ergoogelt habe, bereits nach wenigen Sekunden. Wegen des hohen Lärmpegels gehen wir zum Interview lieber in das Foyer des nahe gelegenen Domhotels. Wir sind uns gleich sympathisch und duzen uns. Die 32jährige Doktorandin, die gerade an der Uni Bochum zum Thema ‚Aspekte der Dreiteilung der Seele bei Galen und Platon’ promoviert, kommt genau wie ich aus einem kleinen Dorf, studierte genau wie ich Philosophie und Germanistik, aber im Gegensatz zu mir schreibt sie preisgekrönt. Ich gratuliere ihr gleich zu Beginn des Interviews zu ihrem Stipendium. Apropos:

Meine Südstadt: Was bedeutet es, wenn man das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium erhält?
Julia Trompeter: Zuerst mal eine Menge Presserummel, 10.000 Euro, eine öffentliche Preisverleihung und eine Lesung. Das Wichtige aber ist, dass ich im Moment das Gefühl habe, dass etwas in Bewegung gerät und ich mehr Selbstbewusstsein bekomme. Mein Buch muss jetzt endlich fertig werden. Ich muss das nicht nur an zwei, drei Verlage schicken, sondern an 35, einfach, weil es Leute gibt, die das schätzen, was ich mache. Dann sollte damit auch etwas passieren. Letztendlich ist das Stipendium eine schöne Anerkennung. Und das Geld kann ich sehr gut gebrauchen.

Dein Roman ‚Die Mittlerin’ wird immer wieder in Berichten über Dich erwähnt, aber es gibt ihn noch nicht?
Er ist zu 80% fertig. Ich habe noch keinen Verlag, aber einige Kontakte zu Verlagen. Der Roman ist nicht autobiographisch, aber natürlich fließen Aspekte meines eigenen Lebens da mit ein. Zumindest, was die Grundsituation der Protagonistin angeht.

Wie schafft man es, Aufmerksamkeit zu bekommen, ohne ein Buch veröffentlicht zu haben?
Öffentlichkeit habe ich stets über Präsenz und Lesungen hergestellt. Ich habe seit Jahren immer wieder Auftritte, mit den Sprechduetten, mit Gedichten, und jetzt eben auch mit der Prosa gemacht. Das Lesen vor Publikum, das ist mir ganz wichtig und wird es auch bleiben. Übers Internet habe ich viel gemacht, im „Forum der 13„, das ist ein Forum für Lyrik und Literatur, dann habe ich für www.einseitig.info lange Zeit Kolumnen geschrieben. Es gibt den „Poetenladen„, der ist wie ein Lexikon der zeitgenössischen Lyrik: Jeder, der etwas vorweisen kann, hat ein Profil auf dieser Seite. Es gibt dort ca. 400 junge Autoren. Das ist schön, um zu sehen, was die anderen machen; man schaut dort nach, wer was gewonnen oder Neues veröffentlicht hat.
Ich habe auch eigene, kleine Büchlein gedruckt, weil ich auch etwas in der Hand haben wollte. Das hat den Vorteil, dass man sie so gestalten kann, wie man es möchte. Auf Poetry Slams war ich auch schon. Das ist eine Wettbewerbssituation, die Leute sind zum Teil sehr jung, man braucht den Lacher auf seiner Seite, dann hat man die besten Chancen, aber das ist nicht ganz meine Sache.

Gibt es bei Deinen Arbeiten ein Grundthema?        
Zwischenmenschliche Beziehung im weitesten Sinne, Bewegung. Gerade in Gedichten ist es mir wichtig, einen gewissen Gestus zu erzeugen und dass man woanders raus kommt als dort, wo man eingestiegen ist.

Hast Du Freunde, die auch schreiben, mit denen Du Dich austauschst?
In Berlin hatte ich einen Stammtisch in Neukölln und eine Lyrikgruppe. Das hört sich an wie ein Psychoverein, aber da sind schöne Arbeiten entstanden. Es gibt dort eine rege Literaturszene, da konnte ich mich mit vielen Leuten austauschen. Viele von denen haben Förderungen und Preise erhalten und den Wunsch, vom Schreiben leben zu können. Die meisten haben schon einen eigenen Band draußen. Das ist ein großes Ziel von mir, jetzt endlich auch ein Buch rauszubringen. Ein Schriftsteller ohne Buch, das ist doch irgendwie absurd.

Wie schreibst Du? Morgens, abends, am Stück, überall, oder nur in bestimmten Situationen?
Ich schreibe am liebsten am Computer und habe da keine festen Zeiten. Momentan arbeite ich in Bochum an der Uni und habe lange Fahrtwege, da schreibe ich auch schon mal im Zug. Eigentlich kann ich überall schreiben, wenn es nicht zuviel Ablenkung gibt. Nicht täglich, aber im Kopf bin ich immer damit beschäftigt, und das ist wichtig, damit ich die Sache nicht aus den Augen verliere.

