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Südstadt

Coronafrust: „Die Leute machen jetzt eher mal einen guten Tropfen auf!“

Montag, 9. November 2020 | Text: Judith Levold | Bild: Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Sagt Carsten Henn, Wein- und Kulinarikjournalist, Buchautor und passionierter Weintrinker.

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„Das merk ich jetzt während der Corona-Pandemie ganz deutlich: So´n Tropfen, den man sich eigentlich aufsparen wollte, den machen viele jetzt einfach mal jetzt auf – was soll’s!“. Aufsparen wollte auch er seine tausenden Weinflaschen, die er als Fachautor und Wein-Jury-Mitglied im Keller so angesammelt hatte, nicht länger. „Corona und das Zuhausesein waren für mich Anlass, meinen Keller mal aufzuräumen.“ erzählt er, hinter seiner Maske mit den Augen grinsend. Dabei sei der Entschluss gereift, 1000 Flaschen zu spenden, gemischte Ware: „Freunde und Familie waren schon versorgt, das kann kein Mensch alleine trinken…“

v.l.n.r: Andreas Dünschede, Carsten Henn und Cornel Wachter an der „Abholstation“ vor der Weinstrasse am Sachsenring

Und wer, wenn nicht Künstler und Südstadpflanze Cornel Wachter, wäre besser geeignet, eine gute Benefiz-Aktion zu starten? „Wir kannten uns ja schon ein paar Jahre und da dachte ich, das muss der Cornel machen.“ so Henn. Und der ließ sich natürlich nicht lange bitten – seine Herzensprojekte Fortuna-Jugend, Vringstreff und die Palliativstation Mildred-Scheel-Haus an der Uniklinik, sind immer auf Förderung angewiesen. Neues Mobiliar für das Wohnzimmer des Mildred-Scheel-Hauses muss her, damit sich sterbenskranke Menschen „zu Hause fühlen können.“ wie Wachter sagt.

„Man denkt ja immer, das sei alles nur furchtbar traurig auf einer Palliativstation.“

Erzählt Wachter. Aber dort werde auch gelacht, gesungen und getrunken – gelebt eben. Und deshalb passe eine soziale Aktion zugunsten der Palliativstation auch bestens, so sie aus dem Genuss alkoholischen Getränks stamme. „Zu, Vringstreff oder zur Fortuna Jugend hätte das nicht gepasst, da muss es konsequent heißen – kein Alkohol, auch keine Verbindung dazu.“ begründet Cornel Wachter seinen Anspruch und die Entscheidung, das Mildred Scheel Haus zum Profiteur der Aktion zu machen. „Ich fand das gleich klasse“, sagt Carsten Henn, der aus seinem Keller, einfach wahllos in die Regale greifend, 6er oder 12er-Kartons gepackt und in seiner Garage gestapelt hat – „Das sind voll die surprise-packs.“ freut er sich. Es seien Weine für 7,50 Euro oder auch für 50 Euro die Flasche dabei – „In jedem Fall macht man mit den 30 oder 50 Euro pro Karton ein Schnäppchen.

Man kann nie wissen, was wirklich drin ist: Überraschungs-Wein für den guten Zweck!

Am 14. November zwischen 11 und 15h können ÜberraschungsliebhaberInnen ihre Kartons abholen, streng gemäß Coronaschutzmaßnahmen, als Abhol-Service an der Weinstrasse am Sachsenring. Inhaber Andreas Dünschede ist nämlich als Dritter ein- und hinabgestiegen in seinen so genannten „Musterkeller“ – und hat es Carsten Henn gleichgetan: 6er Kartons aus dem Vorrat gepackt.

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Auch Künstler Rolf Jahn, ein Bekannter Wachters und mit seiner Kunst oft in sozialen Kontexten unterwegs, ist spontan auf die Aktion aufgesprungen und legt den Weinkisten kleine Zeichnungen im Din A5-Format bei – leicht hingeworfene Striche, die andeuten: Ein Gesicht, ein Tier, eine Bewegung oder ein Dialog.

Rolf Jahn: Ohne Worte, 2020, Blei und Farbstift auf Papier

Insgesamt gibt es knapp 100 dieser Üeberraschungsweinkisten – aber Achtung: die meisten sind schon vorab reserviert worden und werden nur abgeholt, nur einzelne sind noch zu ergattern am Abholtag Samstag, 14.11.

Text: Judith Levold

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