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Kultur

Blumen, ein Tetrapack Wasser und ein Kabarett-Preis: „Salzburger Stier“ ohne Publikum

Dienstag, 26. Mai 2020 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Thomas Kujawinski

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Der so genannte „Radio-Oscar“ für Kabarett im deutschsprachigen Raum „Salzburger Stier“ wurde verliehen – als Geister-Veranstaltung mit Gästen, die nur akustisch vor Ort waren. „Meine Südstadt“ war aber „in echt“ dabei und verfolgte das Geschehen aus einer Künstler-Garderobe heraus, die kurzerhand zum Übertragungs- und Arbeitsraum umfunktioniert wurde.

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Eigentlich sollte die Verleihung des „Salzburger Stiers“ mit großem Brimborium und drei Abendveranstaltungen einhergehen – in diesem Jahr in den Räumen des Deutschlandfunks am Raderberggürtel.
Zwei der drei Veranstaltungsabende wurden an einem Tag aufgezeichnet und der dritte Abend, das Konzert von Musikkabarettist Bodo Wartke, am nächsten Abend als „Geisterkonzert“ aufgenommen.

Aus der Enttäuschungsstarre kommen

„6000 Menschen in gehobener Abendgarderobe, zweieinhalb Tonnen regionales Catering und ein sich über dreieinhalb Wochen erstreckender Sektempfang – darauf hatten wir uns eingestellt“, beklagte Moderator Martin Zingsheim. Er musste gemeinsam mit Schlagzeuger Claus Schulte aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen dann letztlich das Bühnenprogramm vor Ort allein bestreiten.
Dennoch war es dem Team wichtig, aus der Entäuschungsstarre herauszukommen und stattdessen mit kreativem Trotz etwas Neues zu schaffen: Eine Radio-Gala, die unter den Bedingungen der derzeitigen Situation dem Anlass und dem Inhalt dient – und den Preisträger*innen ein Gefühl von feierlicher Gala-Stimmung und Preisverleihung vermittelt. Die deutsche Preisträgerin Sarah Bosetti, der Österreicher Florian Scheuba und der schweizerische Preisträger Renato Kaiser schalteten sich jeweils per Leitung aus Berlin, Wien und Zürich zu und erhielten ihre Trophäen so zunächst rein virtuell.

Bespielten den Saal zu zweit: Moderator Martin Zingsheim und Schlagzeuger Claus Schulte. Foto: deutschlandradio / Thomas Kujawinski

Talk über Leitung und Auftritte als Einspieler

Im Berliner Studio hatte die selbsternannte „Feministin wider Willen“ Sarah Bosetti Blumen bekommen und Wasser im Weinglas – sehr festlich, wie sie fand. Das Weinglas allerdings wurde ihr sehr bald darauf wieder weggenommen und durch ein Tetrapack Wasser ersetzt, damit sie nicht die Technik vollschlabbert. Umsichtigerweise offenbar, denn in einem der Texte, die sie während der Sendung vortrug, kamen auch ihre Talente in Sachen Tischmanieren zur Sprache.
Der Österreicher Florian Scheuba gilt als penibler Rechercheur und Aufdecker unter den Kabarettisten. Für aktuelle Themen sieht er sich oft als Schnittstelle zwischen Investigativ-Journalisten und der Öffentlichkeit und ist der Meinung, dass man auch mit Satire einiges erreichen kann. Allerdings würde, so Scheuba, in Österreich für die Satire derzeit nicht viel getan. Die Politik beantworte daher die allseits bekannte Frage, „Was darf Satire“ offenbar mit: „Sie darf scheißen geh’n“.

Kabarettisten zu Hause

Auch wenn es an Material nicht mangelt: Scheuba berief sich auf das Zitat eines Politikers, dass das Ibiza-Video um HC Strache noch Stoff für die nächsten 10 Jahre liefern würde. So sei es gerade für Kabarettisten zu einer kleinen beruflichen Absicherung geworden. „Das ist etwas Bleibendes“, fasste er zusammen.
Beim schweizerischen Preisträger Renato Kaiser wurde derweil der Quarantäne-übliche Sittenverfall spürbar: Angeblich saß er im Züricher Studio ohne Hosen. Corona-bedingt trage er zur Zeit seine Texte zuhause vor allem seiner Freundin vor. „Was will sie auch machen? Ausziehen?“ lachte er. Die allerdings, beklagte sich der Satiriker, sitze dafür mit einem sogenannten „Resting Bitchface“ da, während er schon während seines Vortrags zunehmend desillusionierter würde. Doch immerhin komme letztlich dann mit „Ja doch, das ist gut“ die Freigabe.

Zwei Abende in einen Tag geschoben

Nachdem alle Preisträger sich wieder aus der Leitung verabschiedet hatten, war pünktlich zur Mittagszeit der erste ursprüngliche Abend-Event vorbei. Im Anschluss an eine kleine Verschnaufpause nahmen Martin Zingsheim und Claus Schulte wieder auf der Bühne Platz und läuteten mit „Zingsheim braucht Gesellschaft“ den zweiten Teil ein.

Kurze Pause für den Moderator / Foto: deutschlandradio / Thomas Kujawinski

Die Radioshow machte die Grenzen des Humors zum Thema und zu Gast – auch wieder über Leitung –  waren außerdem die Betreiber des Wiener „Politically Correct Comedy Club“, kurz PCCC*, der „pissy sissy“ ausgesprochen wird, der Norddeutsche Stand Up Comedian Moritz Neumeier und das Slam-Duo „Zum Goldenen Schmied“. Das Thema interpretierten die Gäste sehr unterschiedlich. Dennoch ist auch die verbindende Überzeugung deutlich geworden, dass zum einen auch ein politisch korrekter Humor bissig sein kann und zum anderen, dass es für einen guten Witz nicht zwingend notwendig ist, zu verletzen – schon gar nicht, wenn der Spott auf Minderheiten ziele oder „nach unten“ austeile.

Inhalte fokussieren

Die komprimierte Form forderte von allen Beteiligten eine hohe Konzentration, auch wenn man sich das Publikum dazudenken musste. „Ich trete sonst live auf“, sagt Martin Zingsheim, „da ist es schon ungewohnt, wenn es eben kein Feedback aus dem Saal gibt. Aber meine Redakteurin Daniela Mayer hat mich über einen Knopf im Ohr angefeuert: ‚Stell Dich hin, gib alles – die ganze ARD sitzt im Raum‘. Wir haben so auch unseren Spaß gehabt mit der Absurdität der Situation. Außerdem haben das ganze Team und die Technik Höchstleistungen vollbracht, in beiden Sendungen mit je drei Städten gleichzeitig verbunden zu sein und mir immer die jeweils richtigen Sachen auf’s Ohr zu geben. Es war ein tolles Arbeiten. Und vielleicht hat diese Form ja auch ganz gut zum Deutschlandfunk gepasst. Eben ohne großes Drumherum und Catering, sondern mit einer Fokussierung auf die Inhalte.“

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Alle Sendetermine der Veranstaltungen sind hier zu finden.

Text: Nora Koldehoff

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