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Kultur

Eigentlich ein echter Südstadt-Film

Dienstag, 14. Juni 2011 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Kaufhausdetektiv Udo führt ein derart unscheinbares Leben, dass er für seine Mitmenschen komplett unsichtbar ist. Was für ihn –nicht nur beruflich- durchaus Vorteile mit sich bringt. Doch als er eines Tages der Hotel-Managerin Jasmin begegnet, die ihn offenkundig sehen kann, gerät sein bis dahin überschaubares Leben aus den Fugen. „Eine Insel namens Udo“ ist eine herrlich schräge, romantische Tragikomödie mit Kurt Krömer und Fritzi Haberlandt in der Hauptrollen. Reinhard Lüke sprach mit dem Regisseur des Films, Markus Sehr, am vergangenen Freitag anlässlich der Köln-Premiere im Odeon. „Eine Insel namens Udo“ ist ab morgen (16.06.2011) im Odeon zu sehen.

 
Meine Südstadt: Was haben Sie gegen Hannelore Elsner?
Markus Sehr: Gar nichts. Wieso?
 
Na ja, die Werbung für ein Event-Movie mit Elsner als Sophie Scholl, die in Ihrem Film aus einem Fernseher dringt, ist ja nicht eben schmeichelhaft.
Okay. Als ich gesehen hab´, dass Hannelore Elsner in Uli Edels Bushido-Film „Zeiten ändern dich“ Buhidos Mutter spielt, dachte ich: Das ist hart. Und irgendwie hat dieser Umstand mich und meinen Co-Autor Clemente Fernandez-Gil zu diesem kleinen Scherz animiert. Ansonsten halte ich Hannelore Elsner natürlich für eine tolle Schauspielerin.
 
Echt?
Echt.
 
Wie kommt man auf die schräge Idee, eine Geschichte um einen Unsichtbaren ausgerechnet fürs Kino zu entwickeln?
Der Ursprung war eigentlich die Erfahrung, dass man manchmal beim Bäcker oder in der Kneipe an der Theke steht, aber von der Bedienung aus irgendwelchen Gründen einfach nicht beachtet wird. Gerade so, als sei man unsichtbar. Ich denke, solche Situationen hat jeder schon erlebt. In den 1980ger Jahren gab es sogar mal wissenschaftliche Untersuchungen über dieses Phänomen.
 
Daraus ließe sich ja auch ein Drama oder Thriller stricken. Sie haben sich für eine romantische Tragikomödie entschieden. Warum?
Ich wollte auf jeden Fall keinen Science-Fiction-Film à la „The Invisible Man“. Ich finde, das Genre der Tragikomödie passt wunderbar zu diesem Phänomen.
 
Man denkt bei Ihrem Film ja unwillkürlich an den Bühnen- und Filmklassiker „Mein Freund Harvey“ oder Woody Allens „Zelig“ um einen Mann, der sich seiner jeweiligen Umgebung bis zur Unkenntlichkeit anpasst…
Gegen diese Assoziationen habe ich absolut nichts einzuwenden. Da fühle ich mich eher geschmeichelt.
 
Aber besteht bei einem solchen Film um Unsichtbar- oder, wie es hier heißt, Schwersichtbarkeit nicht die Gefahr, dass die Zuschauer ständig auf die logische Stimmigkeit der Bilder achten und dadurch von der eigentlichen Geschichte abgelenkt werden? Konkretes Beispiel: Müsste, wenn Udo seiner Kaufhaus-Freundin eine geklaute Nusstorte serviert, da für alle Umstehenden nicht zumindest ein frei schwebender Kuchenteller zu sehen sein?
Die Gefahr besteht durchaus. Ich habe versucht, die Zahl dieser Momente so klein wie möglich zu halten, aber natürlich muss man da Kompromisse machen. Mein Ziel war dabei immer, in den entsprechenden Sequenzen etwas anzubieten, damit den Zuschauern die Frage nach der visuellen Logik dabei gar nicht in den Sinn kommt.
 
Wie kam es zu der erstaunlichen Besetzungsidee, dem gefeierten Theater-Star Fritzi Haberlandt den Komiker und Laien-Darsteller Kurt Krömer an die Seite zu stellen.
Fritzi Haberlandt hatten wir eigentlich bei der Skizzierung dieser Figur schon im Kopf, weil wir uns sicher waren, dass sie ein riesiges komisches Potential hat, das sich seltsamerweise bisher kaum ein Regisseur zunutze gemacht hat. Wir brauchten eine Darstellerin, der man die taffe Businessfrau genau so abnimmt wie die kauzige Einsame, die sich auf einen Typen wie Udo einlässt.
 
