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Kultur

Berlinale-Süd #8 – Sahnetorte für Wookie Chewbacca

Samstag, 15. Februar 2014 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: J.C.Schillmöller

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Das war nochmal ein sehr ereignisreicher Tag in Berlin: Um 19 Uhr eine große Portion Glamour und Kitsch bei der Weltpremiere von „La Belle et la Bête“ im Berlinale-Palast. Wir sind überrascht: Was macht Yvonne Catterfeld da auf dem roten Teppich so lange an der Seite von Léa Seydoux, der Hauptdarstellerin? Die Antwort: Yvonne Catterfeld spielt tatsächlich mit. Zehn Minuten lang posieren beide Frauen vor den Kameras da draußen – wir können das Geschehen drinnen auf einer kleinen Leinwand mitverfolgen.
 
Der Film selbst ist eine opulente Sahnetorte mit Zuckerguss in allen Farben. Überall perfekt schöne Rosen, rauschende Kleider, große Gefühle und ein vollkommen ungetrübtes Happy-End. Offenbar haben die Filmdesigner nur eines übersehen, nämlich wem das Biest auf der Leinwand ähnelt: Dieses Biest sieht aus wie Wookie Chewbacca, der zottelige Ko-Pilot aus „Krieg der Sterne“. Allerdings spricht das Biest – anders als der sentimental röhrende Chewbacca – geschliffenes Französisch. Mehr ist zu dem Film nicht zu sagen.
 
Dafür zum Rest des Tages, zum Beispiel zum Termin um 14 Uhr 30 in den Hackeschen Höfen in Berlin-Mitte. Auch hier gibt es ein Kino, und auch hier laufen diese Woche viele Filme. Trotzdem ist das kein Berlinale-Spielort. Vielmehr laufen Screenings der „AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater“. Sprich: hier schauen sich zum Beispiel Kinobetreiber Filme an, damit sie nicht „die Katze im Sack kaufen“, sondern auf der großen Leinwand sehen können, was dann demnächst in ihrem Kino laufen soll.
 
Das mit der „Katze im Sack“ sind die Worte von Jürgen Lütz: Er ist Geschäftsführer des Odeon-Kinos in der Kölner Südstadt und Inhaber von zwei Filmverleihen. Wir sitzen im Foyer im dritten Stock der Hackeschen Höfe, und Jürgen Lütz ist mit zwei Filmen seiner Firma „“Film Kino Text“ nach Berlin gekommen.
 
Der erste heißt „Like Father, like Son“, stammt von Hirokazu Kare-eda und erzählt die folgenreiche Geschichte einer Verwechslung zweier Kinder bei der Geburt. Der zweite heißt „Mitgift“, eine Langzeit-Dokumentation über Ostdeutschland und die Umweltsünden dort, von kurz der Wiedervereinigung bis ins Jahr 2013. Der erste Film kommt im Herbst, der zweite schon Anfang März ins Kino.
 
Die Berlinale-Woche heißt für Jürgen Lütz Stress. Denn eigentlich tanzt der Mann auf drei Hochzeiten: Nummer eins findet hier in den Hackeschen Höfen statt, wo geklärt wird, welcher Film in welchem Kino laufen wird. Da geht es um gut 40 Produktionen. Die zweite Hochzeit ist der „European Film Market“ im Martin-Gropius-Bau. Das ist sozusagen die Vorstufe zu den Hackeschen Höfen: Auf dem „efm“ laufen gleich mal 800 Filme. Dort stellen die Weltvertriebe den deutschen Verleihern ihre Produkte vor.

 


Jürgen Lütz, Geschäftsführer des „Odeon-Kinos“

Die dritte Hochzeit sind die eigentlichen Wettbewerbsfilme. Jürgen Lütz hat sich in der Abteilung „Panorama“ den Film „In Grazia di Dio“ angesehen, eine italienische Produktion über die Finanzkrise und drei Generationen von Frauen, die ein neues Wirtschaftsmodell entwickeln.
 
