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Gesellschaft

„Ist das wirklich so gewesen?“

Donnerstag, 21. März 2019 | Text: Alida Pisu | Bild: Oliver Köhler

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

40jähriges Jubiläum feiert das erste und damit älteste Altentheater der Bundesrepublik. Zu Hause ist es im „Freies Werkstatt Theater“ und wird geleitet von Ingrid Berzau und Dieter Scholz. Die aktuell 23 Ensemble-Mitglieder im Alter von 66 bis 90 Jahren können mit Stolz auf insgesamt zwölf Stücke verweisen. Meine Südstadt sprach mit der 80jährigen Gisela Klaus. Sie sprüht vor Energie und Lebenslust – und ist seit 15 Jahren dabei.

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Frau Klaus, wie kamen Sie auf die Bühne?
Gisela Klaus Eine Freundin von mir war schon Mitglied im Ensemble und hatte mich zu einer Vorstellung eingeladen. Ich war so begeistert, dass ich gefragt habe, ob ich mitmachen kann. Zuerst war ich nur bei Proben dabei. Dann hatte ich das Glück, dass jemand aus dem Ensemble krank geworden ist, ich wurde gefragt und bin quasi auf die Bühne gesprungen.

Giesale Klaus, Ensemble FWT

Frau Klaus sitzt – auf die Bühne musste sie spontan springen, mit immerhin auch schon 65 Jahren damals

In den Stücken wird stark mit autobiografischen Erlebnissen der TeilnehmerInnen gearbeitet. Wie ist das für Sie, sich dadurch intensiv mit Ihrem Leben auseinandersetzen zu müssen?
Ich finde es sehr gut, dass man auf diese Art und Weise wieder zurück blicken kann. Bestimmte Erlebnisse kann man dadurch ja auch verarbeiten.

Sie meinen schmerzhafte Erfahrungen?
Ja. Zum Beispiel Erlebnisse aus der Kindheit. Ich bin 1938 geboren und habe viele Erinnerungen an den Krieg, die ich dann im Grunde erzählen, verarbeiten und loswerden kann. Aber man kann dem Publikum damit auch erzählen, was das für Zeiten gewesen sind. Junge Leute haben daran ja keine Erinnerungen und das finde ich schon sinnvoll, sie damit zu konfrontieren.

Gisela Klaus, Freie Werkstatt Theater

Ensemblemitglied Gisela Klaus: Seit 15 Jahren beim Altentheater am FWT

Wie reagieren die jungen Leute darauf?
Die fragen dann auch nach: „Ist das wirklich so gewesen?“ oder „Was ist Ihnen sonst noch passiert?“ Die sind immer sehr interessiert.

Was war denn bisher Ihr Lieblingsstück?
„Ein Lieben lang.“ In dem Stück wird viel getanzt und gesungen, das liebe ich sehr. Ich erzähle da aber auch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Es war meine erste Liebe als ganz junges Mädchen. Obwohl es kein Happy End gab, habe ich trotzdem schöne und heitere Erinnerungen.

Jetzt machen Sie mich aber neugierig!
Als ich 17 war, bin ich mit dem Fahrrad nach Zürich gefahren. Das war für die damalige Zeit ein Wagnis. Meine Eltern wussten nichts davon, dass ich in Köln einen jungen Mann kennengelernt hatte. Wir haben uns kaum gekannt, da ging er nach Zürich. Ich bin hinterher, aber meine Eltern durften das nicht wissen, es war alles ganz heimlich. Es ist dann aber nichts draus geworden.

Durch das Autobiografische haben die Stücke alle auch mit Zeitgeschichte zu tun. Ob jetzt Vor- oder Nachkriegszeit. Spielt Politik da auch eine Rolle?
Ja, unbedingt. Ich bin als Kind übers Rote Kreuz in die Schweiz verschickt worden, auf einen Bauernhof. Da habe ich übers Radio den Atombombenabwurf über Hiroshima mitbekommen. Das Radio hat mir damals so viel Angst gemacht, dass mich alles, was Atom betrifft, nie losgelassen hat. Und die Szene erzähle ich auch in einem Stück. Als ich dann älter wurde, kam die Kuba-Krise und da hatte ich auch wieder Angst vor Atomraketen. Gott sei Dank ist das ja glimpflich ausgegangen, aber diese Dinge beschäftigen mich sehr.

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Was gibt Ihnen das Theaterspielen?
Viel. Ich habe einen sehr netten Kreis. Wir verstehen uns alle sehr gut. Der Kopf muss sich anstrengen, es ist nicht so einfach, das alles zu lernen, den Text und die in Form gebrachten Szenen. Man bleibt jung im Kopf, es macht viel Spaß. Was mir besonderen Spaß macht, sind die Workshops mit SchülerInnen. Wir spielen ihnen Szenen vor, ernste und auch lustige und kommen darüber ins Gespräch mit ihnen. Dann fordern wir sie auf, Szenen nachzuspielen. Es sind immer welche dabei, die begeistert mitmachen, wo der Funke dann übergesprungen ist. Und wo wir dann mit den SchülerInnen neue, kleine Szenen zu einem Thema erarbeiten. Ich glaube, dass bei dem einen oder anderen doch etwas hängen bleibt und er aufgeschlossen ist fürs Theater. Und das freut mich.

Dann wünsche ich Ihnen, dass Sie noch lange Theater spielen können!
Am 3., 5. und 6. April, zeigt das Altentheater „Szenen aus 40 Jahren“ im FWT.
Im Verlauf des Jahres gibt es weitere besondere Aktionen, beispielsweise eine Führung über den Südfriedhof mit dem beliebten und erfahrenen Stadtführer Günter Schwanenberg und Szenen des Altentheaters am 4. und 5. Mai. Das in Kooperation mit der Kriminalpolizei Köln entwickelte Präventionstheaterstück „Ausgetrickst-Nicht mit uns!“ wird im Oberlandesgericht am Reichenspergerplatz Köln (26.9., 18 Uhr) aufgeführt. Am 23. Juni gibt es einen „Theaterspaziergang mit Picknick im Grünen“ in der Südstadt.
Alles zu den besonderen Aktionen natürlich auf der Homepage des Theaters.

Text: Alida Pisu

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