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Kultur

Beste Freunde im Kino. Das Kinoprogram von 05. bis 11.01.2012

Mittwoch, 4. Januar 2012 | Text: Tamara Soliz | Bild: MFA (Filmagentinnen)

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Mario Adorf in der Kölner Südstadt. Pizza Colonia, kölsch Gedusel oder großes Kino. Beides nein: eine Liebeserklärung, ja. Der in Königswinter aufgewachsene Regisseur Klaus Emmerich hat den Film 1991 gedreht. Mit guter Besetzung (Mario Adorf, Willy Millowitsch) hat er eine kleine Geschichte mit viel Witz und Lokalkolorit geschaffen, die durchaus unterhaltsam ist. Solche Geschichten sind im Kino selten geworden. Wer es größer mag sollte in den Film „Der atmende Gott“ gehen, da spielt ein Gott mit. Eine Erklärungsreise in die spirituelle Welt des Yoga.

 

Ziemlich beste Freunde
1. Woche
    •    täglich um 16:00 Uhr, außer Mi.
    •    täglich um 18:15 Uhr
    •    täglich um 20:30 Uhr
    •    Mittwoch um 14:30 Uhr
Hut ab – um nicht zu sagen: Chapeau! Vermutlich ist Frankreich Weltmeister darin, Komödien über gesellschaftliche Gegensätze zu erfinden, die ohne plumpe Klischees und bessserwisserisches Pathos auskommen. Diesmal geht es um einen Schlingel, frisch aus dem Gefängnis, der durch die Pflege eines querschnittsgelähmten Rollifahrers geläutert wird. Doch vielleicht ist es eher umgekehrt? Denn in der Gesellschaft des unbefangenen Driss findet der kranke, reiche Philippe zu neuem Lebensmut. Und das Publikum findet hier eine humorvolle Geschichte rund um zwei Männer, die sich erst zusammenraufen müssen, um voneinander zu lernen.
Zwei fantastische Schauspieler prägen und tragen diesen Film: François Cluzet und Omar Sy. Dank einer sensiblen und unauffälligen Regiearbeit bringen sie zwei hinreißend sympathische Figuren auf die Leinwand.

Jonas
1. Woche – Ab 6 Jahren
    •    täglich um 17:00 Uhr, außer Mi.
    •    täglich um 21:00 Uhr, außer Mi.
    •    Mittwoch um 18:45 Uhr
Multitalent Christian Ulmen zieht es zurück auf die Schulbank. Als 18-jähriger Sitzenbleiber „Jonas“ besuchte er sechs Wochen eine brandenburgische Gesamtschule. Gedreht wurde in einem echten Klassenverband, mit echten Lehrern und Schülern und ohne ein wirkliches Drehbuch. Das filmische Experiment bewegt sich mutig zwischen Dokumentation und Guerilla-Comedy. Momente des Fremdschämens wechseln sich darin mit authentischen, unterhaltsamen Einblicken in den deutschen Schulalltag ab.
Schule ist doof. Es ist ein Satz, den vermutlich viele Schüler unterschreiben würden, so auch Jonas (Christian Ulmen), der nach zwei Ehrenrunden vor seiner letzten Chance auf einen Abschluss steht. Dazu besucht er zunächst für einen Probezeitraum eine ziemlich durchschnittliche Gesamtschule im Speckgürtel Berlins. Neue Mitschüler, neue Lehrer, ein neues Umfeld, auf den 18-jährigen, der anders als seine Klassenkameraden bereits mit dem Auto zum Unterricht kommt, wartet eine Reise ins Ungewisse. Vor allem Mathe scheint nicht Jonas’ Stärke zu sein. Was ein Logarithmus ist, hat er trotz aller Bemühungen bis heute nicht verstanden. Mehr als für die Welt der Zahlen interessiert er sich für Musik und für seine neue Musiklehrerin Frau Maschke. Um sie zu beeindrucken, beschließt er, eine Schulband zu gründen.??Die Paul-Dessau-Gesamtschule in Zeuthen ließ sich auf ein bemerkenswertes filmisches Experiment ein. Denn Jonas’ Lieben und Leiden mag fiktiv und erdacht sein, doch alle anderen, die in diesem Film vorkommen, sind es nicht. Hier treffen echte Schüler und Lehrer auf eine Kunstfigur. Gedreht wurde dann auch im ganz normalen Unterricht, ohne ein klassisches Drehbuch und mit einem nur sehr dünnen roten Faden wie Autor Johannes Boss zu berichten weiß. Als wäre diese Versuchsanordnung nicht bereits außergewöhnlich genug, so übernahm ausgerechnet Multitalent Christian Ulmen die Rolle des zweifachen Sitzenbleibers Jonas. Der Mittdreißiger wird dank erstaunlicher Make-up-Künste und seines schauspielerischen Talents wieder zum pubertierenden Teenager.