Nicht so einfach ist es zum Beispiel, mit den Kinos den Starttermin abzusprechen, „Bundesstart“ nennt sich das. Der Idealfall: In allen Städten läuft der Film am gleichen Tag an. „Dann berichtet auch die überregionale Presse“, sagt Jürgen Lütz. Aber, meint er: Rund ein Fünftel der Kinos, die man für sich gewonnen hat, können an diesen Termin nicht, etwa weil Herbst ist und viele neue Filme anlaufen. Dann ziehen sie den Film von Lütz eben zu einem späteren Zeitpunkt nach.
 
Jürgen Lütz hat diese Woche mit Produzenten und den Weltvertrieben gesprochen. „Das ist ganz gut gelaufen, ich habe nichts gekauft und nichts unterschrieben, aber wir haben uns in den Vorstellungen angenähert“, sagt er. Was ist nochmal ein „Weltvertrieb“? „Das ist eine Firma, die im Auftrag des Produzenten die Rechte an dem Film verkauft. Manche Produktionsfirmen haben auch keinen eigenen Weltvertrieb, sondern machen das selbst.“
 
Jürgen Lütz und ich vereinbaren, uns in Köln wiederzutreffen, weil er mir die überaus spannende Frage beantworten will, warum in Deutschland eigentlich so viele Filme synchronisiert werden. Nur soviel vorweg: Das hat historische Gründe.
 
Und noch ein Südstädter war beruflich in Berlin: Der Drehbuchautor Marcus Seibert. Er schreibt für das Filmmagazin „Revolver“ und arbeitet gerade an der Produktion „Kalte Tage“ (bald wird gedreht, Regie führt Sebastian Ko). Marcus Seibert hat eine markante, dunkle Stimme am Telefon, und seine Berlinale 2014 bestand aus einer hohen Dosis an Filmen (v.a. deutsche Produktionen wie „Kreuzweg“ und „Über-Ich und Du“ von Benjamin Heisenberg, das ist der Mitbegründer des „Revolver“). Und hier in Berlin trifft Marcus auf …Kölner, die er in Köln sonst nicht trifft. Zum Beispiel den Schauspieler Piet Fuchs aus Nippes.
 
Zwei Parties hat Marcus mitgenommen: die Premierenparty von Benjamin Heisenberg, in einem alten Berliner Ballhaus an der Chausseestraße: „Da waren noch Lämpchen und Telefone an den Tischen, so wählte man sich früher die Tanzpartner aus. Und ich war beeindruckt, dass sowas überlebt hat, mit Stuck und Spiegeln.“ Mehrere hundert Leute waren da.
 
Die zweite Party war die „Revolver“-Party: „Wir machen da keine Einladungslisten, und es kostet auch keinen großen Eintritt.“ Bislang war die Party im Festsaal in Kreuzberg, diesmal dann im „Ritter Butzke“… „und das hatte einen gewissen Charme, dieses Industriehaus im Hinterhof, Erdgeschoss – und möbliert wie von der Heilsarmee.“ 1.500 Leute waren da, erzählt Marcus Seibert: „inklusive Freunde und Sympathisanten“.
 
Und geärgert hat er sich auch: „Ich hatte gedacht, ich komme auch wieder auf den Empfang der Filmstiftung NRW in der Landesvertretung. Aber da wurde mir gesagt, ich sei nicht vorgesehen.“ Ärgerlich deshalb, weil Marcus‘ Filmprojekt „Kalte Tage“ auch mit Stiftungsgeldern finanziert wird. „Aber das Konzept der Filmstiftung stimmt offensichtlich nicht mit jenem des Empfangs während der Berlinale überein.“ Wir werden Marcus bald auf meinesuedstadt.de interviewen und dann vor allem über seine Autorentätigkeit beim Magazin „Revolver“ befragen.
 
Heute ist Endspurt: Nachmittags die „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (von Walter Ruttmann aus dem Jahr 1927) und abends dann noch ein Film im (wiedereröffneten und offenbar wunderschönen und akustisch herausragenden) Zoo-Palast am Bahnhof Zoo: „Things people do“. Morgen geht es dann zurück nach Köln, und wir liefern noch ein Mini-Lexikon der Berlinale und die Preise nach.

 

 

 

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Text: Jörg-Christian Schillmöller

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