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Buchtipps Kultur

Lesestoff: Anti-Rassismus

Donnerstag, 19. Mai 2022 | Text: Nora Koldehoff

Wenn es um Rassismus geht, ist die Zahl derer, die müde abwinken, größer, als man wahrhaben möchte. Alles schon gehört, alles schon durchgekaut und man war doch auch schon auf ganz vielen Demos, um zu zeigen, wo man steht. Und das ist ja auch gut und wichtig. Aber noch viel wichtiger ist es eben gerade für diejenigen, die nicht von Rassismus betroffen sind, zu wissen, was sie eben alles nicht wissen. Anders ist nämlich wohl kaum zu erklären, warum sich internalisierter Rassismus so beharrlich in unser aller Köpfe hält.

Die aufklärenden Bücher von Alice Hasters („Was Weiße nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“), Tupoka Ogette („Exit Racism“ / „Und jetzt du“), Kübra Gümüşay („Sprache und Sein“) und vielen anderen Autor:innen sind längst Standardwerke. Sie bieten auch für Diejenigen Basiswissen und Neuigkeiten, die behaupten, sich seit überhaupt immer mit dem Thema auszukennen.

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Aber nicht nur in Sachbüchern, auch in der Belletristik lässt sich Lesevergnügen mit Dazulernen verbinden.

Mithu Sanyal

Identitti

„Identitti alias Mixed-Race-Wonder-Woman“ lautet der Username der Bloggerin und Heldin des Romans, Nivedita Anand. Die Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters kämpft mit dem Grund-Gefühl, nirgendwo wirklich dazuzugehören. Nicht deutsch genug für Deutsche, nicht indisch genug in den Augen indischer Kinder, die sie „Coconut“ nennen – innen in Wahrheit weiß.
Nivedita studiert an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Postcolonial Studies bei der ebenso angesehenen, wie gefürchteten Professorin Saraswati: Jener Professorin, die Weiße direkt von ihren Seminaren ausschließt und ihre Studierenden ermutigt und unterstützt – allen voran ihre Lieblingsschülerin Nivedita.

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Als sich herausstellt, dass die Professorin Saraswati eigentlich weiß ist und als Zahnarztochter in Karlsruhe aufwuchs, ist das nicht nur ein aufsehenerregender Skandal, sondern auch der Zusammenbruch eines Weltbildes für ihre Studierenden. Nivedita und Saraswati, die eigentlich Sarah heißt, diskutieren und streiten erbittert über kulturelle Aneignung, Blackfacing und die Frage, ob eine kulturelle Identität ebenso fluide sein kann, wie etwa eine sexuelle.

Mithu Sanyal: „Identitti“
Hanser Verlag 2021, 432 Seiten, 22 Euro.

Jasmina Kuhnke

Schwarzes Herz

„Schwarzes Herz“ ist das Romandebüt von Comedy- und Drehbuchautorin Jasmina Kuhnke, die sich auf Twitter „Quattromilf“ nennt – „Mom I’d like to follow.“ Dort ist sie eine der lautesten und präsentesten Stimmen des Landes gegen Rasismus und macht auf Diskriminierung und rechte Hetze aufmerksam. Dafür zahlt Kuhnke einen hohen Preis: Sie wird derartig massiv bedroht, dass sie mit ihrer Familie im vergangenen Jahr kurzfristig umziehen musste, als ihre Privatadresse geleakt wurde.
Die Personen in ihrem Roman haben keine Namen, denn die Geschichte ist eine schmerzhaft alltägliche und steht stellvertretend für viele ähnliche Geschichten – die der Autorin eingeschlossen. Ihre Protagonistin ist die Tochter einer Serbokroatin und eines unbekannten Vaters aus Gambia; der Stiefvater ist gewalttätig. Ohne Schutz ist sie rassistischen Anfeindungen und Tätlichkeiten ausgesetzt.