Kölsche Matinee: Pizza Colonia
einmalig – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 11:30 Uhr
Die Gäste vom ‚Ristorante Francesco‘ bekommen viel geboten. Das Essen ist ausgezeichnet und wenn man Glück hat, gibt es gratis einen Familien Krach dazu, dass die Zabaione auch ohne Schlagen steif wird. Francesco ist seit 30 Jahren in Deutschland und hat immer gut für die Familie gesorgt. Doch jetzt kommt es knüppeldick. Seine Freundin Hilde hat Probleme mit ihm, seine Frau Severina fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihr Mann sie seit 18 Jahren betrügt, die Kinder können kaum noch Italienisch und haben Ärger mit der Eröffnung eines neuen Lokals und sein bester Freund Karlheinz, ein waschechter Kölner, hat massiven Liebeskummer. Zu allem Überdruß taucht auch noch das heimliche Oberhaupt und der Geldgeber der Familien, der allmächtige Padrino aus Italien auf. Klaus Emmerichs multikulturelle Komödie um eine italienische Familie entpuppt sich bei näherer Betrachtung als liebevoll inszenierte Hommage auf Köln.

Der atmende Gott
1. Woche
    •    Donnerstag bis Dienstag um 15:00 Uhr
Eine Reise zum Ursprung des modernen Joga.
Was ist Yoga, wo stammt es her? Ist Yoga Philosophie, Religion, Gymnastik – Oder alles auf einmal? Diesen und anderen Fragen versucht Jan Schmidt-Garre mit seiner Dokumentation „Der atmende Gott“ auf den Grund zu gehen. Das mäandernde Suchen, mit dem sich der Regisseur durch Indien bewegt ist in seiner respektvollen Zurückhaltung vor der fremden Kultur dabei große Stärke des Films, in seiner Unbestimmtheit allerdings auch Schwäche. Ein Film in erster Linie für Yoga-Interessierte.

Der Gott des Gemetzels
7. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Donnerstag bis Dienstag um 19:15 Uhr
    •    Mittwoch um 21:00 Uhr
Hinter dem wunderbar ironischen Titel „Gott des Gemetzels“ verbirgt sich eine herrliche Gesellschaftskomödie. Roman Polanskis Kammer-Quartett mit zwei New Yorker Elternpaaren, die zivilisiert die Prügelei ihrer Söhne klären wollen, war bei der Weltpremiere in Venedig ein sehr unterhaltsamer Lacherfolg, noch bevor bei fortschreitender Entwicklung unter Alkoholeinfluss die letzten Masken fielen. Christoph Waltz spielt mit wenig zurückhaltender Ironie seiner aalglatten Anwaltsfigur tatsächlich etablierte Weltstars wie Jodie Foster, Kate Winslet und John C. Reilly an die fein dekorierte Wand.

Die Mühle und das Kreuz
7. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 11:45 Uhr
Das Bild lebt: Regisseur Lech Majewski setzt in »Die Mühle & das Kreuz« betörende Kompositionen in Szene und erzählt von der Entstehung des Gemäldes
»Die Kreuztragung Christi« von Pieter Bruegel dem Älteren.
Ein Film über ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert – was sich anhört wie ein eher langatmiges Projekt, wurde in den Händen des polnischen Regisseurs und Videokünstlers Lech Majewski zu einem der faszinierendsten Filme des Jahres. In „Die Mühle & Das Kreuz“ betritt der Zuschauer gleichzeitig die Welt des belgischen Malers Pieter Bruegel und das von ihm gemalte Bild „Die Kreuztragung Christi.“ Das Ergebnis ist ein enorm reicher, gelehrter, visuell umwerfender Film.