Ein Kritiker lobte Deine Prosa als ‚Thomas Bernhard reloaded’. Was hat Thomas Bernhard Dich gelehrt?
Thomas Bernhard war der Impuls und die Initialzündung für mein prosaisches Schreiben, konkret für den Roman ‚Die Mittlerin’, aber auch generell für den Roman. Ich habe immer Lyrik geschrieben, mich auch an Kurzgeschichten versucht und gedacht, lange Texte seien nichts für mich.  Bis ich Thomas Bernhard gelesen und gemerkt habe, dass es eine Sorte Prosa gibt, die sich selbst weiter peitscht. Ich habe sein Buch ‚Ja’ gelesen und hatte das Gefühl, das ist so atemlos, es trägt sich von Satz zu Satz weiter, man kann gar nicht aussteigen, man steigt in einen Zug und es geht bis zum Ende so weiter. Das fand ich sehr faszinierend. Und dann kam der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass das auch beim eigenen Schreiben funktioniert. Wenn man einen starken Rhythmus in seine Sätze bringt oder sich das iterative, wiederholende, was Bernhard hat, aneignet, dann ist es plötzlich nicht mehr anstrengend, längere Sachen zu schreiben. Bernhard hat mich ein bestimmtes Gefühl zu schreiben, gelehrt. Diesen atemlosen Gestus, das Sichvoraustragen, Eigendynamik zu erzeugen finde ich super.

Was rätst Du jungen Autoren?
Vielleicht macht es Sinn, am Anfang die eigenen Sachen Vertrauenspersonen zu zeigen und sich nicht gleich auf große Bühne zu stellen – es sei denn, man hat soviel Selbstbewusstsein, dass man damit zurecht kommt, wenn hinterher Leute sagen: Das gefällt mir nicht. Das Schlimmste wäre, wenn sich jemand in frühen Jahren davon abschrecken ließe und dann sagt, ‚ich kann das nicht, ich schreibe nie wieder’.
Ansonsten rate ich: Einfach Selbstvertrauen haben, viel schreiben, immer weiter machen, auch zulassen, dass sich was verändert. Verschiedene Sachen ausprobieren, viel lesen, nicht auf sich selbst fixiert sein, zu Lesungen gehen, interessiert sein. Damit fängt es an.

Gibt es genug Literatur-Wettbewerbe? Welche sind die wichtigen?
Ich habe einige Freunde in Berlin, die können von ihren Büchern nicht leben. Die leben davon, dass sie alle ein bis zwei Jahre durch ein Stipendium oder einen Preis ihr Geld bekommen. Davon kann es also gar nicht genug geben, denn das ist, was viele Schriftsteller am Leben erhält. Aber das kann einen auch überfordern. Wenn man sich in solchen Kreisen bewegt und den Eindruck gewinnt, alle um einen rum gewinnen Preise und man selbst geht ein paar Jahre lang leer aus, dann ist es ganz schwierig, das nicht persönlich zu nehmen und auf das eigene Schreiben zu übertragen. Das muss man auch lernen. Es ist auch sehr schön, so geehrt zu werden. Ich habe mich wahnsinnig über das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium gefreut, ein tolle Sache, aber ich darf jetzt nicht erwarten, dass das so weitergeht. Andere wichtige Preise sind der Leonce-und-Lena-Preis mit 8.000 Euro, der Ingeborg-Bachmann-Preis mit 25.000 Euro und der Oskar-Pastior-Preis, das sind 40.000 Euro. Das ist der fetteste, den man so kriegen kann.

Darf man in Köln leben als Autor? Muss man nicht nach Berlin?
Ich bin wegen meines Uni-Jobs nach Köln zurück gekommen. Die drei Jahre in Berlin habe ich sehr genossen, viel gemacht.
Köln ist für mich Heimat. In Berlin hätte es noch Jahre gebraucht, um ein ähnliches Gefühl zu entwickeln. Aber rein von der ganzen Szene war Berlin für mich super. Es hat total viel in Gang gesetzt. Der Text ‚Die Mittlerin’ hat beim Open Mike ein gutes Echo gefunden, da war ich unter den 20 Besten, es gab einen Workshop und eine große Lesung mit ein paar hundert Leuten.
Es gehen viele aus Köln nach Berlin. Köln muss wirklich etwas tun, um attraktiv zu sein, damit die Leute hier bleiben. Köln hat mir das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium zum genau richtigen Zeitpunkt gegeben, um zu verhindern, dass ich Frust ansetze. Ich habe aber auch schon vor, mich hier mehr einzumischen. Den Kopf in den Sand zu stecken und rumzujammern, dass es in Berlin besser ist, bringt halt auch überhaupt nix.

Was verbindest Du mit der Kölner Südstadt?
Meine bisherigen Beziehungspartner haben beide in der Südstadt gelebt. Die Südstadt ist das Herz von Köln und strahlt sehr viel Kölner Atmosphäre aus. Wenn ich an die Südstadt denke, fällt mir zum Einen sofort der Veedelszug ein. Schön ist auch, dass es dort noch schöne, alte Bausubstanz gibt. Ich habe eine Geschichte über die Lotta geschrieben, die erschien im ‚Kölner Kneipenbuch’ von Dumont.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mittwoch, 07.11.2012 um 20 Uhr: Im Literaturhaus findet die Preisverleihung durch den Oberbürgermeister der Stadt Köln statt. Anschließend gibt Julia Trompeter Einblicke in ihre Lyrik, liest aus ihrem Roman „Die Mittlerin“ und stellt gemeinsam mit Xaver Römer Sprechduette vor.
Im Anschluss lädt die Stadt Köln zu einem Umtrunk ein.
Eintritt frei.

Literaturhaus Köln
Schönhauser Straße 8
50968 Köln
 

Text: Jasmin Klein

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