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Halt sucht sie in einer Ehe, die schnell ebenfalls in eine Gewaltspirale mündet: Ihr Ehemann schlägt, vergewaltigt und demütigt sie, bis sie sich und ihre Kinder aus der Beziehung befreien kann.
Die Stärke des Buchs liegt gerade in seiner direkten und oft auch schmerzhaften Offenheit. Kuhnkes Botschaft ist klar: „Ich schreibe, um anderen Frauen* Hoffnung zu geben, damit sie sich nicht schämen und sich ihrem Schicksal ergeben. Ich will, dass du weißt: Du bist nicht allein.“

Jasmina Kuhnke: „Schwarzes Herz“
Rowohlt Verlag 2021, 208 Seiten, 20 Euro.

Deniz Ohde

Streulicht

Auch in Deniz Ohdes Romandebüt geht es um eine Heldin, die namenlos bleibt. Man erfährt nur, dass sie einen „öffentlichen“ Vornamen hat und einen „geheimen“. Als Kind einer türkischen Mutter und eines deutschen Industriearbeiters weiß sie, dass nur der nicht-türkische ihr Türen offen hält. Früh scheint trotzdem ihr Weg vorgezeichnet, denn so sehr sie sich bemüht, bleibt es schwer, vorwärts zu kommen, wenn Lehrpersonen und Mitschüler*innen Vorurteile haben und ihre rassistische Haltung ohne Konsequenzen ausleben. Das Gefühl, sich fremd und nicht dazugehörig zu fühlen prägen die Jugend der Protagonistin ebenso, wie das wie die Sprachlosigkeit – innerhalb der Familie und auch für sich selbst.

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Als Erwachsene kehrt sie zurück an ihren Heimatort und besucht ihren inzwischen verwitweten Vater. Nach einer abgebrochenen Schullaufbahn konnte sie mit Abendschule und Studium dem vermeintlich vorbestimmten Weg entkommen, aber was lange blieb, war das Gefühl des Nicht-genug-Seins.
Rassismus und Klassismus sind die beiden Themen des Buches, die nicht als solche benannt werden, aber umso eindringlicher in ihrer Auswirkung auf die Heranwachsende beschrieben.

Deniz Ohde: „Streulicht“
Suhrkamp Verlag 2020, 284 Seiten, 22 Euro (Taschenbuch 12 Euro).

Kiley Reed

Such a fun age

Emira ist Schwarz und Babysitterin in einer jungen, hippen und aufgeschlossenen weißen Familie. Nach einer Party springt sie für eine spontan angefragte späte Betreuung ihres Schützlings ein, weil die Eltern gerade eine Krise zu bewältigen haben. Um das Kind von den häuslichen Dramen wegzubringen, unternehmen die beiden einen Ausflug in das nahegelegene Geschäft, in dem sie auch tagsüber oft Zeit verbringen. Prompt wird sie aufgrund der späten Uhrzeit verdächtigt, das Kind entführt zu haben. Ein anderer Kunde, der ihr beistehen will und ihre Nähe sucht, filmt die Szene. Emira ist das Intermezzo vor allem unangenehm. Sie möchte ihren eigenen Weg wählen dürfen, mit dem Zwischenfall umzugehen. Doch das erweist sich als schwieriger, als gedacht.

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„Such a fun age“ handelt in erster Linie davon, was passiert, wenn Weiße glauben, besser zu wissen, wie People of Colour mit Rassismus umgehen sollten. Dabei werden die Motivationen aller Seiten nachvollziehbar geschildert – wodurch der oftmals zugrunde liegende Egoismus besonders deutlich wird. In leichtem Ton und mit viel Witz geschrieben ist die Geschichte auch als Satire auf unsere Gesellschaft zu verstehen, die viel zu oft behauptet: Wir meinen es doch alle nur gut.

Kiley Reid: „Such a fun age“
Ullstein Verlage 2021, 352 Seiten, 22 Euro (Taschenbuch 11,99 Euro).

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Text: Nora Koldehoff

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