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Kultur

Von der Bruchbude zum Schmuckkästchen

Montag, 10. September 2018 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Oskar Lüke

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Musikhaus Süd eröffnet

Als ich das Gebäude zum ersten Mal erblickte, dachte ich mir: Aha, ein Spielplatz mit Toilettenhaus. Vielleicht ein bisschen überdimensioniert, aber eigentlich ein netter Service. Inzwischen schaue ich seit rund dreißig Jahren von meinem Schreibtisch aus auf das Haus auf dem Spielplatz an der Eiche und durfte ihm währenddessen beim Verfall zuschauen. Dass es sich natürlich nicht um ein WC handelte, war schnell klar, aber wozu es dann diente, erschloss sich mir auch nicht. Vorübergehend prangte ein Schild der AWO neben dem Eingang, die da nachmittags Jugendliche betreute, aber seit mindestens zehn Jahren tat sich da absolut gar nix mehr. So zeigte das Gebäude zunehmend Spuren von Vandalismus und Zersetzung. Ein Blick durch die verdreckten Fensterscheiben vermittelte auch im Inneren: Tristesse pur, Schimmelbildung inklusive. Und die Stadt Köln, Eigentümerin der Immobilie, schien keine Pläne zu haben, als dies geschehen zu lassen.

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Licht, hell, minimalistisch

Doch seit einigen Wochen erstrahlt die einstige Ruine in sattem Rot und heißt jetzt Musikhaus Süd. Gestemmt hat das kleine Wunder die Pianistin Franziska Erdle, die auch seit 20 Jahren die Klavierschule Süd am Ubierring betreibt und sich im vergangenen Jahr an den Umbau gewagt hatte. Als ich am Donnerstag letzter Woche das frisch kernsanierte Gebäude erstmals betrat, verblüffte mich sofort die lichte Deckenhöhe, die ich in der Hütte nicht erwartet hatte. Der große Raum im Erdgeschoss lässt sich durch mobile Wände von drei Unterrichtszimmern in einen Konzertsaal verwandeln, in dem vielleicht kein Symphonieorchester aber jedes Kammermusik-Ensemble plus Publikum Patz findet. Und eine Location für klassische Live-Musik gab es schließlich bislang in der Südstadt noch nicht.

Das Dachgeschoss, das neben den beiden im Erdgeschoss einen weiteren Konzertflügel beheimatet, betritt man nun nicht mehr wie früher über eine Treppe an der Außenwand des Gebäudes sondern über einen breiten Aufgang im Inneren. Das marode Dachgebälk wurde komplett saniert, bzw. ausgetauscht, die Böden glänzen in hellem Holz und überhaupt ist das ganze Haus minimalistisch und überaus geschmackvolll eingerichtet.

Bauzeit: Eingehalten!“

Irgendwo lärmte am Donnerstag noch ein Handwerker im Haus, aber ansonsten war alles bereit für die Eröffnung am Samstag. Dass sich da nochmal irgendein Experte für eine Überprüfung angekündigt hatte, bereitete Franziska Erdle nicht wirklich Kopfzerbrechen. „Eigentlich ist hier alles längst abgenommen“, erklärte sie mit einem Schulterzucken.
Der Herr hatte dann offenbar auch keine Einwände, so dass die offizielle Eröffnung am Samstag in gänzlich entspannter Atmosphäre über die Bühne ging. Neben Freunden, Dozenten und Schülern der Klavierschule hatten sich auch viele Anwohner eingefunden, die die ehemalige Ruine vor ihrer Tür einfach mal in Augenschein nehmen wollten. Drinnen gab es Live-Musik, aber keine wohlmeinenden Sonntagsreden von Vertretern der Stadt. Schließlich hat Erdle das Projekt mit ihren Mitstreitern ohne Zuschüsse der Öffentlichen Hand durchgezogen.

So blieb es der Hausherrin überlassen, in einer emotionalen Rede all den vielen Helfern zu danken, die sie während der Umbauphase in unterschiedlichen Formen unterstützt hatten. Die Namensliste war in ihrer Länge dem Abspann eines Hollywood-Blockbustern würdig und endete bei Erdles Neffen Jonas, der als Bauleiter fungiert hatte. Und der hat fraglos einen guten Job gemacht. Schließlich ging der komplette Umbau in weniger als einem Jahr über die Bühne. Wäre die Stadt hier federführend gewesen, wären in dem Gemäuer vermutlich noch immer irgendwelche Gutachter unterwegs, ohne dass da bislang ein Handwerker einen Hammer in die Hand genommen hätte.

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Neue Attraktion im Veedel

Offiziell betrieben wird das Haus durch den im Januar gegründeten, gemeinnützigen Verein Musikhaus Süd e.V., dessen Vorsitzende Ruth Vogt bei der Eröffnung um weitere Mitglieder warb. Schließlich ist der Verein nicht nur für die Betriebskosten des Hauses zuständig, sonder fungiert auch als Veranstalter der öffentlichen Konzerte und sonstigen Aktivitäten rund um das Haus. Die Südtstadt ist um eine kulturelle Attraktion reicher.

Text: Reinhard Lüke

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