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Eine Stunde mit dem Hafenmeister

Mittwoch, 20. August 2014 | Text: Jasmin Klein | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Tim sitzt in seinem Büro und dreht sich eine Zigarette. Ein Schiffshorn ertönt. Es ist sein Handy. Ein Bootsbesitzer ruft an und fragt, ob er sein Boot jetzt betanken kann. Tim bejaht, legt auf und erhebt sich aus dem Stuhl. Er geht raus auf den Steg und grüßt Richi, den Pächter vom Hafenboot, der dort gerade das Abendessen für seine Gäste vorbereitet, und läuft vor bis zur Tankstelle. Dort nimmt er den Bootsfahrer in Empfang und reicht ihm den Tankschlauch. Diesel 1,49€. Tanken muss der andere selbst. Aus Haftungsgründen.

Seit März 2013 ist der 42jährige Tim Hafenmeister im Yachthafen. Vorher hat er auch schon als Hafenhandwerker Arbeiten übernommen. Schließlich ist er ja gelernter Schlosser, und an seinem eigenen Schiff, das an der gegenüberliegenden Kaimauer festgezurrt ist, schraubt er auch immer noch gerne rum. Noch früher hat er beim Fernsehen als Bühnenbauer gearbeitet, aber nach 18 Jahren hatte er davon genug.

Im Kölner Yachthafen, dessen Geschäftsführer Karl-Heinz Zündorf heißt wie der nächstgelegene Wassersporthafen, liegen zur Zeit 146 Boote. Große, kleine, teure und nicht so teure. Es gibt Gastlieger, die nur kurz bleiben, aber auch Monatslieger. Die meisten, um die 140, sind allerdings Dauerlieger mit Jahresverträgen und kommen aus dem weiteren Kölner Umland. Sie zahlen 200€/Meter/Jahr. Und die Schiffe sind von 6-24 Metern lang. Kann man sich ja ausrechnen, wie teuer sowas ist. Noch das Boot selbst dazugerechnet (bei 5.000€ geht’s los, nach oben wie immer offen), und dann hat man den Preis für die nächsten Jahre Entspannung.

Der Hafen ist den Sommer über fast immer ausgelastet. Im Notfall findet der Hafenmeister noch einen Platz, wenn es sein muss, ohne Strom und Wasser an der Kaimauer. Aber immer in dem sicheren Hafen, voller Kameras und mit Security-Service.
Wenn sie ankommen, müssen sie durch die Drehbrücke am Schokoladenmuseum. Wie das geht? Man ruft den Hausmeister des Schokomuseums an, der lässt dann die Brücke drehen. Oder es ist Montag oder nach 18 Uhr, dann muss Tim selbst ran. Box auf, Schranke auf, Knopf drücken. Es ist ganz einfach, sieht aber imposant aus. Die Museumbesucher schauen andächtig zu.

 

Seit über 40 Jahren gibt es nun schon den Yachthafen in der Südstadt. Der Köln Marina RSK (Rheinau Sporthafen Köln) hat die Wasserfläche von der HGK (Häfen und Güterverkehr Köln) gepachtet. Es gibt auch eine Werkstatt und ein Lager. Am Wochenende kommen die Aushilfen. Sonst müsste Tim da auch noch ran. Aber er verbringt auch gerne Zeit auf seinem eigenen Boot. Manche sagen, es sähe aus wie die Hoppetosse von Pippi Langstrumpfs Vater. Er hat sie im Internet gefunden und über die Nordsee aus den Niederlanden in den Kölner Yachthafen geschifft. Da steht sie nun und bietet Tim Freizeitbeschäftigung und Erinnerungen an die eigene Kindheit. Schon sein Vater war stolzer Bootsbesitzer.

Heute kommt das Fernsehen zu ihm. Wie kürzlich, als das Team um Cobra 11 ein Schiff in die Luft gesprengt hat. Schön war es auch, als Frau Höpker im Rahmen des Rheinauhafen-Eröffnungsfestes zum Gesang bat. Um die 4.000 Menschen versammelten sich um den Yachthafen herum und blickten auf das Ponton, auf dem Frau Höpker stand und die Zuschauer zum Singen bewegte.

Aber ansonsten ist es ruhig hier im Yachthafen. Niemand randaliert oder ertrinkt. Manchmal plumpst einer ins Wasser, aber als Wasserratten ist noch keinem wirklich was passiert. Die Gäste haben eine große Gemeinsamkeit: Sie sind alle nett. Tim duzt sich mit der Mehrzahl.

Abends treffen sich die Gäste gerne auf dem Hafenboot. An dem großen Schiff läuft jeder auf dem Weg zum Steg sowieso vorbei. Richi Vogel betreibt die hafeneigene Wirtschaft nun schon im dritten Jahr. Hier treffen sich die Bootsbesitzer abends auf eine Kleinigkeit – ein Kölsch, eine Wurst, ein Gespräch. Jeden Tag öffnet Richi Vogel um 17 Uhr und schließt, wenn sich der letzte Gast in seine Koje legt. Natürlich darf man auch kommen, wenn man kein Boot hier liegen hat. Das geschieht aber eher selten.

Tim geht wieder zurück über den Steg zu seinem kleinen Büro-Container. Wenn die Sommersaison vorbei ist, werden die ganzen Container, auch die mit den Duschen und den Toiletten, komplett renoviert. Alles neu. Aber noch ist alles wie immer. Tim setzt sich auf seinen Stuhl, greift sich den Tabakbeutel und dreht sich eine Zigarette. Das Schiffshorn hupt. Er geht ran. Jemand will tanken.
 

Text: Jasmin Klein

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