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Bildung & Erziehung Gesellschaft Südkids

Kosta Vassiliadis und der Bildungsstreik

Dienstag, 15. November 2011 | Text: Wassily Nemitz | Bild: Niels Flöter/Wikimedia Commons

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Am kommenden Donnerstag, 17.11.2011, ist es wieder so weit: Der so genannte „Bildungsstreik“ findet statt – bundesweit werden Schüler, Studenten und Auszubildende für bessere Bildungschancen zu Tausenden auf die Straße gehen. Wir haben mit Kosta Vassiliadis über die Forderungen der Schüler und auch die von manchen geäußerte Kritik an den Aktionen gesprochen. Kosta Vassiliadis ist Mitglied des Vorstandes bei der Bezirksschülervertretung Köln und sitzt mit im Bildungsstreikbündnis. Er ist 18 Jahre alt und besucht das Heinrich-Mann-Gymnasium in Volkhoven/Weiler.

Herr Vassiliadis, am kommenden Donnerstag findet auch in Köln wieder ein Bildungsstreik statt – was sind die konkreten Forderungen?
Zum einen fordern wir ganz klar die Abschaffung von G8, also der verkürzten Schulzeit am Gymnasium von neun auf acht Jahre. Dieses neue System gefällt uns einfach nicht, da viele Rahmenbedingungen nicht gegeben sind. Den Schülerinnen und Schülern wird die Möglichkeit genommen, sich frei zu entfalten und ihre Persönlichkeit zu entwickeln, da sie dazu schlichtweg keine Zeit mehr haben. Außerdem sind viele Klassen und Leistungskurse immer noch viel zu groß, sodass Schüler, obwohl sie eigentlich leistungsstark sind, in Gefahr geraten, abzustürzen. Deswegen fordern wir neben der Abschaffung von G8 kleinere Klassenstärken.
Da inzwischen großflächig auf die Ganztagsschule umgestellt wird, ist eine weitere Forderung günstiges oder gar kostenloses Mittagessen, weil viele Familien die Kosten für das Essen nicht stemmen können.
Auch lehnen wir den Schulkonsens ab. Wir sind gegen ein mehrgliedriges und somit selektierendes Schulsystem. Wir fordern eine Schule für alle, bis zur zehnten Klasse! In Deutschland wird zu früh selektiert, so dass den Schülern teilweise schon sehr früh die Möglichkeit auf eine gute „Karriere“ genommen wird.

Quintessenz ist also, im Landeshaushalt mehr Geld für die Bildung bereitzustellen?
Genau, das ist eine ganz klare Forderung! Es muss dringend mehr Geld in die Bildung gesteckt werden. Das Ärgerliche ist, dass die Mittel dafür vorhanden sind – der Staat versteckt sie aber, er hält sie zurück. Bis vor eineinhalb Jahren ist Geld, das eigentlich für die Bildung vorgesehen war, an die Bundeswehr geflossen. Da handelte es sich um Beträge, die sicherlich weit in die Millionen, wenn nicht 10 Millionen gehen. Das kann einfach nicht sein!

Seit 2010 ist in NRW eine neue, rot-grüne Landesregierung im Amt – sehen Sie denn überhaupt keine Fortschritte gegenüber der viel gescholtenen schwarz-gelben Vorgängerregierung?
Was heißt Fortschritte? Ein Fortschritt ist für uns dann gegeben, wenn eine Forderung erfüllt wurde…

…das ist ja passiert, oder?
Ja, wir haben die Wiedereinführung der Drittelparität in den Schulkonferenzen und die Abschaffung der Kopfnoten gefordert – beides wurde durch die neue Landesregierung umgesetzt. Aber damit werden wir uns nicht zufrieden geben. Die neue Landesregierung hat versprochen, mehr für die Bildung zu tun. Nur leider sehen wir da nicht sehr viel – G8 zum Beispiel ist immer noch da!

Dem Bildungsstreik wird häufig vorgeworfen, er sei unglaubwürdig, da er fast schon wie eine Institution regelmäßig stattfindet – erfüllt der Bildungsstreik nicht ein Stück weit einen Selbstzweck?
(lacht) Es findet eine große Aktion jährlich statt, das ist ja nicht ständig… (überlegt) Wieso erfüllt der denn einen Selbstzweck? Wir sind ja nicht egoistisch und wollen alle eine 1+ im Leistungskurs…

Mit Selbstzweck meine ich viel mehr, dass der Bildungsstreik nach dem Motto „Wir machen den Bildungsstreik nur, weil wir ihn immer schon gemacht haben“ abgehalten wird, egal, ob Forderungen erfüllt wurden oder nicht. Wieso braucht man den Bildungsstreik noch?
Fast alle Schüler leiden unter dem Bildungssystem, alleine in Köln haben wir 100 000 Schüler – das sind Menschen; und um die kümmert sich keiner.  Wir haben den Ganztag, wir haben G8, die Schüler haben kaum noch Zeit für andere Dinge – damit können wir uns doch nicht einfach zufriedengeben!

