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Kultur

„Zwischen Mensch und Welt ist eine Mattscheibe“

Montag, 14. November 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Lilian Szokody

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Nach diesen und weiteren Worten lässt uns der Concierge auf  Ebene 6  den Raum „White Dreams“ – dead flowers in the sea“ betreten. Ein androgyner Tänzer mit asiatischem Make-Up tanzt auf einem langgezogenen, strahlend weißen Dachboden mit strahlend weißem Gesicht durch den Raum. Seine Bewegungen zwischen zwei Scheinwerfern wirken perkussiv – und das zu perkussiven Klängen aus der Steckdose und auch zu tief berührenden Tönen, aus dem eigenem Mund. Der Tänzer schwebt, er zuckt und rollt zwanghaft, auf allen irdischen Ebenen und saugt wie ferngesteuert, einem Gespenst gleich, das nicht greifbare Leben mit überirdisch klingender Stimme singend in sich hinein. So zieht es, sich selbst mit metaphysischen Klangteppichen und Tanzbildern begleitend, an den Zuschauern vorbei, die rechts und links an der Wand stehen und gewissermaßen als Arkaden dienen. Wir sind zu Gast im Kunsthaus Rhenania, wo im wahrsten Sinne des Wortes auf allen sechs Ebenen (sprich: Stockwerken) Theater gespielt wird: „Roomservice – Theatrale Erlebnisräume“ heißt das Projekt des Kölner Choreographen Gregor Weber in Kooperation mit den Künstlern des Kunsthauses und der Theaterakademie Köln.

„Theatrale Erlebnisräume“ Foto: Karsten Mühlhaus

Zurück ins Stück. Ein Kontrastprogramm zu Ebene 6: Auf Ebene 5, der Raum „Leider Gewonnen“. Dort bekommt jeder von der Concierge nach geleisteter Ansprache einen handgeschriebenen Zettel: „Schöne Altbauwohnung mit Loftcharakter, 79 qm, Rheinblick, € 550 kalt.“ Man betritt den Raum also als potentielle Wohnungsanwärter/innen. Das vergisst man aber sogleich, denn ein streitendes Pärchen ist gerade im Begriff, sich gegenseitig zu erschießen. Und auf dem Boden liegt sehr viel Geld. „Was würdest du mit einer Million Euro machen?“ heißt die leutselig in die Runde geworfene Frage der Protagonisten, die dafür ihren existentiellen Streit vordergründig kurz unterbrechen.

Ebene 4. Hier kommt jede Menge multimedialer Zierrat zum Einsatz: leuchtende Buchstaben die über den Boden laufen, fünf Lautsprecherboxen und zwei Laptops – als Ergänzung zur analogen Darstellungskunst einer Flötistin und eines rezitierenden Schauspielers –  verdeutlichen den für die Menschheit irreführenden und verheerenden, digitalen Taifun. Hier stehen eindeutig Musik und Geräuschkulisse, live ebenso wie digital, im Vordergrund.

Auf Ebene 1 begibt man sich, zusammen mit einem zu Herzrhythmen tanzenden Paar, bewaffnet mit einer Leinwand, einem Camcorder, einem Beamer, Mikrofonen, einem Tontechniker und einem Ultraschallgerät auf die Suche: Welchen Inhalt haben die Herzen der Menschen? Man hört und sieht es klopfen. „Ein Leben ohne Herz ist nicht möglich, wohl aber ein Leben mit einem künstlichen Herzen“: So schallt es dem Besucher synchron gesprochen und formativ getanzt entgegen.

 

Room Service lockte viele Besucher zur 12. Staffel ins Kunsthaus Rhenania. /Foto: Karsten Mühlhaus

Ein sehr abwechslungsreicher „Roomservice
Gänzlich bedienen lassen, kann man sich aber nicht. Das Menü à la carte, ist interdisziplinär. Die durchdringende Klingel, einmal kurz, einmal lang,  Und überhaupt, so sagen die Türhüter beiläufig, falls Ihnen der philosophische Text, den Sie gerade gehört haben, zu schnell war, dann fragen Sie doch nach der Vorstellung noch mal nach… Jeder Besucher erhält eine von zwei verschiedenen „Laufkarten“. Das heißt: Die sechs Ebenen, falls man zu zweit kommt, erlebt man an diesem Theaterabend getrennt. Man kann sich zudem auf jeder Ebene zwischen zwei Räumen entscheiden – um dann einen Beitrag in einer der Performances zu leisten. So wandert man von der einen zu einer radikal anderen Atmosphäre durch alle Stockwerke des Kunsthaus Rhenania und verweilt entscheidungs- und bewegungsfreudig mal hier mal dort. Die Performances dauern fünf bis zehn Minuten. Wer alle 25 „Räume“ bzw. Performances erleben will, der muss wiederkommen – erhält aber einen Rabatt. Einen gemeinsamen, kontemplativ gestalteten Abschied, gibt es gratis dazu. Die Möglichkeit, sich als  klassisch konditioniert, nach einem nicht klassischen Theaterabend wiederzufinden, ist gegeben, trifft jedoch nicht zwingend ein. Aber immer noch besser, als vor der Mattscheibe zu hängen .

Isabel Hemming

 

 

Die erste Staffel von ROOM SERVICE war 2004 nominiert für den Kölner Tanzpreis. Seit dem wird das Projekt mindestens einmal pro Jahr in Köln gespielt.

Wir dürfen auf die 13. Folge gespannt sein.

 

 

Text: Gastbeitrag

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