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Kultur

„Online-Dating bringt´s nicht“

Montag, 20. Mai 2013 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wolfram Huke ist 31, hatte noch nie eine Freundin und noch mit niemandem Sex, außer mit sich selbst. Dabei ist der Filmemacher keineswegs bekennender Asket, sondern mit seiner Situation höchst unzufrieden. Ein Jahr lang hat er seine Versuche, an der betrüblichen Lage etwas zu ändern, mit der Kamera dokumentiert. Mit bemerkenswerter Offenheit und viel erfrischender Selbstironie. Sein Film „Love Alien“ läuft derzeit im Odeon. Das Gespräch mit dem Filmemacher fand am vergangenem Freitag im Foyer des Kinos statt.

 

Meine Südstadt: Und ?
Wolfram Huke: Was „und“ ?

Immer noch Single oder kannst du dich, seitdem deine 75minütige Kontaktanzeige im Kino läuft, vor Heiratsanträgen nicht mehr retten?
Immer noch Single, aber ich arbeite weiterhin daran. Vielleicht ergibt sich da ja was. Sooo viele Leute haben den Film ja auch noch gar nicht gesehen. Er wurde ja bislang nur auf ein paar Festivals gezeigt und ist erst seit gestern Im Kino. Okay, es gab zwei, drei Zuschauerinnen, die nach der Vorführung gesagt haben, sie würden mich gern kennenlernen, aber da weiß ich momentan noch gar nicht, wie ich damit umgehen soll.

Wo ist das Problem?
Das erscheint mir ein wenig wie Online-Dating und das funktioniert für mich auch nicht. Wenn man sich da irgendwann persönlich trifft, ist das Ganze eine zielgerichtete und völlig verkrampfte Veranstaltung.

Aber man chattet doch erstmal endlos, bevor man sich trifft…
Nicht unbedingt. Meiner Erfahrung nach kommt es relativ schnell zu einer ersten Begegnung.

Ich dachte, diese Rest-Anonymität  macht gerade den Reiz des Online-Datings aus?
Ich glaube, das hat sich in den letzten Jahren gerändert, weil viele Beteiligte gemerkt haben, dass dieses endlose Austauschen von Mails nie wirklich zu etwas führt. Inzwischen geht es da ziemlich pragmatisch zu. Man schreibt sich, guckt, ob man sich prinzipiell sympathisch ist und macht dann ziemlich bald ein Date aus.

 

Keine filmische Kontaktanzeige

Gehe ich Recht in der Annahme, dass deine  Motivation für den Film auch nicht die Vorstellung war, darüber endlich eine Frau zu finden?
Das war definitiv nicht mein Antrieb.  

War dabei für dich von Anfang an klar, dass du selbst darin die Hauptrolle spielen würdest? Das hat ja schon was von einem Coming Out. Schließlich bist du nicht nur derzeit Single, sondern bekennst, noch nie eine Freundin und noch nie Sex gehabt zu haben.
Der Gedanke, mal einen Film über dieses Thema zu drehen, hat mich begleitet , seitdem ich diese Beziehungslosigkeit als Problem empfinde. Ich denke, das fing so mit 19, 20 an. Der Entschluss, ihn über mich selbst zu drehen, kam erst später. Wenn ich mit anderen Betroffenen gedreht hätte, wäre das ja auch für die ein Coming Out gewesen. Diese Menschen, die dazu vor der Kamera bereit gewesen wären, hätte ich erstmal finden müssen. Das wäre vielleicht möglich gewesen, aber sicher schwierig geworden. Hinzu kommt, dass man das Alleinsein von anderen filmisch schlecht dokumentieren kann. Wenn ich mit Kamera und Mikro bei ihnen bin, sind sie in dem Moment schon nicht mehr allein. Also habe ich angefangen, zwei Wochen lang  meinen Alltag zu filmen. Die Aufnahmen habe ich dann Freunden von der Münchner Filmhochschule gezeigt, die mich ermutigt haben, den Film in diesem Stil zu drehen. Näher als mir selbst kann ich schließlich keinem anderen Menschen kommen.

