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Glaube

Das ewige Ringen um das wirklich Gute – Prots-Sitzung in der Kartäuserkirche

Mittwoch, 20. Februar 2019 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wer glaubt, dass die Evangelischen in der Südstadt und darüber hinaus nix mit Karneval zu tun haben, irrt schwer. Protestantisch ist extrem lustig. Aber mit Anspruch. Ich bin Sauerländer, und die überschwänglichen Gene dominieren meine DNA von Herkunft nicht. Aber ich kann sagen: Beim Besuch der Sitzung haben sich meine nichtdominanten Gene völlig zu Recht in den Vordergrund gelacht.

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Es ist wie immer in der evangelischen Kirche ein heftiges Ringen um die gute Sache. Da macht auch die Prots-Sitzung keine Ausnahme. Einige selbsternannte „Scherzkekse“ in der evangelischen Kirche organisieren seit Jahren eine eigene Karnevalssitzung. Diesmal in der Kartäuserkirche bei uns im Veedel. Doch der Reihe nach.

Prots-Sitzung

Das Präsidium der Sitzung: Allesamt wichtige Menschen im Prots-Orden.

Innerhalb des höchstgeheimen „Prots-Ordens“ streitet die Loge vom blauen Stab mit der Loge vom blauen Teller über den richtigen Weg. Heribert Rösner vertritt die Stabloge, Prots-Logen-Großmeister Detlev Prößdorf vertritt das Ganze und Dorothee Schaper ist die Tellerlogenmeisterin. Zusammen stellen sie auch das Präsidium der Prots-Sitzung in der Kartäuserkirche. „Wenn der Pfarrer predigt, hat die Gemeinde zu schweigen“, lautet das Credo von Rösner. Und während des Gottesdienstes werde eher gebrummelt als gesungen. Der blaue Stab symbolisiere geschlossene Lippen. Schaper interpretiert den Teller als offenen Mund. „Seit Luther 1517 seine Thesen veröffentlichte, gehört das öffentliche Herumnörgeln an der Kirche zum Protestantismus.“ Und Schweigen? „Wollen wir wirklich, dass unsere Presbyteriumssitzungen schon um 23 Uhr zu Ende sind?“ Natürlich ist auch der Dom ein Thema. Der kommt ja in fast allen Liedern über die Domstadt vor. „Verdomt lang her“, „Dom mer ne Klare“, „Su lang im Dom all die Lechter noch brenne“, „Der Dom es dabei, dat es prima“…

Prots-Sitzung

Papst Franziskus (r.) labert seinem Vorgänger ein Ohr ab.

Wie es zugeht in der Papst-WG in Rom, in der Benedikt XVI. und Franziskus unter einem Dach wohnen, machen Prößdorf und Rösner. Der geschwätzige Franziskus möchte den schweigsamen Benedikt überreden, Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, zurückzurufen, der sich wünscht, dass Benedikt ein Grußwort während der Reformationsfeier in Wittenberg spricht. Der ziert sich aber. Dann klingelt das Telefon. Benedikt rührt sich nicht. „Du kannst ihn bis 20 Uhr anrufen“, drängelt Franziskus. „Ich könnte eine Mail schreiben, wenn ich ihn am Telefon nicht erreiche“, entgegnet sein Vorgänger. Am Ende ist es 20 Uhr und Benedikt hat nicht telefoniert. „Weil Du immer so viel redest“, wirft er Franziskus vor. Auch am „eigenen Laden“ wird Kritik geübt. „Am Dorothee-Sölle-Platz vermietet die Gemeinde Köln eine Wohnung für 1860 Euro“, erzählt Dorothee Schaper. Dabei hätten der streitbaren Theologin Sölle soziale Themen sehr am Herzen gelegen.

Prots-Sitzung, Kartäuserkirche

Die „kleinen Racker“ Putin, Erdogan und Trump.

Sehr unsanft gehen die „kleinen Racker“ Putin, Erdogan und Trump miteinander um in der Autokraten-Kita. Das Lied zur Nummer: „Sind wir erst groß, dann geht‘s hier richtig los.“ Und: „Wir machen uns die Welt, wiedewiesiemirgefällt.“ An anderer Stelle hieß es, dass Gott wollte, dass Donald Trump amerikanischer Präsident wird. „Da muss Gott aber ziemlich sauer auf das amerikanische Volk gewesen sein.“

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Kölsches Liedgut fand sich auch in dem historischen Exkurs in die Zeit der Reformation, als Hermann von Wied die Domstädter für ganz kurze Zeit evangelisch machen wollte. Die Gegenreformation ließ, wie man weiß, nicht lange auf sich warten und gefährdete Leib und Leben der Protestanten. Ein Mahner versuchte, sie zur Flucht zu drängen. Doch die kölschen Evangelischen bewahrten die Ruhe. Dass der Erzbischof alle protestantischen Gottesdienste verbieten wollte, ließ sie kalt: „Ich geh sowieso nicht so oft zum Gottesdienst.“ Dass alle evangelischen Kirchen verkauft werden sollen, war auch kein Grund zu Panik: „Die sind in 500 Jahren so teuer. Da können wir uns die eh nicht mehr leisten.“ Und dann stimmte man an: „Mer losse dr Dom en Kölle.“ Am Ende resümierte Dorothee Schaper: „Offiziell verließen die Kölner Protestanten die Stadt, inoffiziell blieben sie aber. Wie anders könnte Köln so aufmüpfig und tolerant geworden sein?“

Das Schönste, was der kölsche Fasteleer zu bieten hat: Die Jungfrau. Mit Alt-Bier.

