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Kultur Südstadt

Zum Lesen auf den Südfriedhof

Mittwoch, 17. Mai 2023 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Elke Tonscheidt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Was macht einen Friedhof aus? Geht man da nur hin, um Verstorbene zu ehren? Für Lutz Pakendorf, den Geschäftsführer der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner, ist die Frage schnell beantwortet – klares Nein! Er möchte sogar, dass Friedhöfe – und in Köln gibt es, sagt er, allein 55 städtische Friedhöfe – viel mehr besucht werden. Der Südfriedhof in Zollstock, ohnehin ein Juwel der Natur, ist nun um eine Attraktion reicher: Dort steht Kölns erster Offener Friedhofs-Bücherschrank. Natürlich nicht mit Trauer-Lektüre, sondern mit dem gewohnt durchmischten Sortiment.

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Als Claudia Andriani sich dem Bücherschrank nähert, sagt sie zu ihrer Begleitung: „Das ist ja witzig, ein Bücherschrank.“ Ich sitze auf einer Bank in unmittelbarer Nähe, freue mich, dass trotz Wind und Wetter zwei andere Menschen auf dem Friedhof sind. Die beiden öffnen die Schranktüren und stöbern. „Interessant, dass die Bücher gar nicht nass werden“, höre ich ihn sagen. Gerade hatte es noch richtig geschüttet, aber das macht einem Offenen Bücherschrank: Gar nichts.

Das war es übrigens auch, was Lutz Pakendorf, auf dessen Initiative der Friedhofs-Bücherschrank zurückgeht, im Vorfeld überlegt hatte: „Wir haben gehofft, dass die Bücher vor jeglicher Witterung geschützt sind“, berichtet mir der gelernte Agraringenieur. Die „ausgetüftelte Konstruktion dieser stabilen Schränke“ hatte ihn überzeugt.

Claudia Andriani am Bücherschrank (Foto: Elke Tonscheidt)

Doch zurück zu Claudia Andriani, die diesen Platz auf dem Südfriedhof schon aus ihrer Kindheit kennt. Ihr Vater hatte in Zollstock die Bäckerei in der Vochemer Straße geführt. „Und da die Zeit mit der Familie begrenzt war, sind wir auf den Friedhof nebenan, weil der so schön grün war“, erinnert sie sich. „Mein Vater saß dann genau hier mit seiner Zeitung, meine Schwester und ich im Zwillingswagen“, lächelt Claudia, die noch Fotos aus dieser Zeit hat. Leider sind ihre Eltern in jüngster Zeit verstorben, deshalb ist sie hier.

Umso schöner, dass dieser Platz nun um einen Bücherschrank reicher sei, sagt sie und erklärt: „Bei schönem Wetter sitzen hier so viele alte Leute, dass man fast schlecht ein Plätzchen findet.“ Jetzt könnten sie statt Zeitung auch mal ein Buch finden.

Am 8. Mai 2023 wurde der Bücherschrank auf dem Südfriedhof aufgebaut. Festlich eingeweiht werden sollte er am folgenden Tag – da war aber Starkregen angesagt, weshalb ein neuer Termin gefunden wurde. Die Einweihung wird nun am 6. Juni 2023 um 15 Uhr stattfinden.

„Grüner als der Grüngürtel“

Jeder kann kommen und dabei sein. Denn genau das wünscht sich Lutz Pakendorf, der seit 2006 bei der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner arbeitet: Dass die wunderschönen Kölner Friedhöfe mehr wahrgenommen werden. „Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen“, sagt er, „dass jeder diese Orte nutzen kann, ob in der Mittagspause oder am Wochenende. Sie sind grüner als der Grüngürtel!“

Gießen und stöbern (Foto: Elke Tonscheidt)

Der Bücherschrank auf dem Südfriedhof ist nun in einer Pilotphase. Jetzt würden Erfahrungswerte gesammelt, berichtet Pakendorf, denn er weiß auch, dass gefragt wird: Wie wird der Schrank behandelt? Wird er vielleicht verwahrlosen, wie manche argwöhnen? Er persönlich befürchtet das nicht und auch Hans-Jürgen Greve, der die Offenen Bücherschränke seit 14 Jahren baut und im Stadtbild etabliert, sagt dazu auf Anfrage: „Vandalismus findet so gut wie nie statt. Im Gegenteil: Unsere Erfahrung ist, dass die Schränke super gepflegt werden. Und das liegt vor allem an den Pat*innen.“

„Bücher eben nicht einfach entsorgen“

Bundesweit wird es, rechnet Stadtplaner Greve zusammen, in diesem Sommer 1000 Bücherschränke geben, allein 50 davon stehen in Köln. Zusammen mit der Bürgerstiftung Köln kümmert man sich darum, dass es immer eine Anzahl von Pat*innen gibt, die sich um den Schrank und seinen Inhalt kümmern. Für den Bücherschrank auf dem Südfriedhof ist Josefa Raab als Patin da.

Die „jebürtige Kölnerin mit Imi-Wurzeln“ (Raab über Raab) schätzt Friedhöfe „als Schutzräume, die der Alltagsrealität entzogen sind“. Die Aufgabe als Patin hat sie gern übernommen, weil: „Die Bücherschränke halte ich für eine gute Sache, nicht nur im Sinne der nachhaltigen Nutzung; sondern auch, um wie im Freundeskreis liebgewonnene Schätze eben nicht zu ‚entsorgen‘ sondern auf diese Art weiterzuempfehlen.“ Josefa Raab ist Geschäftsführerin des Allgemeinen Bürgervereins Köln-Zollstock e.V. Sie weiß, wie wichtig gerade ehrenamtliches Engagement ist.

Lektüre zum Weitergeben und Weiterempfehlen (Foto: Elke Tonscheidt)

Nun steht er also da. Gut eingegliedert in die Natur, man sieht ihn erst auf den 2. Blick. Was für Hans-Jürgen Greve wichtig ist, er schätzt „leise“ Bücherschränke – also die, die nicht sofort auffallen, sondern sich in den Ort integrieren.

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