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Südstadt

„Der Bücherschrank ist doch kein Hundeklo“

Dienstag, 2. August 2022 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Nora Koldehoff

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Ein öffentlicher Bücherschrank ist ein Schrank mit Büchern. Das – und noch sehr viel mehr. Denn wer sich näher mit ihm beschäftigt, merkt schnell: Hier ergeben sich ganz eigene Geschichten. Vor allem aber gibt es Menschen, die sich sehr intensiv mit der Pflege dieser Schränke beschäftigen. Weil sie das Lesen lieben und/oder weil sie ehrenamtlich etwas beitragen möchten.

Wir haben uns einen näher angeschaut, den Bücherschrank in der Rolandstraße. Er feiert in diesem Jahr 10jähriges Jubiläum, wurde einst mit Weihwasser gesegnet und in ihn investiert sogar die Caritas: Das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) Köln-Innenstadt hat bereits 2012 die Patenorganisation dieses Bücherschranks übernommen. Meine Südstadt-Redakteurin Elke Tonscheidt hat sich mit offiziellen Schrankpat*innen getroffen. (Heimliche gibt es auch, aber das ist eine andere Geschichte…)

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Eigentlich wollten wir uns direkt in der Rolandstraße, Ecke Merowinger Straße kennenlernen, da, wo der Schrank steht. Doch dann kam „Köln liest im Kunstzentrum Wachsfabrik“ dazwischen. Dort treffen sich seit diesem Frühjahr jeden 1. Sonntagnachmittag im Monat Bücherfreunde und andere an Kultur interessierte Leute. Auf Einladung der Stiftung Neuer Raum, die monatlich im Kölner Süden Gespräche rund um die Kölner Bücherschränke organisiert. Denn mittlerweile gibt es allein in unserer Stadt mehr als 50 davon…

Bücherpatin Lis Nørgaard, Hans-Jürgen Greve (Vorstand Stiftung Neuer Raum), Kulturjournalist Thomas Linden und Robert Schlappal vom Caritasverband Stadt Köln e.V. / Foto: Hanna Linden

Ich besuche diese Veranstaltung ohnehin gern und dieses Mal freue ich mich besonders: Auch Bücherfreunde aus der Südstadt sollen unter den Gästen sein. Vom Bücherschrank aus der Rolandstraße kommt dann sogar gleich ein Quartett. Mit dabei: Armando Luza. 2021 dachte sich der gebürtige Peruaner, es sei an der Zeit für ein Ehrenamt: „Ich wollte meinen Beitrag leisten, mich sozial engagieren“. Fündig wurde er auf der Ehrenamtsplattform des SPZ.  Dort suchte man jemanden, der eine Gruppe zur Pflege des öffentlichen Bücherschrankes koordinierte – und Armando Luza sagte zu.

Ein Treffpunkt im Außen

Das SPZ befindet sich nur ein paar Katzensprünge, etwa 300 Meter von der Rolandstraße entfernt, in der Loreleystraße. Eine Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit seelischen Problemen. Dort weiß man, wie wichtig es ist, dass Menschen, die sich hier beraten lassen, auch außen stärker sichtbarer werden. Ein Bücherschrank schien da ein gutes Mittel. Als Treffpunkt mitten in der Südstadt, als Möglichkeit diesen kontinuierlich zu betreuen.

Bücherschrank-Quartett (v.l.): Andrea Schulze Brüning, Roland Schlappal, Armando Luza, Amir Bayat / Foto: Elke Tonscheidt

Was macht die Gruppe nun genau am Bücherschrank?

Darüber habe ich mit Koordinator Armando Luza und Andrea Schulze Brüning, die bereits seit zehn Jahren Teil des Teams ist, gesprochen.

Meine Südstadt: Warum machst Du mit als Bücherschrankpatin?
Andrea: Ich kann mich nützlich machen und das ist ein gutes Gefühl. Zusammen mit Armando und Amir macht es Spaß – und manchmal, wenn ich einfach nur spazieren will, nehme ich mir den Bücherschrank als Ziel und schaue, ob alles ok ist.