Aber bringt das nicht andere Probleme? Besteht da nicht die Gefahr, sich selbst für die Kamera zu inszenieren?
Inszenieren würde ich das nicht nennen. Aber sich selbst zu filmen, ist unter zwei Aspekten natürlich etwas Besonderes. Wenn ich mit anderen Protagonisten dokumentarisch arbeite, gibt es da immer einen Gewöhnungseffekt. Irgendwann vergessen die Menschen die Anwesenheit der Kamera und sind dann in manchen Momenten völlig authentisch. Filme ich mich selbst, bringe die Kamera in Position und schalte sie ein und aus, fällt dieser Gewöhnungseffekt weg.

Wie lange hast du die Kamera für einzelne Sequenzen laufen lassen und wie viel Material hast du insgesamt gedreht?
Sehr unterschiedlich. Manchmal nur für ein paar Minuten, aber oft auch für mehrere Stunden. Insgesamt sind dabei rund 170 Stunden herausgekommen.

Du hattest noch einen zweiten Aspekt bei der Selbstbeobachtung…
Genau. Auch bei einem `normalen´ Dokumentarfilm wird nicht unbedingt inszeniert, aber doch arrangiert. Ich beobachte meine Protagonisten, unterhalte mich mit ihnen, und erkläre ihnen dann, dass sie bestimmte Dinge für den Dreh noch einmal machen oder sagen sollen. Man lässt sie also quasi sich selbst spielen. Diese Dimension gibt es beim Selbstdreh natürlich nicht.

Gab es auch Aktionen, die du eigens für den Film gemacht hast? Beispielsweise die Reise zu deiner Bekannten nach Zagreb?
Die Reise hatte ich ohnehin geplant. Eigentlich habe ich nichts nur für den für den Film unternommen. Mag sein, dass ich die Therapeutin ohne den Dreh erst im nächsten Jahr aufgesucht hätte, aber geplant hatte ich das schon vor der Arbeit am Film.  

Auch die modische Nachhilfe durch zwei professionelle Stil-Beraterinnen?
Auch das. Vielleicht hätte ich ohne den Film eine Bekannte gefragt, aber die wäre womöglich viel gnädiger mit mir umgegangen. Aber ich habe ja auch viele Dinge, die man von einem Mann in meiner Situation erwarten könnte, nicht gemacht.

 

„Ich will kein Casanova werden“

Beispiel?
Beispielsweise Single-Reisen oder Pick-Up-Seminare, in denen man lernen soll, an nur einem Abend eine Frau so zu betören, dass sie gleich mit einem ins Bett springt. Aber sowas interessiert mich nicht. Ich will ja kein Casanova werden.

Irgendwann im Film schilderst du der Therapeutin deine Vorstellung, dass sich so eine Liebesbeziehung eigentlich von selbst ergeben müsse. Eine ziemlich romantische Idee.
Mag sein. Aber ich hänge daran.

Scheinbar auch beim Sex. Du erzählt im Film von einem einmaligen Bordellbesuch, wo du das Etablissement aber unverrichteter Dinge wieder verlassen hast. Bleibt also nur Sex mit dir selbst. Mal sieht man im Hintergrund in deiner Wohnung Pornos auf dem Monitor, mal liegst du im Bett, schaust auf dein Notebook und vollführst unter der Decke eindeutige Bewegungen. Wenn´s echt war, warum nicht ohne Decke?
Da hätte der Bayrische Rundfunk, Koproduzent des Films, vermutlich was dagegen gehabt.

Aber ich kann mir die Versuchsanordnung bei laufender Kamera nicht also besonders lustvoll vorstellen…
Natürlich habe ich mich bei der Szene auch gefragt, ob das jetzt Schmierentheater wird oder es zur wahrheitsgemäßen Darstellung meiner Situation legitim und notwendig ist. Ich habe mich dann für Letzteres entschieden.

Warum sind deine Eltern im Film?
Weil ich dachte, sie sollten schon dabei sein, weil sie in meinem Leben schließlich eine tragende Rolle gespielt haben bzw. spielen. Und die Szene und das Gespräch mit meiner Mutter waren für mich der schwierigste Moment des Films. Schließlich hatten wir vorher nie explizit über mein Problem gesprochen.

Bei aller Ehrlichkeit gegenüber dir selbst stellt sich bei einem als Zuschauer doch  keine sonderliche Empathie ein, weil du auch immer wieder ironische Brechungen einbaust. Wolltest du kein Mitleid?
Als reine Depri-Selbstdarstellung wäre das Ganze doch vermutlich unerträglich. Das wollte ich weder Zuschauern noch mir selbst zumuten.

 

Wir danken für das Gespräch.

Text: Reinhard Lüke

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