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Lükes Liebes Leben

Fahrerflucht auf Papier

Montag, 4. Oktober 2021 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Letztens ist meine Frau überfahren worden. Von einer Autofahrerin.

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Zugetragen hat sich der Vorfall im Hirschgässchen. Nach Auskunft der Gattin war sie da mit dem Rad Richtung Severinstraße unterwegs, als ein PKW von dort in de Gasse einbog und die Fahrerin mittleren Alters direkt auf sie zuhielt. Die kurze Gasse ist nicht die allerbreiteste, aber wenn beide Seiten sich halbwegs zivilisiert verhalten, passen Auto und Rad aneinander vorbei. Und in diesem Fall steuerte die Lenkerin auch keinen dieser lächerlichen Kleinpanzer namens SUV. Als meine Gattin merkte, dass die Dame hinter dem Steuer es offenbar auf sie abgesehen hatte, stieg sie sicherheitshalber vom Rad. Mit ihr auf einer Höhe, begann die Motorisierte zu zetern, dass sie im Recht sei und man ihr gefälligst Platz zu machen habe.

Aufruhr im Hirschgässchen

Das Autokennzeichen wies die Schimpfende als Bewohnerin des Kölner Umlandes aus. Gut möglich, dass sie nicht wusste, dass fast alle Einbahnstraßen in Köln inzwischen für Radfahrer auch in Gegenrichtung freigegeben sind. Was auf Verkehrsschildern ja auch deutlich angezeigt wird. Aber auf dem Land kennt man solche Regelungen (und Schilder) vermutlich nicht, weil das Volk da ohnehin sämtliche Wege mit dem Auto erledigt. Jedenfalls rollte die Dame vom Land während des Disputs mit ihrem Gefährt immer weiter vor und stand schließlich mit einem Rad auf dem Fuß meiner Gattin. Als sie die Fahrerin in gebotener Lautstärke darauf hinwies, brauste diese einfach davon. Für die ganze Aktion gab es zwei Zeugen, die sich bereits das Kennzeichen notiert hatten und dringend zu einer Anzeige rieten. Die gerufene Polizei nahm die Aussagen auf und schließlich lief das Ganze auf eine Anzeige wegen Fahrerflucht mit Personenschaden hinaus. Auch wenn sich bei einer Untersuchung im Klösterchen herausstellte, dass dem Fuß dank robusten Schuhwerks zum Glück nichts Gravierendes passiert war, solche Verkehrsidioten gehören angezeigt. Fertig. Wie auch immer die Sache letztlich ausgehen mag.

Abheften, ablegen

Ein paar Tage später kam jedenfalls per Post ein DIN A4-Umschlag von der Polizei mit einem faltenfreien Anhörungsbogen, auf dem meine Frau ihre Sicht der Dinge nochmal darlegen sollte. Da sie nun nicht eigens die alte Schreibmaschine mit vermutlich eingetrocknetem Farbband aus dem Keller holen wollte, hat sie den handschriftlich ausgefüllt, geknickt und in den mitgelieferten Rückumschlag in Standardgröße gesteckt. „Porto zahlt Empfänger“ stand da drauf. Wie stelle ich mir das weitere Prozedere in Deutschland im Jahre 2021 vor? Sitzt dann da ein Beamter in der Dienststelle und gibt die Angaben in den Computer ein? Oder wird das Blatt zur Kenntnis genommen und anschließend in einen Pappordner mit Aktenzeichen abgeheftet, der in ein Regal auf all die anderen gelegt wird? Sollte es möglich sein, dass bei der Polizei wie weiland bei „Derrick“ noch immer überwiegend mit papiernen Schriftstücken gearbeitet wird? Eigentlich lächerlich, aber nach den Erfahrungen in der Pandemie, als Gesundheitsämter ihre Daten noch massenhaft per Fax (so es das Gerät nicht tat, auch per Telefon) übermittelten, kann ich mir da so ziemlich alles vorstellen. Nach jüngsten Erhebungen rangieren wir im europäischen Vergleich in puncto Digitalisierung auf einem Level mit Bulgarien. Das Thema ist ja nicht neu und ich habe gewiss viel dazu gelesen, aber so richtig hat mir noch immer keiner erklären können, woran das in einem der reichsten Länder der Welt eigentlich hakt.

Mit der FDP in die Disco

Aber man kann bei der Post noch immer Telegramme aufgeben. In der Standard- und in der etwas teureren Schmuckversion. Der Preis richtet sich wie anno tobak nach Anzahl der Wörter. Die Nachrichten werden dann persönlich überbracht. Rührend. Vielleicht sollte ich mal einen jungen Menschen zum Geburtstag mit einem Telegramm überraschen. Der wird sich wundern, was es aus der Steinzeit der Kommunikation noch alles gibt. Ältere Menschen sollte man damit lieber verschonen. In meiner Kindheit auf dem Land hat der Telegrammbote vielleicht zwei, drei Mal geklingelt und da war eigentlich immer ein Unglück passiert.

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Aber womöglich wird in der Digitalisierungs-Misere mit der FDP demnächst alles besser. Stand jedenfalls im Wahlprogramm. Ob das erklärt, warum bundesweit 25 Prozent der Erstwähler der Ein-Mann-Partei ihre Stimme gegeben haben? In Köln sah es nicht anders aus. Oder fanden die Teenager Christian Lindner mit Drei-Tage-Bart auf den stylischen Plakaten vielleicht einfach smarter als die Konkurrenz. Die Wahlforscher rätseln noch. Könnte es vielleicht so sein, dass das Jungvolk mit der FDP assoziiert, sie sei für möglichst wenig Verbote und nun einfach hofft, ohne irgendwelche Gs problemlos in die Disco zu kommen?

Text: Reinhard Lüke

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