Was gibt es wann zu tun?
Armando: Meine Rolle ist insbesondere das Koordinieren unserer Treffen. Wir treffen uns als Gruppe zweimal im Monat. immer montags am späten Nachmittag. Wir sortieren, putzen und entfernen, was zu viel da ist. Es gibt immer was zu tun, damit der Schrank in gutem Zustand ist.
Andrea: Genau, deshalb nehmen wir zum Schrank auch immer unseren Bollerwagen mit, mit Lappen, Glasreiniger und andere Putzsachen. Früher, als es noch das Eiscafé gab, bekamen wir dort auch das Wasser zum Saubermachen. Das müssen wir jetzt leider selbst mitschleppen.

Das heißt Ihr macht sauber, räumt auf, sortiert?
Andrea: Ja, alles, was den Schrank verstopft, kommt raus und wird entsorgt. Was oft gar nicht so einfach ist. Manchmal hat man natürlich Angst, etwas Falsches wegzuschmeißen. Aber wenn ein Klassiker da fünfmal steht, kann er weg Wir achten auch darauf, dass der Schrank keine Litfaßsäule wird. Ich bin ungefähr zehn Jahre dabei, früher wurden zum Beispiel Flyer oder Visitenkarten einfach drangeklebt. Das ist nicht Sinn der Sache.

Gibt es Regeln, die Ihr aufgestellt habt?
Armando, lacht: Wie Andrea sagt, vor allem müssen wir entsorgen. Es ist meistens zu viel als zu wenig da. Und unsere Erfahrung ist: Sobald was neu da ist, ist es auch schnell wieder weg. Die Fluktuation ist groß. Und unten stehen die Bücher für Kinder, damit sie selbst gut drankommen.
Andrea: Das ist immer nett, wenn Kinder kommen und rufen: „Ich will gucken, ist was drin für uns?“

Welche besonderen Erlebnisse gibt es noch?
Andrea: Ich habe am Schrank mal einen Mann getroffen, der war völlig überrascht, dass ein solches „System“ möglich ist, einfach so etwas reinzustellen und auch einfach herrausnehmen zu dürfen.

Was sortiert Ihr aus?
Andrea: Eigentlich gibt es fast keine Beschränkungen, was den Inhalt der Bücher angeht. Wir sortieren nur auf jeden Fall eindeutig radikale oder extrem-religiöse (Sekten) Inhalte aus. Diese Bücher haben in der Regel auch keine ISBN-Nummer, weil sie so nicht verkauft werden dürften. Wenn ich mir beim Inhalt unsicher bin, sortiere ich lieber ein Buch zu viel als zu wenig aus, insbesondere wenn es keine ISBN-Nummer hat. Zum Glück muss ich mir nicht häufig Gedanken darum machen.

Liest Du als Schrankpatin selbst auch viel?
Andrea, lacht: Ich muss mich echt begrenzen, aber kürzlich gab es wieder so etwas Spannendes: Ein Nachdruck eines Kinderbuches von 1890 – das musste ich erstmal selbst mit nach Hause nehmen.

Es klingt, als mache die Arbeit wirklich Spaß?
Andrea: Ja, mir gefällt der sehr klare Rahmen, da kann ich – glaube ich – auch für Amir mitsprechen. Diese Regelmäßigkeit ist gut für uns.
Armando: Ich arbeite gern mit Menschen und ich finde es gut, wenn man sich neben der Arbeit sozial engagiert. Ja, es ist eine schöne Ergänzung in meinem Leben – ich arbeite beruflich in Duisburg als Verfahrensingenieur für industrielle Prozesse. In diesem Südstadt-Projekt sind gute, neue zwischenmenschliche Verbindungen entstanden. Hier wohne ich ja auch.

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Gibt es noch etwas, was Euch stört?
Andrea: Ein bisschen, ja: Dass manche Hundehalter ihre Hunde an den Schrank machen lassen, das ist echt nicht schön. Der Bücherschrank ist doch kein Hundeklo! Und was mich wirklich stört: Wenn die Menschen den Schrank so vollstopfen, dass er „platzt“!

