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Kultur

Mira, der schiefe Baum im Römerpark, und andere Geschichten…

Mittwoch, 8. Juni 2016 | Text: Calle Virnich

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wer die Skulptur „Sohn und Vater“ am Rheinufer geschaffen hat, konnten wir vor einem halben Jahr aufdecken. Die Neugier war geweckt: gibt es noch andere Kunst von „Joachim X“, versteckte oder weniger versteckte, in der Südstadt oder anderenorts in Köln? Calle Virnich machte sich auf den Weg und besuchte den Künstler in seinem Atelier.

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Schon alleine das architektonisch ausgefallene, selbst entworfene und zum größten Teil auch selbst gebaute Wohnhaus mit Atelier ist einen Besuch wert. Hier lebt der Künstler seit 2008 zusammen mit seiner Freundin und den fünf Kindern, hier entwirft er, hier macht er seine Kunst. Wir gehen durch die Werkstatt mit ihren Werkbänken, -stücken, begonnenen und fertigen Objekten. Über eine steile Treppe geht es, auf halber Höhe, zum Büro mit seinem markanten, halbmondförmigen Schreibtisch, „der ist noch aus der Xantener Straße“, und dem Panzerglasboden, durch den der Blick hinunter ins Atelier fällt. Sicher sind schon viele Südstädter an dem auffälligen Gebäude vorbeispaziert, aber mehr kann ich darüber nicht berichten. Denn „Joachim X“ bleibt seinem Motto treu, will sich und seine Arbeiten nicht an die große Glocke hängen und möchte als Künstler anonym bleiben.


Seit fast 30 Jahren balanciert er auf der Nordseite der Hohenzollernbrücke. Wer hat den „Balanceur“ noch nicht gesehen? (Foto: Künstler)

Auf dem Laptop seiner Freundin zeigt mir Joachim X einen Querschnitt seines bunten und vielfältigen Œuvres: Bereits seit den frühen 1980er Jahren erfindet, entwirft, konstruiert und baut der gebürtige Kölner und gelernte Schreiner, Metallbauer und freischaffende Künstler Treppen, ausgefallene Möbel aus Holz, Schrott und Abfallmaterialien, und natürlich Skulpturen, meist tier- und menschenähnliche Gestalten, aus Stahl und Holz. Zunächst in einer Landkommune im Taunus, seit 1986 bis Anfang der 1990er in und mit der Künstlergruppe X99 in der Nippeser Xantener Straße (wir haben darüber berichtet), danach lange Jahre in seinem Atelier im Rheinauhafen.

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Joachim X präsentiert seine Möbel und seine Kunst erfolgreich auf Messen und Ausstellungen, aber entwirft und baut auch für Privatleute. Mit sogenannten „Pochoirs“, mittels Schablonen verbreitete Street-Art bzw. Graffitis auf öffentlichen Objekten, machen er, Kollegen und Freunde in den Nippeser Jahren auf Umweltkatastrophen wie Tschernobyl oder die Rheinverseuchung durch die Schweizer Firma „Sandoz“ aufmerksam. Protestkunst im öffentlichen Raum. Dieser „öffentliche Raum“ fasziniert Joachim X und lässt ihn nicht mehr los.

1986 beginnt er mit der „ungebetenen Aufstellung von Metallskulpturen im öffentlichen Raum“. Sinniger und treffender kann man es nicht ausdrücken, und es erklärt ein wenig, warum der Künstler nicht unbedingt mit seinem Namen hausieren mag. Joachim X sucht für seine Arbeiten nicht irgendwelche Plätze, sondern genau die Orte, die auf die Kunstwerke warten. So war es auch 1986, als er den Zaunpfeiler am Ende des Ubierrings bzw. an der Agrippinawerft in der Südstadt entdeckte, damals noch am mehr oder weniger ursprünglichen Rheinauhafen. Der Pfeiler war der ideale Platz für eine Skulptur. Joachim X schuf den „Stehenden Storch“, der aber bald nach der Installation „abgesägt und gestohlen“ wurde.


„Der Landende Storch kurz nach seiner Aufstellung 1987. Jetzt hat er ordentlich Patina angesetzt. (Foto: Künstler)

Der Künstler machte sich sogleich an die Arbeit und baute 1987 aus Eisenschrott und Stanzabfällen einen zweiten, nun „Landenden Storch“. Fast hätte dieser das gleiche Schicksal erlitten wie der erste Storch: Auch diese Skulptur wurde mutwillig abgesägt, aber eine Finderin hatte sie in Sicherheit gebracht. Und Joachim X konnte seinen Storch bald wieder nach Hause bringen, auf den „Landeplatz“, wo er noch heute steht. Er erzählt, dass es im Laufe der Jahre einigen seiner Werke so erging, und zumeist ohne glückliches Ende.

Einen ganz anderen Hintergrund hat die Skulptur, die sicher jeder kennt, der schon einmal im Römerpark war, auf dem Weg zwischen Eierplätzchen und dem Unigebäude. In gewisser Weise fällt sie auch aus dem Rahmen, denn sie ist keine „ungebetene Aufstellung einer Metallskulptur“: Eine Freundin aus der nahen Mainzer Straße, wo Joachim X lange Jahre lebte, erzählte ihm von jenem schiefen Baum im Römerpark, unter dessen Stamm sie als Kind immer mit dem Fahrrad hindurch fahren konnte. Jetzt habe sich der Baum immer tiefer geneigt. Sie befürchtete, dass die Stadt ihn einfach fällen würde und fragte den Künstler, ob er nicht eine Stütze entwerfen und bauen könne.

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Gemeinsam mit einem damaligen Praktikanten machte sich Joachim X ans Werk. Mira, die jüngste Tochter seiner Freundin, hatte damals, 2009, genau die passende Größe, um Modell zu stehen. So entwarf und baute Joachim X nach Vorbild Miras jene kleine Gigantin, die nach wie vor den schiefen Baum im Römerpark hält und, das ist zu vermuten, gerettet hat.

Und noch eine Figur muss erwähnt werden, auch wenn sie nicht in der Südstadt steht: der „Balanceur“ auf der Hohenzollernbrücke, den vermutlich schon Tausende gesehen haben. Bereits 1986 versuchte Joachim X mit Freunden den für eine Ausstellung in Köln-Mülheim geschaffenen filigranen Tänzer in einer abenteuerlichen Nacht und Nebel Aktion auf einem der nördlichen Ausleger der Brücke zu installieren. Das ging schief, die Freunde wurden erwischt und rückten samt dem 2,50 Meter großen „Balanceur“ auf der Polizeiwache am Hauptbahnhof ein.

Doch es passierte nichts. Gut ein Jahr später gab es für Joachim X und einem Freund einen neuen Anlauf. Diesmal gelang die Aktion, und nachträglich erfuhr er über die Presse, dass die Deutsche Bahn die Skulptur dulde. Seit bald 30 Jahren balanciert der Balanceur also dort, droht zu fallen, und fällt nicht. Wünschen wir das auch den anderen Arbeiten des Künstlers, den vorhandenen, und denen die noch kommen? Wir sind gespannt!

Text: Calle Virnich

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