Jane Eyre
6. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Sonntag um 13:45 Uhr
    •    Mittwoch um 16:00 Uhr
Weder sentimental noch kitschig oder pathetisch, sondern äußerst prägnant inszeniert Ausnahmetalent Cary Fukunaga („Sin Nombre“) seine zeitlose Liebesgeschichte aus dem puritanisch viktorianischen England. Dabei entsteht aus Charlotte Brontës literarischen Welt-Klassiker „Jane Eyre“ erzählerisch eigenständiges Gefühlskino der besonderen Art. Genial verbindet das gleichnamige Period Piece des 34jährigen Regisseurs mit Elementen des Psychodramas. Beeindruckend verkörpert dabei die junge Australierin Mia Wasikowska die Titelheldin als Vorbotin einer selbstbewussten Weiblichkeit.

Lauras Stern und die Traummonster
2. Woche
•    Sonntag um 13:30 Uhr
Ein paar Nachbarskinder fordern Laura und ihren Bruder Tommy heraus, doch ohne seinen geliebten Beschütz-mich-Hund traut sich Tommy nicht so recht. Also muss der Hund dabei sein – und landet nach einem verpatzen Schuss im dunklen Keller. Laura nimmt all ihren Mut zusammen und wagt es, den Keller zu betreten, doch die Schatten machen auch ihr Angst. Ohne den Beschütz-mich-Hund geht eben nichts, wie auch die Traummonster merken. Die leiden daran, dass Tommy und Laura immer seltener Angst haben, immer mehr schöne Träume haben und keine Alpträume. Aber ohne die Angst der Kinder schrumpfen die Traummonster und müssen um ihre Existenz bangen. So hecken sie einen Plan aus: Des nachts entführen sie Tommys Beschütz-mich-Hund in das Land der Träume und locken so die Kinder, begleitet von Lauras Stern, in das unterirdische Traumlabyrinth. Dort hinein drinkt kein Funken Sternenstaub, dafür sorgt nicht zuletzt der Lichtfänger, der mit einer Art fliegendem Staubsauger Jagd auf alle Lichtquellen macht und es nun besonders auf Lauras funkelnden Stern abgesehen hat.
Der unterhaltsame Film überzeugt nicht nur durch seine schöne, originelle Animation, sondern vor allem durch seine Geschichte, deren Lehre angenehm subtil bleibt. Ein sehenswerter Kinderfilm.

Sarahs Schlüssel
4. Woche – Ab 12 Jahren
    •    Mittwoch um 16:30 Uhr
„Leidenschaftlich, bewegend und voller Wahrheit“, nannte Le Figaro Gilles Paquet-Brenners Film nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Tatiana de Rosnay.
Mit SARAHS SCHLÜSSEL ist dem Regisseur ein intensiver und?sehenswerter Film gelungen, der die Schicksale der Charaktere äußerst feinfühlig erzählt. In der Hauptrolle begeistert Kristin Scott Thomas („Der englische Patient“, „So viele Jahre liebe ich dich“) in einer ihrer besten Rollen.
Ein Film an den man nur mit einem Klos im Hals zurückdenken kann. Eine französische Holocaust Tragödie ist der Anlass des Films, in dem es darum geht, wie die Folgen dieser Tragödie ins Heute wachsen und immer wieder bewältigt werden wollen.
Warum immer wieder Filme über den Holocaust? Sarahs Schlüssel gibt eine einleuchtende Antwort, es gibt Tragödien, die sind einfach zu groß für ein einzelnes Individuum, das häufig daran zerbricht. Solche Tragödien brauchen  ein empathisches Kollektiv

Text: Tamara Soliz

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