Das habe ich auch schon erlebt, wenn Leute gleich mit einem Wäschekorb voller Bücher da stehen…
Andrea ergänzt: Ja, genau – wenn Platz ist, ist das okay, aber der Schrank ist nicht zum Entsorgen von verstaubten Nachlässen gedacht. Es soll nur rein, was andere Menschen auch wirklich mitnehmen wollen. Dreckige, stinkende, zerrissene Bücher sind genauso wenig attraktiv. Wenn man Muskelkraft braucht, um ein Buch in den Schrank zu quetschen, macht man es definitiv falsch. Es musste schon mal eine Seitenwand neu eingebaut werden und zwei Regalböden waren unter der Last zusammengebrochen.

Vielen Dank für Eure Zeit, Andrea und Armando!

Andrea und Armando am Bücherschrank / Foto: Elke Tonscheidt

 

Was macht das SPZ des Caritasverbands für die Stadt Köln?

Eine inklusive Gesellschaft, ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Handicaps – das ist das Anliegen des Sozialpsychiatrischen Zentrums Köln Innenstadt. Gemeinsam mit Kooperationspartnern geht es um den Auftrag, psychisch kranke Menschen zu beraten, zu betreuen und zu versorgen. Weil man weiß: Psychische Störungen sind kein Einzelschicksal.

Den Bücherschrank ordnet das SPZ inzwischen als Ort inklusiven „Ehrenamts für alle“ ein, weil die Nutzer*innen des SPZ am Ende des Tages den gleichen Job machen wie alle anderen Schrankpat*innen in Köln. Dazu der Leiter des SPZ Innenstadt, Robert Schlappal: „Es ist toll, dass die Kölnerinnen und Kölner uns genauso wahrnehmen. Die Bedeutung der Frage, wie seelisch gesund man für diese Arbeit ist, tritt weitestmöglich in den Hintergrund. Dafür schafft das SPZ einen organisatorischen Rahmen und Unterstützung. Nach 10 Jahren sehen wir, wie gut das klappt.“

Was macht die Stiftung Neuer Raum?

Der Stiftung Neuer Raum geht es um soziokulturelle Projekte, die sie im öffentlichen Raum veranstaltet und unterstützt. Im Vordergrund stehen offene Bücherschränke als fester Ort im Raum. Verändern sich diese Orte, indem sie belebt werden, können Menschen in ihrem bekannten Viertel plötzlich vieles neu erleben – so die Devise der Stiftung. Dabei ist man fasziniert von dem Gedanken, mit Hilfe vieler Bücherfreunde eine neue Stadtteilkultur zu entwickeln. Wer daran interessiert ist, hier mitzumachen, kann sich bei Ines Jacob melden, die den Aufbau des Netzwerkes aller Bücherfreunde vorantreibt: jacob@stiftung-neuer-raum.de


Die Stiftung lädt am Sonntag, 7.8.22, von 14-16 Uhr zur nächsten öffentlichen Veranstaltung ein. Dann lautet das Thema: „Kultur ist kein Luxusgut! Kulturelle Teilhabe am Bücherschrank“. Unter anderen dabei: Susanne Wankell, Vorstand von der Kulturliste Köln e.V.. Die Kulturliste unterstützt Menschen, die sich ein Ticket für Kulturelle Veranstaltungen nicht leisten können. So möchte man allen Kölnerinnen und Kölnern ermöglichen, am kulturellen Leben der Stadt teilzunehmen – Kulturpartner stellen freie Plätze zur Verfügung, die an Gäste vermittelt werden.

Text: Elke Tonscheidt

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Kommentare

  • Paula Cremer sagt:

    Hallo guten Tag
    Ich nutze sehr gerne die Bücherschränke in der Südstadt zum bringen und holen.

    Außerdem verteile ich übrig gebliebene Lebensmittel.
    Wäre es möglich solche Schränke auch für den Lebensmittel-Tausch zu installieren?

    Paula

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