Sie glauben allen Ernstes, dass die teilnehmenden Schüler aufgrund der schlechten Situation teilnehmen? Oder sehen es die meisten nicht eher als willkommene Gelegenheit, nicht beim Unterricht erscheinen zu müssen?
Sicherlich wird es viele davon geben, die sich denken „Ja cool, schulfrei“, da gehe ich hin. Aber ich denke, dass die meisten während der Aktion feststellen werden, dass sie letzten Endes etwas für sich und die gesamte Schülerschaft tun. Ich gebe zu, als ich das erste Mal bei einem Bildungsstreik mitgegangen bin habe auch ich mir wenig dabei gedacht. Als ich dann aber den ganzen Tag über die Parolen und die Reden gehört habe, stellte ich sehr schnell fest: Das ist eine super Sache.

Kosta Vassiliadis, Mitglied des Vorstandes bei der Bezirksschülervertretung Köln./Foto: Privat

 

Grundsätzlich herrscht ja in Deutschland die Schulpflicht, der Bildungsstreik findet während der Unterrichtszeit statt. Auf welcher rechtlichen Grundlage ruft das Bildungsstreik-Bündnis dazu auf?
In Deutschland hat jeder Mensch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Des Weiteren kann jeder eine friedliche Demonstration anmelden. Darauf bezieht sich das Bildungsstreikbündnis. Wir sind, wie gesagt, Menschen, die Kritik äußern wollen, die etwas verändern wollen, die für unsere Zukunft kämpfen. Aus diesem Grund wurde eine friedliche Demonstration angemeldet auf der wir unsere Meinung lautstark kundgeben wollen.

Auf dem Bildungsstreik wird für mehr Bildung demonstriert – er findet aber während der Schulzeit statt, also gibt es effektiv gesehen weniger Bildung. Wieso macht man eine Demonstration nicht am Wochenende?
Das ist natürlich eine schlaue Frage! (überlegt) Einerseits machen wir das während der Schulzeit, um zu provozieren, andererseits kriegen wir so eine ganz große Masse hin und zeigen, dass wir was ändern wollen. Wir wollen den Schulen den Protest vor Augen führen. Wenn in einer Stufe von 100 Schülern 50 fehlen, dann ist das natürlich extrem. Sie können es dann einfach nicht mehr ignorieren.

Wenn Sie sagen, eine große Masse sei eher während der Schulzeit zu mobilisieren, dann zeigt das doch, das die meisten während ihrer Freizeit nicht bereit sind, zu demonstrieren!
Wir würden die Schüler vermutlich auch am Wochenende bekommen. Vielmehr geht es uns darum, an den Schulen ein Zeichen zu setzen. Wenn der Schulleiter merkt, es fehlen auf einmal viele Schüler, dann sieht er, es ist eine große Masse an Unzufriedenen. Wenn die Schülerschaft Kritik hat am Bildungssystem, dann hat sie auch das Recht, diese zu äußern – egal, ob unter der Woche oder am Wochenende.

Eine technische Frage zum Schluss: Was genau wird am Donnerstag passieren?
Es gibt zwei Startpunkte: Zum einen den Albertus-Magnus-Platz vor der Uni und zum anderen die Eitorfer Straße in Deutz. Es wird eine Art Sternmarsch geben – die beiden Züge werden aufeinander zulaufen und am Kartäuserwall vor dem Humboldt-Gymnasium zusammentreffen, wo eine Kundgebung abgehalten wird. Gemeinsam werden beide Züge zum Rudolfplatz gehen, an dem es eine Abschlusskundgebung gibt.

Im Bildungsstreik-Bündnis sind neben der Bezirksschülervertretung Köln zahlreiche andere Interessensverbände vertreten, so der Asta, der Kölner Jugendring oder die DGB-Jugend. Alle Partner und weitere Informationen gibt es unter www.bildungsstreik-koeln.de
 

Text: Wassily Nemitz

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