Wie kommt man dann als Regisseur eines Debutfilms an die `große´ Fritzi Haberlandt? Kannten sie sich vorher schon? Mit ganz dicken Geldbündeln konnten Sie bei dieser Produktion ja vermutlich nicht wedeln.
Überhaupt nicht. Der Kontakt kam auf dem normalen Dienstweg zustande. Wir haben das Drehbuch an ihre Agentur geschickt und sie hat dann ziemlich schnell zugesagt. Aber das ist ja bei großen Schauspielern häufig so, dass sie nicht aufs Geld oder den Status eines Regisseurs schauen, sondern sich einfach von einer Geschichte begeistern lassen.
 
Und dazu Kurt Krömer…
Bei der Besetzung des Udo haben wir lange überlegt. Es war keineswegs so, dass wir unbedingt einen Film mit Kurt Krömer oder gar einen Kurt-Krömer-Film machen wollten. Wenn man einen Comedian besetzt, den alle von der Bühne oder aus dem Fernsehen kennen, gibt es einerseits immer das Risiko einer bestimmten Erwartungshaltung seitens des Publikums. Andererseits waren wir uns anfangs auch gar nicht sicher, ob Kurt es schaffen würde, für den Film aus seiner angestammten Figur raus zu kommen. Aber bei den Castings hat er uns absolut überzeugt.
 
Und die zwei Hauptdarsteller sind dann problemlos miteinander ausgekommen?
Absolut. Die Chemie stimmte von Anfang an und nach jeder Szene haben die beiden volles Brett losberlinert, dass ich kaum ein Wort verstanden habe.
 
Wobei ja seltsam ist, dass man die Ostberlinerin Fritzi Haberlandt nicht zuletzt durch ihren Vornamen und ihr Engagement am Burgtheater für eine Österreicherin hält, während der Westberliner Kurt Krömer immer als typischer Ossi durchgeht.
Genau. Ist doch wunderbar.
 
Konnten die beiden vor Drehbeginn eigentlich Rollschuhfahren?
Sie konnte es einigermaßen, aber Krömer hatte hat acht Wochen lang Rollschuh-Training. Doch in manchen Sequenzen wird er natürlich dennoch von Profis gedoubelt.
 
Was die Location angeht, haben Sie in Köln ja das komplette Kaufhaus im ehemaligen Bundesbahn-Gebäude hinter dem Hauptbahnhof an der Rheinuferstraße nachgebaut, oder?
Genau. Nur die Szenen in der Lebensmittelabteilung haben wir an einem Sonntag gedreht. In einem Bio-Supermarkt auf der Dürener Straße gedreht.
 
Und der Showdown des Films, das Happy End auf dem Flughafen, ist eine Hommage an „Casablanca“?
Nichts dagegen, wenn es so aussieht, aber so war das Ganze eigentlich nicht geplant. Es war an dem Drehtag einfach miserables Wetter. Regen und der Nebel waren ursprünglich nicht vorgesehen.
 
Wie haben Sie es geschafft, Sönke Wortmann als Produzenten für Ihren Debutfilm zu gewinnen?
Auch das ist ganz konventionell gelaufen. Wir haben ihm das Buch geschickt und er war dann gleich sehr angetan.
Eigentlich haben wir das Drehbuch nicht Sönke, sonder der Produktionsfirma Little Shark Entertainment geschickt. (Die übrigens in der Südstadt in der Maria-Hilf-Straße sitzen. Da ich ja auch in der Südstadt wohne und Produzent Martin Roelly das Odeon betreibt, ist EINE INSEL NAMENS UDO ja irgendwie eine echte Kölner Südstadt-Produktion. Jedenfalls haben wir das Buch an die bei Little Shark angestellte Producerin Julia Willmann geschickt. Und die hatte es nicht Sönke, sondern Tom Spieß gepitcht – Sönkes Firmenpartner und Produzent. Schön ist die Geschichte, dass Julia Tom nur den Titel gesagt hat und er musste sofort schmunzeln. Das war dann quasi fast schon der Startschuss für das Projekt.

Ist so ein Name im Hintergrund dann schon die halbe Miete, wenn man einen Debutfilm ins Kino bringen möchte?
Natürlich hat Wortmanns Produktionsfirma Little Shark als eine Art Türöffner bei der Filmstiftung NRW und dem WDR funktioniert. Das war für Debütanten wie uns schon ein richtiger Glücksgriff.
 

 
Markus Sehr, 1977 in Köln geboren, arbeitete nach dem Studium fünf Jahre lang als Texter bei der Hamburger Werbeagentur Springer & Jacoby, bevor er ab 2004 ein Regie-Studium an der ifs internationalen Filmschule Köln absolvierte. Nach mehreren Kurzfilmen ist die Tragikomödie „Eine Insel namens Udo“ sein erster Langfilm fürs Kino. Markus Sehr lebt seit Jahren in der Südstadt und wohnt in der Mainzer Straße.

Text: Reinhard Lüke

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