Überraschend war am Ende die zarte Liebe zwischen der kölschen Jungfrau und der Düsseldorfer Venetia. Auch wenn sich das während der Nummer bereits angedeutet hatte. Dass dazu Lieder aus der West Side Story umgetextet worden waren, passte zu Köln und Düsseldorf natürlich aufs Trefflichste.

„Fähranleger Langel: Und dann volle Geschwindigkeit!“

Und dass die Familie in ihrem selbstfahrenden Fahrzeug, die eigentlich aus einem Vorortveedel zum Dom wollte, am Ende auf der Raststätte Limburg in Richtung Rom landet, wunderte den Zuschauer nicht im Geringsten. Hatte man doch gleich den Verdacht, dass aus den Kommunikationsproblemen zwischen den Fahrzeuginsassen und dem Selbstfahrsystem keine verlässliche Zielfindung zu erhoffen war. Auch die Drohung „Jetzt rappelt es aber gleich auf der Festplatte“ zeigte nicht die gewünschte Wirkung. Am Ende wurde die Familie von einer Polizistin aus dem Auto gebeten, weil sich herausstellte, dass keiner der Insassen einen Führerschein besaß. Einen letzten Gruß schickte der Familienvater durch das offene Seitenfenster an das System: „Fähranleger Langel. Und dann volle Geschwindigkeit!“

Prots-Sitzung, Kartäuserkirche

Alles ist gut: Das Schlussbild.

Es gibt noch Restkarten

Wie das Ringen der Stabloge mit der Tellerloge um Schweigen und Reden ausging, wird an dieser Stelle nicht verraten. Es gibt nämlich noch Restkarten für Freitag, 22. Februar, 19.30 Uhr, und Sonntag, 24. Februar, 18 Uhr. Sie sind erhältlich bei KölnTicket unter Telefon 0221/2801 und in der Informationsstelle an der Antoniterkirche, Schildergasse 57. Sie kosten 23,40 Euro und ermäßigt 17,90 Euro. Die Organisatoren weisen darauf hin, dass es rund um die Kartäuserkirche keine Parkplätze gibt.

Dank an den Kirchenverband

Mathias Bonhoeffer, Pfarrer an der Kartäuserkirche, freut sich wie das Ensemble, dass die Prots-Sitzung wieder in einer Gemeinde angesiedelt ist. „Wir sind sehr dankbar, dass der Evangelische Kirchenverband uns sein Gebäude zur Verfügung stellt mit der Möglichkeit, Garderobe abzugeben, Kölsch zu zapfen und zur Toilette zu gehen.“

Text: Stefan Rahmann

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Kommentare

  • Marc sagt:

    Das muss ja wirklich lustig gewesen. Wie hat früher ein Freund vom Becker in der WDR-Sendung immer gerufen? Aufhören!

    Früher hat evangelisch ja mal etwas mit Geist, wenigstens aber mit Verstand zu tun gehabt. Heute meint man, sie kommen dem Zeitgeist nicht mehr schnell genug hinterher und wollen in Wahrheit katholisch sein, deshalb probieren sie es jetzt mit Humor. Echt jetzt? Nö. Da hätte man ein paar lustige Geschichten erzählen können wie z.B. dass der Bedfort-Strom (dessen Predigten ja eher an sozialdemokratische Parteitage erinnern) zusammen mit dem Marx, dem falschen bzw. echten Kardinal, in Jerusalem für den Besuch des Felsendoms sein Kreuz abgelegt hat. Weil die beiden angeblich von den Juden dazu aufgefordert worden sind. Ganz schön witzig, nicht wahr? Auf so eine Pointe muss man erstmal kommen!
    Oder das vor, während und nach ihres Israeltripps sich die (beiden) Kirche(n) am Geschäftsmodell „Flüchtling“ auf Kosten der steuerzahlenden Gemeinde dumm und dämlich verdienen. Der Herr hat’s halt gegeben. Oder das sie die Evangelen neuerdings behaupten, Jahwe, Gott und Allah seien ein und derdiedasselbe. Da muss das Studium schon sehr weit zurückgelegen haben, um so einen Scherz zu machen. Oder dass die evangelische Kirche sich neuerdings als Gottes Verkehrsministerium ausgibt, weshalb sie auf Autobahnen Tempo 130 fordert (vermutlich, um das 13. Gebot zu erfüllen).

    Aber tief im Innern ahnen sie, wie spaßfrei sie in Wahrheit sind. Deshalb kommen bei solchen Gelegenheiten immer auch ein paar echte Schenkelklopfer zum Einsatz: sitzen Putin (pfff!), Trump (oooooh) und Erdogan (ganz schön schlimmer, obwohl wir ihn in Kölle auch immer wieder gerne sehen)…Wuff! Da tanzt der Papst im Kettenhemd und die evangelische Synode schwingt gleich mit. Macht das Ganze doch mal mit der Antifa, dem IS und Synode. Mal sehen, wer überlebt.

    Hier noch ein paar Vorschläge fürs nächste Jahr: Jesus als verkleideter Mohammed, der eine Menge Ehefrauen hat, darunter auch eine Minderjährige, mit der er Intimverkehr hat, der Vorteil der muslimischen Vielehe und selbstverständlich die Abbitte (doch auf die Knie!), das Weltklima (das ja eigentlich stellvertretend für die christliche Dreifaltigkeit steht oder umgekehrt) um Vergebung bitten (am besten in Form von Großspenden und Verzicht auf das teuflische Auto und den noch viel böseren Kohlestrom in unseren Hütten. Wer im Winter friert und trotzdem lacht, der hat wirklich Humor.

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